DK009 - Wir brauchen mehr Vulkanausbrüche

Shownotes

DK009 - Wir brauchen mehr Vulkanausbrüche

…und wo haben wir eigentlich die Extratropen gelassen?

"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.

Wir sind bei Kapitel 4 des IPCC-Berichts angekommen. Und da geht es um die Zukunft. Was wird mit dem Klima passieren? Wie werden die Temperaturen steigen, wie wird sich der Niederschlag verändern und so weiter: Wir schauen bis ins Jahr 2100 und auf das, was uns erwartet. Nichts gutes, wenn wir so weiter machen wie bisher. Es gäbe Wege in die Zukunft, auf denen wir die Klimakrise halbwegs in den Griff kommen. Wenn wir die aber nicht gehen, dann müssen wir auf den einen oder anderen Vulkanausbruch hoffen. Wie die das Klima beeinflussen, besprechen wir am Ende der Folge.

Willkommen in der Zukunft

In Kapitel 4 verlassen wir Vergangenheit und Gegenwart und schauen nach vorne in unsere ganz schön warme Zukunft. Dabei ist alles ein wenig anders als bisher. Während die bisherigen Kapitel immer Stück für Stück die verschiedenen Komponenten unseres Klimasystems (Atmosphäre, Kryosphäre, Ozeane und Biosphäre) durchgegangen sind, gehen wir jetzt Stück für Stück immer weiter in die Zukunft. In der nahen Zukunft (near-term, 2021-2040) können wir noch kaum Unterschiede sehen zwischen den verschiedenen Zukunftsszenarien, die unser mögliches menschliches Verhalten aufspannen. Das ändert sich aber in middle-term (2041-2060) und erst recht long-term (2081-2100) gegen Ende unseres Jahrhunderts.

Wie heiß wird es noch werden?

Wenn wir uns anstrengen, was den Klimaschutz angeht, dann können wir die Erwärmung der Erde bis zum Jahr 2100 noch unter 1,5 Grad halten. Wenn wir uns weniger anstrengen, wird es wärmer und wenn wir das weiter tun, was wir jetzt gerade tun, dann wird es wirklich heiß werden. Tabelle 4.5 des Berichts zeigt das sehr eindeutig:

Tabelle 4.5

Was man auch sehr gut sieht und zwar in Abbildung 4.12 des Berichts: Wenn man die Temperaturveränderungen der Zukunft in einem Diagramm darstellen will, dann braucht man eigentlich nur Farben um eine Erwärmung anzuzeigen. Kälter wird es nämlich nicht werden.

Abbildung 4.12

Die Diagramme des IPCC-Berichts sind aber sowieso eine ganz besondere Angelegenheit.

Kalibrierte Diagramme

Über Fehlerbalken, Konfidenzintervalle und die Bandbreite der Modellvorhersagen haben wir schon oft gesprochen und wir haben sie schon oft gesehen. Jedenfalls in Zeitreihen, also wenn wir uns z.B. die globale Temperatur über die Zeit auftragen. Aber wie stellt man eigentlich auf Karten dar, wo die Modelle gut übereinstimmen oder gar signifikante Werte liefern und wo nicht? Claudia taucht mit Euch ab in die Einführung kalibrierter Diagramme im Bericht. Während die Berichte vorher da noch uneinheitlich vorgegangen sind, will man es diesmal richtig machen. Wenn man in den aktuellen Bericht oder den dazugehörigen interaktiven Atlas schaut, und letzteren können wir sehr empfehlen, sieht man ganz viele Karten der Erde und wo die Temperatur wie ansteigt. Darüber liegen ab und an Schraffierungen: mal von unten links nach oben rechts, mal von unten rechts nach oben links und mal gekreuzt. Das hat alles seine kalibrierte Bedeutung. Da wo keine Schraffur zu sehen ist, stimmen die Modelle jedenfalls gut überein und es bleibt nur wenig Zweifel an der dargestellten Zukunft. In Cross-Chapter Box Atlas.1, insbesondere Tabelle 1, findet man eine gute Zusammenfassung, aber auch unter jede Abbildung wurde im Bericht eine Erklärung gepackt, was die Schraffierungen oder deren fehlen bedeutet. Ein Schritt Richtung einheitlicher Darstellung, der zwar erstmal kompliziert klingt, es uns auf lange Sicht aber leichter macht.

Wie lange haben wir noch Eis?

Keine Überraschungen gibt es, was das Eis angeht: Im Sommer wird die Arktis bis zum Ende des Jahrhunderts quasi eisfrei sein. Je nach dem, was wir in Sachen Klimaschutz noch unternehmen, können wir ein klein wenig Eis erhalten. Aber die Chancen stehen gut, dass demnächst alles weg ist:

Abbildung 4.5

Best of “Wasser von oben”

Heute schlägt Claudia ziemlich viel nieder, denn es geht um die Veränderung des mittleren Niederschlags, aber auch um dessen großskalige Veränderungen. Während bei der Temperatur einfach überall die Werte steigen, gibt es Regionen auf der Welt die künftig mit deutlich mehr Wasser von oben rechnen müssen, z.B. die Polarregionen im Winter, und welche, die mit deutlich weniger Wasser von oben auskommen müssen. Hier müssen wir zuerst noch klären, wie das mit den Tropen ist. In der Klimaforschung kennt man nämlich auch noch Extratropen und Subtropen. Das klingt exotisch, ist es aber nicht. In Deutschland oder Österreich befindet man sich in den Extratropen; die Subtropen findet man schon im Mittelmeerraum. Und dort wird es trocken werden!

Auf der Nordhalbkugel steigt in den Extratropen der Niederschlag jedoch insgesamt an. Das ist aber nur das Mittel über alle Regionen. Schauen wir doch mal nach Europa. Für unsere weniger schönen Zukünfte, also die Szenarien in denen wir Menschen zu wenig machen oder gar weitermachen wie bisher, wird es im Bereich des Nordatlantik auf längere Sicht nämlich trockener, wie man in Abbildung 4.24 sehen kann:

Abbildung 4.24

Dieses trockene Band reicht bis zu uns in Europa. Spanien und das Mittelmeer sind definitiv betroffen, in Sommer und Winter. Insgesamt hat man aber ausgerechnet, dass der globale mittlere Niederschlag mit jedem Grad mehr Erderwärmung um 1 bis 3% ansteigt und in diese Erkenntnis hat man hohes Vertrauen.

Wir brauchen mehr Vulkanausbrüche

Bevor wir Menschen in das Klima eingegriffen haben, waren Vulkanausbrüche die größten klimarelevanten Ereignisse. Die brechen natürlich auch heute immer noch aus, wie man gerade auf den kanarischen Inseln sehen kann. Und im Gegensatz zu den menschengemachten Treibhausgasen sorgen Vulkanausbrüche für eine Abkühlung des Klimas. Wie das genau ausschaut und vor allem wie das in Zukunft aussehen könnte, hat sich das IPCC im Detail angesehen.

Ein Ausbruch wie der des indonesischen Vulkans Samalas im Jahr 1257 könnte die Temperatur der Erde wieder auf ein vorindustrielles Niveau drücken. Allerdings nur für ein paar Jahre und die Nebenwirkungen sind auch nicht ohne. Der eine oder andere Vulkanausbruch in den nächsten Jahrzehnten könnte uns aber trotzdem ein wenig Zeit verschaffen, unsere Klimaziele zu erreichen. Hoffen sollten wir aber nicht darauf…

CC Box 4.1 Figure 1

Ausblick

In der nächsten Folge werden wir den Rest des Kapitels besprechen und dann geht es um die noch fernere Zukunft, um Ereignisse, die unwahrscheinlich aber sehr dramatisch sind und um technische Möglichkeiten, das Klima in den Griff zu kriegen.

Fehlermeldung Solltet ihr meinen, einen Fehler im IPCC-Bericht entdeckt zu haben, könnt ihr dieses Formular nutzen um es zu melden.

Kontakt

Wer uns Feedback, Grüße oder sonstige Nachrichten schicken will, tut das am besten über podcast@dasklima.fm. Ansonsten freuen wir uns schon auf Kapitel 4. Denn da blicken wir in die Zukunft! Obwohl die Chancen gut stehen, dass wir uns nach der Lektüre nicht mehr freuen…

Weiterführende Informationen

Kapitel 4 des Klimaberichts ist hier als pdf downloadbar.

Kontakt und weitere Projekte

Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.

Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.

Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.

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Kommentare (1)

Robin

Hallo Claudia, hallo Florian, ich glaube, euch ist in dieser Episode etwas bei der Definition der Subtropen durcheinander geraten. Bei 41:55 sagt ihr, dass die Subtropen von 5° bis 30° n. B. reichen. Das würde aber nicht mit der späteren Aussage übereinstimmen, dass die größten Teile Südeuropas in den Subtropen liegt. Ansonsten weiter so! Die Folgen werden immer besser :) Meine Lieblingsfolge ist bisher die Nummer 8. Die hat einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen. Vor allem die Aussagen zu den Auswirkungen auf die Biosphäre sind erschreckend und faszinierend zugleich. "Nur" erschreckend sind die rudimentären Überlegungen einiger Menschen, dass mehr CO2 gut ist für das Pflanzenwachstum... Der Leaf area index ist gar nicht so obskur. In der Ökologie wird er schon lange, auch außerhalb klimawandel-relevanter Fragestellungen, verwendet um z. B. den Deckungsgrad von Pflanzenarten -bzw. gesellschaften zwischen verschiedenen Ökosystemen zu vergleichen oder den Einfluss der Pflanzendecke auf die Abflussbildung zu ermitteln.

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