DK047 - Abschied von den Malediven

Shownotes

DK047 - Abschied von den Malediven

…und warum ist Sylt keine kleine Insel?

"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.

In Folge 47 sind wir reif für die Insel. Zumindest aber reif, Kapitel 15 zu lesen, das sich mit den Klimarisiken für die “kleinen Inseln” beschäftigt. Das ist natürlich der Meeresspiegelanstieg, der aber sehr viel komplexer ist, als man denken würde. Wir sprechen über die Wasserversorgung der Inseln, was ihnen sonst noch zustoßen kann und wie (oder ob) sich darauf reagieren lässt. Wir reisen einmal durch die Weltmeere und machen dabei längere Stops auf den Malediven und auf Sylt. Im indischen Ozean schauen wir uns an, wie die Klimakrise sich daran macht, die kleinen Inseln zu zerstören und auf Sylt schauen wir, wie man diesen Gefahren zu begegnen sucht.

AG II Kapitel 15

Reif für die Insel

Nachdem wir in den vergangenen Folgen alle Regionen der Welt besprochen haben, bleiben jetzt noch die überall im Meer verteilten Inseln. Die sind ganz besonders betroffen, wie wir ja auch schon in Folge 27 des Podcasts kurz besprochen haben. Die Inseln sind jeder Menge Schlüsselrisiken ausgesetzt:

Abbildung 15.5

Was ist eigentlich eine kleine Insel?

Welche Inseln von Überflutungen so stark betroffen sein werden, dass die Menschen sie vielleicht verlassen werden müssen, zeigt Abbildung 15.3:

Abbildung 15.3

(Details dazu findet man auch im Small Islands Fact Sheet).

Zwischen 8 und 50 % dieser Inseln werden in Zukunft vollständig überflutet; der Meeresspiegelanstieg spielt also immer eine Rolle. Hat aber auch jede Menge andere Auswirkungen.

Die Wasserversorgung der Inseln ist in Gefahr

Zum Beispiel wenn es um die Wasserversorgung der Inseln geht. Da gibt es schon jetzt Probleme. Barbados hat keine Reserven mehr; St. Lucia nicht mal keine Reserven; die entnehmen mehr Wasser, als da ist und auch viele andere Inseln müssen Wasser importieren. Die Wasserversorgung schwankt auch mit dem Auftreten von Regenzeiten; es hilft aber auch nicht immer, das Regenwasser einfach aufzubewahren, weil da Krankheitserreger entstehen können.

Grund für die Wasserprobleme ist der Meeresspiegelanstieg, der dafür sorgt dass die Süßwasserreservoirs unter der Insel kleiner werden und immer weiter versalzen. Was auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Ökosysteme hat.

Die verschiedenen Inselarten

Insel ist nicht gleich Insel und welche Arten es gibt, zeigt Abbildung 15.2:

Abbildung 15.2

Die Zukunft der Inseln

Die Zukunft der Inseln schauen wir uns am Beispiel der Malediven an. Es geht vor allem um die Frage: Wenn dank Klimakrise die extremen Ereignisse immer extremer werden und immer häufiger auftreten - kann sich das System dann noch erholen?

Figure Box 15.1.1

Das wird schwer. Und das heißt, dass so eine Insel nicht einfach “nur” untergeht. Die Extremereignisse werden, wie im Fall der Malediven, immer heftiger und haben immer heftigere Folgen, so lange bis die Insel schon längst nicht mehr bewohnbar ist, bevor sie vom Meer verschluckt wird.

Küstenerosion, Sand und Beton

Sand ist wertvoll. Man kann aber nicht jeden Sand für die Produktion von Beton nehmen. Wir brauchen aber viel Beton und daher auch viel Sand. Wüstensand geht nicht, der ist zu fein. Meeressand aber schon und der wird jetzt zwar nicht auf den Inseln direkt vom Strand weggebaggert. Sondern vom Meeresboden weggesaugt - was die Korallenriffe und die Ökosysteme kaputt macht. Und dann rutscht neuer Sand nach und rundrum sinkt alles ab; die Insel inklusive Strand. Das ruiniert das Grundwasser, die Landwirtschaft und den Tourismus. Mit dem Klima hat das alles noch nichts zu tun - aber solche Praktiken zerstören die natürlichen Schutzwälle von Inseln und machen die Auswirkungen der Klimakrise viel schwerer als sie es sein müssten.

Sylt: Ein Potpourri der Anpassungsmaßnahmen

Sylt kommt zwar im IPCC-Bericht nicht vor, ist aber trotzdem spannend. Dort kann man jede Menge Anpassungsmaßnahmen beobachten. Zum Beispiel Seewälle und künstliche Dünen, die zwar gut schützen, aber enorm teuer sind. Oder Wellenbrecher und Tetrapoden aus Beton auf den Stränden, die funktionieren, aber nicht optimal. Dort wird sogar Sand von einem Ende der Insel auf das andere umverteilt, was nicht nur absurd teuer ist sondern auch keine optimale Lösung. Man versucht auch den Strand zu entwässern, weil trockener Sand nicht so schnell abgetragen wird. Aber alles was probiert wird, funktioniert nicht optimal. Man muss nachhaltiger werden!

Was man ganz allgemein tun kann, zeigt Abbildung 15.7:

Abbildung 15.7

Die beliebteste Methode des Küstenschutzes sind Deiche; die aber eben gerade nicht nachhaltig und transformativ sind. Da braucht es natürliche Maßnahmen, die die gesamte Insel widerstandsfähig machen.

Tourismus und Wirtschaft

Das Problem ist sehr oft das Geld. Viele Inseln leben fast komplett vom Tourismus. Durch Corona fiel der weg, weswegen auch das Geld fehlt, das in Küstenschutz investiert werden hätte können. Was es braucht ist eine “blaue Wirtschaft”, die eine Balance zwischen Küstenschutz und Wirtschaft findet.

Deutsche Insel sind keine IPCC-Inseln

Am Ende klären wir dann noch, dass die deutschen Inseln für das IPCC tatsächlich nicht zu den “kleinen Inseln” zählen; das sind nur die, die weitab vom Land in den Meeren liegen.

Vorschau auf die nächste Folge: Risiken

Mit dieser Folge schließen wir die regionalen Kapitel und führen alles aus Teil 2 in den nächsten drei folgen in drei Synthese-Kapiteln zusammen. Los geht es mit einem globalen Blick auf die Risiken.

Weiterführende Informationen

Kapitel 15 des zweiten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.

Hinweis zur Werbung und zu Spenden

Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden.

Kontakt und weitere Projekte

Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.

Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.

Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.

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