DK045 - Mit der Klima U-Bahn durch Europa

Shownotes

DK045 - Mit der Klima U-Bahn durch Europa

…und wer hat den besten Klimarat?

"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.

In Folge 45 geht es um Europa. Da sind wir zuhause und die Hörerschaft zum größten Teil auch. Was Europa von der Klimakrise zu erwarten hat, erklärt uns diesmal Birgit Bednar-Friedl von der Uni Graz, eine der Lead-Autorinnen von Kapitel 13 des 2. Teils des IPCC-Berichts. Wir reden darüber wie Überschwemmungen in Europa die Finanzmärkte der ganzen Welt beeinflussen können, wie man den richtigen Weg bei den vielen Anpassungsstrategien findet und über den Klimarat in Österreich, den Bednar-Friedl als wissenschaftlicher Beirat begleitet. Außerdem schauen wir, was mit der Rentierzucht in Nordschweden passieren wird und werfen einen Blick auf Venedig, das sich in Zukunft deutlich verändern wird.

AG II Kapitel 13

Wir begrüßen Birgit Bednar Friedl

Birgit Bednar-Friedl ist Umweltökonomin am Institut Volkswirtschaftslehre Uni Graz und beschäftigt sich mit der Ökonomik des Klimawandels, insbesondere der Mitigation und Anpassung und der Umwelt- und Ressourcenökonomik. Außerdem ist sie ist Vizegruppenleiterin der Forschungsgruppe „Ökonomik des Klima- und Umweltwandels” am Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel. Und war als Hauptautorin für Kapitel 13 des 2. Teils des IPCC-Berichts verantwortlich, in dem es um Europa geht.

Was ist das besondere am Klima in Europa?

Für Europa hat das IPCC vier Hauptrisiken identifiziert. Die Hitze, die Abnahme landwirtschaftlicher Erträge, Probleme mit dem Wasser und die Gefährdung des kulturellen Erbes:

Abbildung 13.28

Und wenn wir schon mal eine Expertin zu Gast haben, dann lassen wir uns gleich mal erklären, wie man eigentlich die “key risks” für eine Region identifiziert.

Wie Europas Fluten die globalen Finanzmärkte beeinflussen Sehr interessant fanden wir alle die Abbildung 13.26:

Abbildung 13.26

Sie zeigt, wie sich die finanziellen Kosten von Überschwemmungsereignissen in Europa auf die Finanzmärkte der restlichen Welt übertragen. Wenn es bei uns schlecht läuft, dann reißen wir die anderen Ländern mit. Und umgekehrt ist es natürlich genau so. Wenn irgendwo anders etwas passiert, hat es Auswirkungen auf uns. Wenn zum Beispiel ein extremes Wetterereignis die Halbleiterproduktion in Thailand zum Erliegen bringt, dann hat das auch Auswirkungen auf Europa.

Die Klima-U-Bahn

Was man gegen die Risiken der Klimakrise tun kann, zeigt die sehr schöne Abbildung 13.32:

Abbildung 13.32

Sie sieht vielleicht auf den ersten Blick ein wenig verwirrend aus. Aber man kann sich das Ganze wie einen U-Bahn-Plan vorstellen, der uns zeigt, wie weit wir mit einer bestimmten Anpassungsmaßnahme kommen und wann wir umsteigen müssen. Das deprimierende Resultat: Wenn es zu heiß wird, bleibt als einzige Maßnahme gegen Überschwemmungen nur noch die Migration; alles andere funktioniert nicht mehr.

Es fehlt das Dringlichkeitsbewusstsein

Die Hindernisse für erfolgreiche Anpassung in Europa sind vor allem die fehlenden Ressourcen. Es wird zu wenig gemacht und man ändert nur das, was eh schon da ist; baut also zum Beispiel die Schutzmauern gegen Hochwasser ein wenig höher - aber setzt keine neuen, nachhaltigen Maßnahmen. Es fehlt an Dringlichkeitsbewusstsein und es mangelt an politischer Führung. Und an Geld, so wie immer.

Wie so ein Anpassungszyklus aussieht, zeigt Abbildung 13.34:

Abbildung 13.34

Die Rolle der Städte

Welche Risiken die Städte durch die Klimakrise haben, zeigt Abbildung 13.17:

Abbildung 13.17

Ein wenig optimistisch stimmt Abbildung 13.36: Abbildung 13.36

Sie zeigt den Zusammenhang zwischen Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und dem “Zusatznutzen” der daraus entsteht. Oder anders gesagt: Wenn wir uns um die Klimakrise kümmern, dann hat das auch positive Auswirkungen für so gut wie alle anderen Probleme auf der fehlt. Wir müssen uns halt kümmern…

Wer soll sich kümmern ums Klima?

Wer trägt denn jetzt eigentlich die Verantwortung für den Klimaschutz? Die Individuen? Die Firmen? Die Regierungen? Natürlich alle, aber manche mehr und manche weniger. Wie die Bevölkerung Europas das sieht, zeigt Abbildung 13.35:

Abbildung 13.35

Da wechselt die gefühlte Verantwortung im Laufe der Zeit ein bisschen hin und her. Aber dass die Politik etwas tun sollte, bleibt immer klar.

Was macht ein Klimarat?

Nur was soll die Politik tun? Die Wissenschaft gibt schon jede Menge Hinweise, aber auf die wird leider nicht immer gehört. Vielleicht aber hört sie auf “die Menschen”. Und dafür gibt es auch in Österreich mittlerweile einen Klimarat. Da wurden 100 Bürger:innen repräsentativ ausgewählt und sollen Maßnahmen zum Klimaschutz vorschlagen. Beraten werden sie dabei von Wissenschaftler:innen wie Birgit Bednar-Friedl. Das ist prinzipiell sehr gut; weniger gut ist, dass die Politik nicht verpflichtet ist, darauf zu reagieren…

Rentierzucht in Schweden

Als konkretes Beispiel für die Probleme der Menschen in Europa hat Kapitel 13 die Lage der nomadischen Rentierzüchter:innen in Schweden untersucht. Diese traditionelle Lebensweise ist durch die Klimakrise bedroht und zwar aus vielen Gründen, wie Abbildung Box 13.2.1 zeigt:

Abbildung Box 13.2.1

Der Untergang von Venedig

Am anderen von Europa liegt Venedig und auch dort wird sich in Zukunft einiges ändern. Der Meeresspiegel steigt dort überdurchschnittlich schnell an. Für eine Stadt, die quasi mitten im Meer liegt, ist das ein großes Problem. Venedig hat reagiert und gigantische Hochwasserbarrieren gebaut. Aber wenn der Meeresspiegel um 50cm ansteigt, wird man diese Barriere für mindestens 2 Monate pro Jahr schließen müssen; wenn das Wasser um 120 cm ansteigt, sind die Barrieren quasi das ganze Jahr über geschlossen. Das bedeutet, dass sich die Stadt zu einem komplett anderen Ökosystem wandeln wird. Von einer Lagune zu einem Küstensee.

Abbildung Box 13.1.1

Weiterführende Informationen

Wer einen schnellen Überblick über die Klimakrise in Europa haben möchte, kann sich das entsprechende Fact-Sheet ansehen. Oder ab und zu auf die Homepage des PESETA-Projekts schauen. Oder einfach eine Mail mit Fragen an Birgit Bednar-Friedl schicken!

Was es über den Klimarat Neues gibt, kann man in einer Pressekonferenz am 4. Juli 2022 sehen, die auf der Homepage des Klimarats zu sehen sein wird.

Vorschau auf die nächste Folge: Nordamerika

In der nächsten Folge geht es um Nordamerika. Mit einem Thema, das wir bis jetzt so noch nicht hatten.

Weiterführende Informationen

Kapitel 13 des zweiten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.

Hinweis zur Werbung und zu Spenden

Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden.

Kontakt und weitere Projekte

Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.

Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.

Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.

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Kommentare (3)

Rainaari

Ah, schade...ich hatte den Podcast auf dem Rad gehört und war kurz davor, meine Kopfhörer wegzuwerfen...

Florian

@Werner: Das war ein technisches Problem bei der Verbindung nach Graz, das sich leider nicht lösen ließ.

Werner

Hallo! Grade die aktuelle Folge gehört. Wie immer prinzipiell interessant. Extrem störend empfand ich diesmal allerdings das Hintergrund"klicken", wenn Frau Bednar-Friedl gesprochen hat. Sollte es sich dabei um das Tippen auf ein Smartphone gehandelt haben, so empfinde ich das zusätzlich als sehr respektlos einem/r Sprechenden gegenüber. Schöne Grüße

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