DK041 - Fisch-Festivals und die Klimazukunft in Afrika

Shownotes

DK041 - Fisch-Festivals und die Klimazukunft in Afrika

…und warum wissen wir so wenig über diesen Kontinent?

"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.

In Folge 41 geht es um Afrika. Kapitel 9 des zweiten Teils im IPCC-Bericht beschäftigt sich mit der Klimazukunft des großen Kontinents. Afrika ist am stärksten betroffen und hat am wenigsten Schuld. Wir sprechen über die Ungleichheit in Klimaforschung und Forschungsförderung. Und über den Tourismus in Afrika, der erstens wichtig ist und zweitens in Zukunft große Probleme kriegen wird. Ebenso wie die vielen Weltkulturerbestätten und vor allem das immaterielle Weltkulturerbe. Wenn Afrika verliert, verlieren wir alle.

AG II Kapitel 9

Ein neuer Abschnitt des Berichts

Mit Kapitel 9 starten wir in einen neuen Abschnitt des zweiten Teils vom IPCC-Bericht. Wir gehen jetzt der Reihe durch die Regionen der Welt und schauen, was dort passieren wird. Den Anfang macht Afrika.

Wir schauen auf Afrika

Afrika ist schwierig, zumindest für uns Durchschnittsmenschen aus Europa. Wir haben keine Ahnung, was dort abgeht. Jede Menge!

Abbildung 9.1

Und Afrika ist vor allem auch deswegen wichtig, weil die Leute dort nicht nur am stärksten betroffen sind vom Klimawandel sondern auch am wenigsten Schuld haben.

Afrika im Detail

Wie sich die global gesehen wenigen Treibhausgasemissionen Afrikas auf die einzelnen Nationen aufteilen, zeigt Abbildung 9.2:

Abbildung 9.2

Alle Länder haben - so wie fast überall auch sonst - mehr emittiert. Nur Libyen hat seine Emissionen reduziert. Wir haben allerdings keine Ahnung, warum das so ist.

Wer erforscht Afrika?

Ein Blick in die Forschungsstatistik ist erschreckend.

Abbildung 9.4

Der Klimawandel in Afrika wird vor allem außerhalb Afrikas erforscht. Und das meiste was wir über Afrika wissen basiert auf Studien die von außerhalb Afrikas stammen. Diese ungleiche Förderbedingungen beeinflusst den ganzen Rest der Erkenntnis über Afrika

Afrikas Burning Embers: Die Schlüsselrisiken

Das IPCC hat drei Schlüsselrisiken für Afrika identifiziert: Biodiversität, Nahrungsmittelproduktion und Gesundheit/Sterblichkeit. Wie da die Lage aussieht, zeigt Abbildung 9.6:

Abbildung 9.6

Die Risiken sind jetzt schon überall moderat und werden definitiv noch hoch werden. Und wenn wir nicht radikal umdenken und bei einer globalen Erwärmung von mehr als 2 Grad landen, dann wird zumindest bei Biodiversität und Gesundheit ein sehr hohes Risiko erreicht. Das heißt: Mehr als 50 Prozent der Spezies können lokal aussterben, bis zu 18 Prozent droht ein totales Aussterben. In großen Teilen Afrikas wird es mehr als 100 Tage pro Jahr geben, wo die Hitze tödlich ist und Millionen Menschen werden unter der Hitze leiden.

Anpassungen für Afrika: Geld ist wichtig!

Es gibt diverse Möglichkeiten sich an die Klimakrise anzupassen. Dafür braucht es aber vor allem Geld. Das sollte Afrika eigentlich bekommen, so hat es der Rest der Welt beschlossen. Das vereinbarte Geld (100 Milliarden US-Dollar pro Jahr ab 2020) kommt aber nicht an.

Und die Kosten steigen schnell! Um bis zu 50 Milliarden Jahr pro Jahr, wenn alles super läuft mit dem Klimaschutzt, bis zu 437 Milliarden pro Jahr, wenn nicht. Aber anpassen ist immer noch billiger als nichts tun! Ein Anfang wäre: Den afrikanischen Ländern ihre Schulden erlassen damit sie das Geld in Klimaschutz investieren können.

Klimawissen in Afrika

Um etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen müssen die Menschen Bescheid wissen. Das Klimawissen in Afrika liegt bei 39 Prozent (d.h. so viele Menschen wissen um die Krise und ihre Ursachen). Die Schwankungsbreite ist aber enorm. Wo sind die Messstationen in Afrika?

Afrika hat viel zu wenige Messstationen als dass wir vernünftige Daten sammeln könnten:

Abbildung 9.15

Aber wir wissen: Die meisten Länder dort werden in Zukunft Temperaturen erleben, die es dort noch nie gegeben hat!

Gletscher in Afrika (sind sehr bald weg)

Afrika hat auch Gletscher, aber nicht mehr lange. Am Mount Kenya ist schon die Hälfte weg, in den Rwenzori-Bergen ebenfalls. 2030 werden die Gletscher dort weg sein und auf den anderen hohen Bergen wird es 2040 so weit sein.

Tourismus in Afrika

Tourismus macht 8,5% des BIPs in Afrika aus. Das ist nicht wenig. Aber in Zukunft wird es schwierig. Die afrikanischen Strände werden durch den Meeresspiegelanstieg beeinträchtigt; die Wasserknappheit macht das Leben nicht nur für die Menschen vor Ort schwer sondern auch für Tourist:innen. Wenn Flora und Fauna verschwinden wird es auch keinen Wildlife-Tourismus mehr geben und wenn die Wasserknappheit ikonische Sehenswürdigkeiten wie die Victoria-Fälle zerstört, fällt das auch weg.

Klimawandel und Gewalt

Mit der Hitze steigt die Gewalt; einerseits direkt durch die psychologischen Auswirkungen, andererseits durch indirekte Effekte, wenn zum Beispiel Wetterereignisse die Lebensgrundlage der Menschen zerstören. Das gilt nicht nur für Afrika, dort ist man nur besonders betroffen.

Kulturelles Erbe in Afrika

Afrika besitzt jede Menge kulturelles Erbe. Allein 96 Welterbestätten der UNESCO befinden sich in Afrika. Zum Beispiel viele uralte Felsmalereien - es gibt aber kaum Forschung zu den Auswirkungen der Klimakrise auf diese Kunstwerke. Viele der Welterbestätten sind gefährdet, wie die Liste der UNESCO zeigt. Es gibt aber auch immaterielles Kulturerbe (als Beispiel hier die Liste für Österreich und für Deutschland). Auch das ist gefährdet, zum Beispiel das Yobe-Fischfestival. Und wer das nicht für relevant hält, sollte noch mal nachdenken…

Ausblick auf Kapitel 10: Asien Was die Klimakrise in Asien verursachen wird, werden wir uns in der nächsten Folge anschauen.

Podcast- und Buch-Tipps

Wer Nachrichten hören will, die ein bisschen über den Tellerrand hinaus und durchaus auch mal nach Afrika schauen, sollte dringend den Podcast “Die Wochendämmerung” von Holger Klein und Katrin Rönnicke hören. Und wer mehr über nachhaltige und klimafreundliche Landwirtschaft erfahren will, kann das Buch “Alles bio-logisch?” von David Spencer lesen, das Florian [hier besprochen hat](https://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2022/04/30/wunderbare-pflanzen-und-die-faszination-der-ue-ei-warnhinweise-die-buchempfehlungen-vom-april-2022/=.

Weiterführende Informationen

Kapitel 9 des zweiten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.

Kontakt und weitere Projekte

Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.

Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.

Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.

Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:

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Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian

Kommentare (5)

Bernhard Schmalhofer

Mein Podcast-Tipp zu Klimaforschung und Klimabildung in Afrike ist die Episode von Deep Convection mit Ousmane Ndiaye, https://deep-convection.org/2022/04/24/episode-2-ousmane-ndiaye/.

Valentin

Ähhhhh es ist Bürgerkrieg in Lybien ....daher weniger Export von ÖL etc ? Oder ?

Florian

@Jele: Kann sein, dass man uns im Fediverse findet, aber ich glaube wenig Content. Claudia hat da ne Meinung zu (vielleicht erzählt sie die ja mal im Podcast); bei mir ist es vor allem der Zeitmangel der mich vor noch mehr sozialen Netzwerken zurückschrecken lässt...

Jele

Regelmäßig höre und bewerbe ich euren Podcast. Es kann nicht hoch genug geschätzt werden, was ihr da tut. Es gefällt mir auch, wie ihr es tut. Im Dialog. Ich mag die kleinen Stupse in Richtung Open (Access). Finden wir euch eigentlich im Fediverse? Ihr versucht nicht, Bildungslücken zu verbergen, sondern macht den Podcast im vollen Bewusstsein, dass niemand alles wissen oder nachschlagen kann. Danke, danke, danke! Eine Sache weiß ich zufällig, weil ich einige Jahre in Afrika gelebt und gearbeitet habe: Es gibt dort Tiger, wie es sie auch in Europa gibt, nämlich im Zoo :-) Natürlichweise leben Tiger aber in Asien. Macht einfach immer weiter ...

Christian

Es hat zwar nicht direkt mit Afrika zu tun, aber bis Europa dran ist, vergehen noch einige Wochen. Ich habe nämlich diverse Wetterdaten des DWD grafisc dargestellt, und zwar unter https://temperaturverlauf.pythonanywhere.com/. Für Afrika bräuchte ich das entsprechende Äquivalent des DWD, beispielsweise den Kenianischen Wetterdienst. Im Prinzip sieht man hier zwar keine überraschenden Neuigkeiten, aber es in der Klarheit zu sehen macht die Dringlichkeit zumindest für mich klarer.

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