DK037 - Warum essen wir immer noch Tiere?

Shownotes

DK037 - Warum essen wir immer noch Tiere?

…und gibt es in Zukunft noch genug Pflanzen zu essen?

"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.

In Folge 37 geht es ums Essen. Genauer gesagt: Um die Nahrungsmittel die wir in der Landwirtschaft anbauen, um die Tierhaltung, um die Nahrungsmittelsicherheit, Transportketten, die Holzindustrie, um Wein, Kaffee und Kakao. Wir reden über die Auswirkungen der Klimakrise auf all die Systeme, die dafür sorgen, das wir was zu essen haben und auf all die anderen Produkte die wir aus Feld, Wald und Wiese beziehen. Die Lage sieht nicht gut aus. Aber es gibt Dinge die man tun kann. Gentechnik zum Beispiel. Oder Kamele. Oder auch einfach: Weniger Tiere essen. Das Problem ist: Für alle diese Maßnahmen steht zu wenig Geld zur Verfügung und zu wenig politischer Wille.

AG II Kapitel 4

Rückblick auf Kapitel 4

Wir schauen noch mal kurz auf das letzte Kapitel und das Wasser, das uns dort beschäftigt hat.

Was will Kapitel 5

Kapitel 5 ist heftig. Nicht nur was den Inhalt angeht, sondern auch formal. Es ist das längste Kapitel von Teil II des Berichts mit jeder Menge unterschiedlicher Themen. Wir konzentrieren uns auf Landwirtschaft, Tierhaltung, Waldwirtschaft und andere Produkte die Pflanzen zu verdanken haben. Und schauen nach, wie sicher eigentlich die Versorgungskette ist.

Jenseits des sicheren Klimazustandes

Die Zukunft sieht aktuell eher schlecht aus. 10 Prozent der aktuell verwendeten Fläche auf der Pflanzen angebaut und Tiere gehalten werden, werden zur Mitte des Jahrhunderts nicht mehr dafür verwendet werden können. Und gegen Ende des Jahrhunderts sind es bis zu 34 Prozent. Der Hitzestress wird die Arbeitskapazität in Asien und Afrika um bis zu 50 Prozent verringern. Und bis 2050 werden auf jeden Fall 8 Millionen mehr Menschen und bis zu 80 Millionen mehr unter dem Risiko von Hunger leiden.

Landwirtschaft

80 Prozent der Energie die wir aus Nahrung aufnehmen kommt - global - aus der Landwirtschaft. Vor allem von Mais, Reis, Weizen und Soja. Wie es in Zukunft mit diesen Pflanzen aussehen wird, kann man in Abbildung 5.3. ansehen:

Abbildung 5.3

In letzten 50 Jahren haben sich die hitzebedingten Ernteausfälle in Europa verdreifacht. Ein wärmeres Klima wird auch mehr Pestizide notwendig machen. Pro Jahrzehnt wird der Ertrag von Mais weltweit um 2,3 Prozent zurück gehen, der von Soja um 3,3 Prozent, beim Weizen sind es 1,3 Prozent und Reis wird auch 0,7 Prozent pro Jahrzehnt zurückgehen. Oder anders gesagt: pro Grad globaler Erwärmung verlieren wir 10 bis 25 Prozent der Erträge. Und auch bei den anderen Pflanzen sieht es schlecht aus:

Abbildung 5.8

Der Waldspaziergang wird schwierig

Neben der Nahrung dienen Wälder, Felder und Wiesen aber auch “kulturellen Dienstleistungen”. Also Erholung, kulturellen Aktivitäten, Tourismus, und so weiter. Wie sich das durch die Klimakrise verändern wird, kann man im Detail an ausgewählten Fällen sehen und zwar in Tabelle 5.4 des Berichts.

Gentechnik rettet die Welt?

Was kann man tun? Man kann die Arbeitsweise in den landwirtschaftlichen Betrieben ändern. Aber das wird nicht reichen. Stattdessen könnte man Sorten durch Gentechnik widerstandsfähig machen. Das kann helfen, aber: Können sich das alle leisten? Das IPCC ist da skeptisch, was die gerechte Verbreitung solcher Techniken angeht. Was man auch tun kann: Particapatory Plant Breeding. Das heißt: Man kooperiert mit Leuten vor Ort die viel Erfahrung mit den lokalen Bedingungen haben und nutzt deren Wissen, um Landwirtschaft widerstandsfähiger zu gestalten.

Das Steak ist problematisch

Aus tierischer Nahrung kriegen wir aktuell 39 Prozent unseres Proteins und 18 Prozent der Kalorien. Und auch hier hat die Krise Auswirkungen. Tiere leiden unter Hitzestress, die Veränderungen in der Landschaft sorgen für veränderte Haltungsbedingungen. Und die Tiere werden krank: In den letzten 75 Jahren hat man über 220 neue zoonotische Krankheiten entdeckt. Der Hitzestress schädigt das Immunsystem zusätzlich, die Massentierhaltung macht alles nur schlimmer. Strategien dagegen kann man in Tabelle 5.7. nachlesen. Aber auch hier kann man probieren, widerstandsfähige Arten zu nutzen, zum Beispiel auch dort Kamele halten, wo man das bisher nicht gemacht hat.

Wir gehen in den Wald

Der Wald ist weniger als Nahrungsmittelquelle wichtig. Aber dafür natürlich für die Holzindustrie. Nur ist hier die Lage unklar; manche Bäume wachsen schneller, manche weniger. In manchen Regionen wird neuer Wald wachsen können (dort wo es jetzt kalt ist), in anderen wird der bestehende Wald sterben. Und wie es jetzt schon aussieht, zeigen zum Beispiel dramatische Bilder, die Alexander Gerst vom All aus gemacht hat

Pilze und Pflanzenmedizin

Pflanzen nutzen wir auch als Medizin. Oder für so spezielle Zwecke wie den Weihrauch. Was es noch alles an “diversen” Zwecken gibt, kann man in Tabelle 5.10 nachlesen. Und wer gerne Pilze sammeln will, wird in Zukunft vielleicht auch Probleme geben. Besonders für Trüffel wird ein Rückgang von bis zu 100 Prozent bis zum Ende des Jahrhunderts prognostiziert.

Die Versorgungskette

Es kommt aber nicht nur auf die Pflanzen und Tiere an. Wenn sie uns als Nahrung dienen, dann müssen sie auch irgendwie zu uns kommen. Die Klimakrise wird aber auch die Versorgungskette beeinflussen. Kühlung wird teurer, Transport wird teuer. Parasiten und Giftstoffe (zum Beispiel von Pilzbefall) werden häufiger und das wird die Verfügbarkeit verringern und die Kosten erhöhen.

Auch da kann man was dagegen tun, wie Abbildung 5.17 zusammenfasst:

Abbildung 5.17

Wie sicher ist die Nahrungsversorgung?

Neben all den Problemen wird es auch schwieriger, die entsprechende Arbeit zur Nahrungsmittelversorgung zu leisten. Der Hitzestress hat zwischen 2000 und 2015 schon zu einem 5,3prozentigen Rückgang der Arbeitsleistung gesorgt. Das IPCC schätzt dass bis 2050 zwischen 11 und 22 Prozent mehr Menschen Gefahr laufen unter Hunger zu leiden. Die UNO hat SDGs definiert, Sustainable Development Goals bzw. Ziele zur nachhaltigen Entwicklung der Welt. SDG2 heißt “Zero Hunger” und dank der Klimakrise wird es bis 2030 nicht erreicht werden können.

Was tun für Nahrungsmittelsicherheit?

Man könnte zum Beispiel anderes Zeug essen? Also vor allem keine Tiere mehr; das würde sehr viel helfen. Aber wenn wir es nicht mal schauen, uns aus höchst persönlichen gesundheitlichen Gründen anders zu ernähren, dann ist es fraglich, ob wir das für den Klimaschutz tun. Man könnte durch politische Steuerungsmechanismen eingreifen. Oder auch einfach nur vernünftige vegetarische und vegane Optionen auf die Speisekarten schreiben.

Die Zukunft von Kaffe und Wein

Die Zukunft des Weinanbaus wird komplex. Aber wir können damit rechnen, bald eher Rotwein aus Skandinavien zu trinken anstatt aus Italien oder Frankreich. Dazu könnten wir Laborfleisch oder Insekten schnabulieren. Und der Kaffee danach kommt hoffentlich aus Plantagen, die von Bäumen durchsetzt sind, um die Hitze zu reduzieren.

Das Fazit

Die aktuellen Anpassungsmaßnahmen reichen nicht aus. Der Hauptgrund dafür ist das fehlende Geld. Wir könnten alles so umbauen, dass wir mit den Risiken des Klimas klarkommen. Aber das wird behindert durch Politik und Finanzen. Tja.

Vorschau auf Kapitel 6: Städte

Im nächsten Kapitel geht es in die Stadt. Denn auch da wird sich durch die Klimakrise einiges ändern.

Weiterführende Informationen

Kapitel 5 des zweiten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.

Kontakt und weitere Projekte

Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.

Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.

Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.

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Kommentare (1)

Norbert Catwalk

Ich höre euch von Beginn an und möchte noch einmal Danke sagen für diese tolle Arbeit, die ihr da leistet! Zum Thema Kühe und Methanreduktion durch (aussterbendes) Seegras: Das Ganze funktioniert auch mit Knoblauch- Inhaltsstoffen, siehe z. B. https://www.proplanta.de/agrar-nachrichten/wissenschaft/knoblauch-gegen-rinder-blaehungen-_article1184162385.html

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