DK035 - Was hat das Meer je für uns getan?

Shownotes

DK035 - Was hat das Meer je für uns getan?

…und warum macht CO2 die Fische dumm?

"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.

In Folge 35 geht es um Ozeane und Küsten. Die dortigen Ökosysteme sind durch die Klimakrise natürlich auch massiv bedroht. Vor allem die Korallen, was durchaus auch denen Sorgen machen sollten, die nicht regelmäßig auf Tauchurlaub fahren. Korallenriffe oder Seegraswiesen sind nicht nur für sich genommen wertvolle Ökosysteme und voller Biodiversität, sondern schützen auch die Küsten für uns Menschen. Man neigt sowieso dazu, das Meer zu unterschätzen. Es hat nicht nur biologischen, sondern auch kulturellen Wert und ist für viele Menschen identitätsstiftend. Es ist voller Möglichkeiten und Optionen für die Zukunft, die wir nicht leichtfertig verlieren sollten. Deswegen handelt diese Folge nicht nur von den Folgen der Klimakrise für die Meere sondern auch von den Optionen die war haben, um sie zu schützen. Überraschung: Irgendwelche großen Mauern oä bauen ist nicht die optimale Lösung. Außerdem brauchen wir mehr Geld. Und Tipps, wo man die besten Fischbrötchen kriegt.

Rückblick auf Kapitel 2

Wir schauen nochmal kurz auf Kapitel 2 und die Pinguine. Die uns in Kapitel 3 leider nicht mehr begegnen werden.

Was will Kapitel 3

Kapitel 3 überrascht uns zuerst mit einer praktischen Liste von Abkürzungen. Dann geht es aber gleich weiter mit einem Worst of Klimafolgen. Es wird noch einmal alles aus Kapitel 9 des ersten Teils des Berichts wiederholt. Nur falls jemand vergessen haben sollte, dass es nicht gut aussieht für die Meere.

Die Geschwindigkeit des Klimas

Wir lernen das spannende Konzept der ”climate velocity” kennen. Damit beschreibt man, mit welcher Geschwindigkeit Populationen von Lebewesen ihren Lebensraum verändern müssen, um die Erwärmung der Meere auszugleichen. Grafisch sieht man das in Abbildung 3:3

Abbildung 3.3

Im Schnitt beträgt die Klimageschwindigkeit seit 1950 60 km/Jahrzehnt. Und die jahreszeitlichen Ereignisse passieren 4 bis 7 Tage pro Jahrzehnt früher (für Plankton; bei Fischen sind es 3 Tage pro Jahrzehnt). Diese Verschiebungen können große Probleme verursachen und noch dazu macht das CO2 in den Meeren die Fische auch direkt dümmer.

Wir müssen gefälligst die Korallen retten!

Warmwasserkorallen-Ökosysteme beherbergen ein Viertel der Biodiversität in den Ozeanen. Sie liefern Nahrung und schützen die Küsten. Sie sind jetzt schon gefährdet und werden in Zukunft nur noch mehr gefährdet werden. Vorhersagen früherer Berichte über eine Steigerung der Korallenbleiche am Great Barrier Reef sind genau so eingetreten. Und die aktuellen Vorhersagen gehen davon aus, dass sich die Riffe global bei einer CO2-Konzentration von 560 ppm beginnen aufzulösen. Wenn wir nichts tun, sind sie bis 2100 verschwunden. Was man auch in Abbildung 3.13. sehen kann:

Abbildung 3.13

Wer im Detail wissen möchte, wie man Korallenriffe schützen kann, kann das in “Under a White Sky: The Nature of the Future” (auf deutsch “Wir Klimawandler: Wie der Mensch die Natur der Zukunft erschafft”) von Elizabeth Kolbert nachlesen.

Seegrass vs Seeigel

Noch unterschätzter als Korallen sind Seegras und Seetang. Das sind quasi die Wälder und Wiesen der Meere und sie bieten den Lebewesen dort den gleichen Schutz. Auch sie sind massiv bedroht und wenn sie einmal verschwunden sind, kommen - anscheinend - Seeigel. Seeigel-Ökosysteme sind sehr viel weniger artenreich und es ist schwierig, Seegras und Seetang wieder “aufzuforsten” wenn sie einmal weg sind.

Vögel, Säugetiere und Massensterben

Wie es den Vögel und Säugetieren gehen wird, die in und an den Meeren leben, kann man in Abbildung Box 3.2. 1 sehen.

Abbildung  Box 3.2. 1

Nicht gut! Und wer noch nicht genug hat: Sollten wir es tatsächlich schaffen, die Erde um mehr als 5,2 Grad zu erwärmen, dann ist mit einem Massensterben der marinen Spezies zu rechnen.

Nicht übertreten bitte

Das wir die Erderwärmung nicht nur so niedrig wie möglich halten sollten, sondern auch aufpassen müssen, dass sie nicht zu lange zu hoch bleibt, zeigt Unterkapitel 3.4.4. Schon wenn wir kurz über 1,5 oder 2 Grad kommen, kann das massive und irreversible Folgen haben, selbst wenn die Temperatur bis 2100 dann wieder sinkt. Das, was wir in diesem Jahrhundert mit den Meeren anstellen wird Folgen haben, die bis weit ins 22. und 23. Jahrhundert reichen.

Was hat das Meer je für uns getan?

Am Meer macht man Urlaub, aus dem Meer holt man Fisch und übers Meer fährt man mit dem Fisch. Diese “Dienstleistungen” der Ozeane sind allen bekannt. Da ist aber noch viel mehr! Das Meer regelt Klima und Luftqualität. Es liefert Energie, Mineralien, Medizin, Ressourcen. Und es bringt Inspiration und Identität! All die indigenen Völker, die am Meer leben ziehen einen Teil ihrer kulturellen Identität daraus und auch das geht verloren, wenn wir die Meere nicht schützen. Das Meer inspiriert neue wissenschaftliche Entdeckungen und bildet Schüler_innen und Jugendliche. Und vor allem: Das Meer bietet die Möglichkeit zur _”Maintenance of options: Existence of opportunities to develop new medicines, materials, foods, and resources, or to adapt to a warmer climate and emergent diseases.”_

Von den Menschen, die durch die Fischerei aus den Meeren leben, sind sehr viele Frauen, die durch die Klimakrise auch hier überdurchschnittlich stark betroffen sind. Und - wen überrascht es - wenn wir so weitermachen wie bisher, sind 60 Prozent der Fischereibetriebe der Welt bedroht.

Reef Grief und die Kultur des Meeres

Wenn das Meer und die Küsten krank werden, macht das auch uns Menschen krank. “Reef Grief” ist ein reales Phänomen. Das nennt sich Solastalgie und beschreibt die psychischen Folgen die die Zerstörung der eigenen Heimat mit sich bringen. Einen Anstieg entsprechende psychische Erkrankungen kann man jetzt schon beobachten, in Tuvalu, in Alaska oder Honduras. Ausgelöst durch die schon stattgefundenen Klimaschäden und die Angst vor dem was noch kommt.

Wie schützt man die Küsten?

Was kann man tun, um die Risiken der Klimakrise an den Küsten zu verringern? Jede Menge, wie Abbildung 3.23 zeigt.

Abbildung 3.23

Dabei bringt es weniger, irgendwelche Schutzmauern zu bauen oder Sandstrände aufzufüllen. Das kostet mehr und nutzt weniger als wenn man “nature based solution” anwendet. Also zum Beispiel Riffe oder Mangrovenwälder zu schützen. Die schützen dann nämlich auch unsere Küsten für uns. Und das deutlich nachhaltiger. Im Detail kann man sich die Lösungsstrategien in den Tabellen 3.28, 3.29 und 3.30 des Berichts anschauen.

Tourismus und Wirtschaft

Tourismus kann - in Form von Ökotourismus - Bewusstsein für die Probleme schaffen. Aber wenn die Klimakrise voranschreitet und zum Beispiel das Eis der Polarregionen schmilzt, eröffnet das neue Schifffahrtsrouten. Über die mehr noch mehr Touristen in die Regionen kommen. Was noch mehr Eis schmelzen lässt. Tja.

Das Haupthindernis beim Schutz der marinen Ökosystem ist Geld. Beziehunsgweise sein Fehlen. Es ist einfach zu wenig da; mit dem was aktuell ausgegeben wird, lässt sich die Sache nicht erledigen.

Welche Jobs sind bedroht?

FAQ 3.4 des Berichts stellt sich die Frage, welche Jobs durch die Klimakrise in Bezug auf die Meere am meisten bedroht sind. Wenig überraschend alles was mit Fischerei und Tourismus zu tun hat. Aber auch: Alle Jobs die von Leuten ausgeübt werden die am Meer wohnen!

Vorschau auf die nächste Folge

In der nächsten Folge des Podcasts werden wir uns mit Kapitel 4 von WGII beschäftigen. Da geht es wieder mal ums Wasser; diesmal aber um die großen Kreisläufe.

Weiterführende Informationen

Kapitel 3 des zweiten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.

Kontakt und weitere Projekte

Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.

Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.

Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.

Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:

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