DK034 - Die Dienstleistung der Pinguine

Shownotes

DK034 - Die Dienstleistung der Pinguine

…und soll man Bäume für das Klima pflanzen?

"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.

In Folge 34 lesen wir Kapitel 2 des zweiten Teils und es geht um die “Dienstleistung” die uns die Ökosysteme auf Land, in Flüssen und in Seen bieten. Das klingt sehr ökonomisch, ist aber eigentlich eine sehr biologische Frage. Denn alles was da so rumlebt, beeinflusst uns natürlich. Entweder direkt, weil wir die Tiere und Pflanzen essen oder sonstwie verwerten. Und indirekt noch viel mehr, weil in dieser komplizierten Welt eben alles mit allem zusammenhängt und es durchaus auch schlecht für uns Menschen ist, wenn die Artenvielfalt sinkt. Außerdem reden wir über Pinguine! Und darüber, ob es sich wirklich lohnt, wenn man Bäume pflanzt.

Rückblick und Neuigkeiten

Nach der eher ökonomisch-soziologisch orientierten Themen aus Kapitel 1 geht es in Kapitel 2 wieder voll in die Naturwissenschaft. Weil aber der zweite Teil des Sachstandsberichts insgesamt 25 Kapitel hat und wir irgendwann ja auch noch den dritten Teil besprechen müssen, änderen wir ab jetzt das Prozedere. Ab jetzt gibt es nur noch ein Kapitel pro Folge, das jeweils von Claudia oder Florian vorbereitet wird.

Was will Kapitel 2?

Kapitel 2 sagt uns, was mit den Ökosystemen auf Land und im Süsswasser passieren wird. Wie wirkt sich das Klima und die Klimaänderung auf Pflanzen und Tiere aus? Wenig überraschend: Eher nicht so gut. Das ist ein Problem, denn Biodiversität ist nicht nur ein Schlagwort, sondern tatsächlich wichtig.

Burning Embers

Wie groß die Risiken der Zukunft sein werden, zeigt uns die brennende Glut in Abbildung 2.11:

Abbildung 2.11

So ein “Burning Ember”-Diagramm ist ein ziemlich schlaues Instrument zur Visualisierung. Je violetter die Balken sind, desto riskanter ist es für uns, die globale Erwärmung zu sehr ansteigen zu lassen. Wie riskant es konkret ist, zeigen die Farben in den unterschiedlichen Balken für die 5 Risiken, die hier aufgeführt sind.

Biodiversitätsverlust

Je weiter die Klimakrise fortschreitet, desto mehr Habitate werden schrumpfen; manche werden vielleicht sogar komplett verschwinden. Parasiten breiten sich aus, Tiere und Pflanzen müssen neue Gegenden besiedeln - und das erzeugt jede Menge Stress und führt zum Aussterben.

Unkontrollierte Brände & Co

Die Temperaturen steigen, es gibt weniger Niederschlag, die relative Luftfeuchtigkeit ändert sich, wir holzen immer mehr Wälder ab und all das führt dazu, dass unkontrollierte Brände immer stärker und häufiger werden.

Auf das Timing kommt es an

Und dann kommt es natürlich auch auf das Timing an. Es nützt zum Beispiel nix, wenn es regnet, die Tiere und Pflanzen aber gerade nicht so viel Wasser brauchen. Und wenn sie dann in der Brutphase sind, bleibt es trocken. Die Klimakrise bringt die bisherigen Zyklen durcheinander und das ist doof für alle Beteiligten; auch für uns Menschen.

Wir gehen ins Wasser (wenns denn noch da ist)

Jetzt tauchen wir tief ein in die Flüsse und Seen! Da kommt es zum Beispiel darauf an, wie viel Wasser da so fließt oder nicht mehr fließt. Flüsse bilden Grenzen; ausgetrocknete Flüsse aber auch. Und wenn Seen durch die Klimakrise vermehrt austrocknen wie zum Beispiel der Neusiedlersee ist das natürlich auch nicht gut. So ein See ist ja nicht nur ein Haufen Wasser sondern besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Habitate und Pflanzen und Tiere können nicht einfach irgendwo im Wasser leben sonder nur dort, wo es für sie passt.

Wenn das Wetter immer extremer wird, ist das an sich schon nicht schön. Wenn die Extremereignisse aber auch noch häufiger werden, führt das dazu, dass sich Ökosysteme nicht mehr erholen können, wie diese Abbildung zeigt:

Abbildung CCBox EXTREMES 1

Die Dimensionen des Aussterbens

Aussterben ist nicht gleich Aussterben. Aber immer doof. Es werden mehr Tiere als Pflanzen aussterben und mehr in den Tropen als anderswo. Es kann sich um lokales Aussterben oder ein globales. Einzelne Arten können wir schützen; vor allem in dem wir sie an neue Orte bringen, wo sie noch leben können. Das bringt aber nicht immer was: Eisbären sollte man zum Beispiel eher nicht von der Arktis in die Antarktis verfrachten; zumindest dann nicht, wenn einem was an Pinguinen liegt. Durch die Klimakrise müssen die Arten neue Gegenden besiedeln; wenn es zum Beispiel in tiefen Lagen zu heiß sind, können sie versuchen weiter nach oben die Berge hinauf zu wandern. Deswegen ist mit einem Anstieg des Artenreichtums auf Berggipfel zu rechnen. Tiere werden auch kleiner werden, wenn die Temperaturen steigen.

Wie sich die Bedrohungslage der Lebewesen verändern wird, zeigt Abbildung 2.6:

Abbildung 2.6

Auch in Europa, in Spanien, Polen und Deutschland müssen wir also mit Artensterben rechnen. Die Evolution kann da nur bedingt Schritt halten. Nicht bei Säugetieren, die lange brauchen um Nachkommen hervor zu bringen. Aber bei manchen Insekten könnte es vielleicht klappen.

Die wichtigste Maßnahme für Anpassungen ist Zeit. Und die haben wir leider nicht.

Wir retten den Brillenpinguin

Ein Beispiel für das ganze Drama des Artensterbens ist der Brillenpinguin. Der lebt in Westafrika und dessen Population ist um 66 Prozent gesunken. Früher haben wir ihn direkt umgebracht, durch Jagd zum Beispiel. Heute ist er geschützt, aber wird von uns indirekt durch die Klimakrise bedroht. Seine Beutetiere müssen der Hitze weichen; extreme Hitzewellen schädigen die Tiere direkt und Sturmfluten spülen ihre Nester weg. Ob der Brillenpinguin auch in Zukunft existieren wird, hängt davon ab ob wir erfolgreiche Maßnahmen zu seinem Schutz finden können.

Kolonien umzusiedeln hat eher nicht geklappt. Was funktioniert ist: Eier einsammeln und die Vögel anderswo ausbrüten. Aber das ist etwas, das wir nicht mit allen bedrohten Arten machen können. Wir müssen uns in Zukunft also die absurde Frage stellen: Welche Arten wollen wir erhalten?

Was nützen Bäume?

Wer das Klima retten will, muss Bäume pflanzen! Das hört man oft und das stimmt auch. Aber es kommt darauf an welche Bäume man pflanzt. Und wo man sie pflanzt. Und warum man sie pflanzt. Einfach nur wild irgendwo Bäume hinstellen bringt nicht viel und schädigt im schlimmsten Fall sogar die Ökosysteme und das Klima.

Vorschau auf die nächste Folge

In der nächsten Folge des Podcasts werden wir uns mit Kapitel 3 von WGII beschäftigen. Und schauen, wie es um die Ökosysteme in den Ozeanen und an den Küsten steht.

Weiterführende Informationen

Kapitel 2 des zweiten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.

Kontakt und weitere Projekte

Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.

Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.

Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.

Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:

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