DK024 - Friederike Otto und die Attributionsforschung

Shownotes

DK024 - Friederike Otto und die Attributionsforschung

…und wie extrem wird das Wetter werden?

"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.

Kapitel 11 des IPCC-Berichts handelt vom Wetter. Insbesondere vom extremen Wetter und der Frage, wie sehr sich die Extremwetterereignisse durch den Klimawandel verändern werden. Dazu braucht man die “Attributionsforschung” und zum Glück haben wir eine der Autorinnen des Kapitels zu Gast, die auch noch eine der Pionierinnen auf diesem Gebiet ist: Friederike Otto erklärt uns ausführlich, wie der Klimawandel das Extremwetter beeinflusst, wie Attributionsforschung eigentlich funktioniert und was es mit der sehr, sehr langen Tabelle in Kapitel 11 auf sich hat.

Zu Gast: Friederike Otto

Friederike Otto ist Physikerin und Klimaforscherin. Sie arbeitet an der Universität Oxford, ist Mitbegründerin der Attributionsforschung und der World Weather Attribution Initiative. Sie wurde 2021 vom Time Magazin zu den 100 einflussreichsten Personen des Jahres gewählt und von der Fachzeitschrift Nature zu den “Nature’s 10” im Jahr 2021. Außerdem hat sie das ganz hervorragende und lesenswerte Buch “Wütendes Wetter: Auf der Suche nach den Schuldigen für Hitzewellen, Hochwasser und Stürme” geschrieben.

Wie ist es so als IPCC Autorin?

Zuerst wollen wir wissen, wie das so ist, wenn man ein Kapitel für den IPCC-Report schreibt; noch dazu eines, in dem das politische Interesse so groß ist. Die Antwort: Trotz all der Arbeit offensichtlich super.

Wie definiert man Extremereignisse?

Wenn man wissen will, wie das mit dem extremen Wetter ist, muss man zuerst einmal definieren, was als “Extremereignis” gilt. Was - laut Otto - die “schwierigste Frage ist, die man stellen kann”. Tja. Anscheinend gibt es keine ultimative Definition. Denn es kommt auch darauf an, wie gut man vorbereitet ist und wie vulnerabel man in einer gewissen Situation gerade ist Wie funktioniert Attributionsforschung.

Attributionsforschung heißt auf deutsch “Zuordnungsforschung” und genau darum geht es. Wenn irgendwo ein extremes Wetterereignis stattgefunden hat, dann stellt sich die Frage: Ist der Klimawandel daran schuld? Lange Zeit konnte man das nicht beantworten. Dank Friederike Otto und ihrer KollegInnen jetzt aber schon. Die Kurzversion: Man schaut sich die Welt mit und ohne Klimawandel in einer Computersimulation an. Und berechnet dann die Wahrscheinlichkeit für konkrete Wetterereignisse. In der Praxis ist es natürlich sehr viel komplexer, wie Otto uns ausführlich erklärt.

Wie sorgt der Klimawandel für Extremereignisse?

Die Klimakrise wirkt sich im Prinzip auf zwei Arten auf das Extremwetter aus. Einmal durch den “Thermodynamischer Effekt”: Die Erwärmung der Atmosphäre führt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit für Hitzewellen (und geringeren Wahrscheinlichkeiten für Kältewellen), zu mehr Wasserdampf und mehr Niederschlag. Das passiert überall auf der Welt gleich und lässt sich gut simulieren.

Der “Dynamischer Effekt” ist anders. Hier geht es um Änderungen in den Temperaturdifferenzen, wodurch sich die atmosphärische Zirkulation verändert und damit das Wetter. Hier gibt es große regionale und jahreszeitliche Unterschiede und das lässt sich nicht immer gut simulieren (zB wenn es um Hagel geht).

Hitzewelle 2018

In Box 11.2 von Kapitel 11 geht es um “Low-likelihood high-impact changes in extremes”. Diese Box hat Friederike Otto geschrieben, und es geht darum etwas, dessen Eintreten nicht sehr wahrscheinlich ist, aber sehr fies, wenn es doch passiert. Zum Beispiel die Häufung von Hitzewellen auf der Nordhalbkugel im Sommer 2018.

Der Unterschied zwischen 1,5 und 2 Grad

Am Extremwetter sieht man auch sehr gut den Unterschied zwischen einer Erwärmung der Welt um 1,5 Grad oder 2 Grad. Hitzewellen wie die in Kanada im Sommer 2021, als es dort fast 50 Grad hatte und 500 Menschen starben sind derzeit noch Ereignisse, die im Schnitt alle 1000 Jahre stattfinden. Wird die Welt um ein halbes Grad wärmer, passiert sowas im Schnitt alle 5 bis 10 Jahre.

Die große Tabelle

Das Kernstück von Kapitel 11 ist die sehr, sehr große Tabelle am Ende des Kapitels. Eine Zusammenfassung kann man sich in Abbildung 3 des “Summary for Policy Makers” ansehen:

Abbildung SPM 3

Abbildung SPM 3

Aber es lohnt sich auf ein Blick auf die komplette Tabelle. Da steckt wahnsinnig viel Arbeit drin, wie Otto uns erzählt. Dort findet man alles über die extreme Hitze, Kälte, Niederschläge und Dürren in allen Regionen der Erde die uns in Zukunft bevor stehen wird.

Ausblick auf die nächste Folge

Das Gespräch mit Friederike Otto war so interessant, dass wir es noch weiter geführt haben. Den Rest von Kapitel 11 besprechen wir dann mit ihr in der nächsten Folge. Da wird es dann unter anderem um Wissenschaftstheorie und Naturkatastrophen gehen.

Hinweis zur Werbung und zu Spenden

Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden.

Weiterführende Informationen

Kapitel 11 des Klimaberichts ist hier als pdf downloadbar.

Kontakt und weitere Projekte

Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.

Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.

Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.

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