DK023 - Argentinischer Regen und die kommende Hitze am Mittelmeer

Shownotes

DK023 - Argentinischer Regen und die kommende Hitze am Mittelmeer

…und warum sind Daten keine Information?

"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.

Kapitel 10 des IPCC-Berichts ist ein ganz besonderes Kapitel. Denn da geht es nicht nur um die Klimaforschung sondern auch darum, wie man dieses Wissen vernünftig vermitteln kann. Und zwar durch “Storylines”, die aber nix mit Geschichten zu tun haben, wie man sich das so vorstellt. Wir reden also über Wissenschaftskommunikation, Missverständnisse und Binsenweisheiten, die dennoch nicht trivial sind. Und schauen uns am Beispiel der Wasserkrise von Kapstadt und der Hitzewelle im Mittelmeer an, wie sowas abläuft. Außerdem reden wir über das Klima in Städten und den Regen in Argentinien.

Wie man Informationen destilliert

Nach einem kurzen Rückblick klären wir auf, was in der letzten Folge angekündigt wurde: Wie destilliert man Informationen? Oder auf wissenschaftlich: Wie kriegen wir raus, welche Auswirkungen der Menschengemachte Klimawandel regional hat? Also wer ist schuld, wenn der Fluß hinter meinem Garten übergeht? So kleinteilig kann die Forschung leider noch nicht arbeiten, deswegen bringt Claudia ein anderes Beispiel. Es geht um den Sommerregen in Argentinien, von dem es immer mehr gibt. Und eine ziemlich klare Indizienkette zeigt, wie globale Veränderungen regionale Auswirkungen haben können.

Abbildung 10.12

Binsenweisheiten zur Klimakommunikation

Wenn man die Informationen hat, muss man auch wissen was man damit anstellt. Nur zu sagen: “Ich hab Wissenschaft gemacht. Hier ist Wissenschaft. Schaut euch die Wissenschaft an” ist nicht unbedingt die beste Strategie. Man muss so kommunizieren, dass die relevanten Leute darauf reagieren können. Und sich davor Gedanken über die Daten machen. Es macht zum Beispiel einen Unterschied, welche regionale Modelle mit welchen globalen Modellen man kombiniert:

Abbildung 10.16

All das öffnet die Tür für Missverständnisse. Genau so wie die große Anzahl an Quellen für regionale Klimainformationen. Dass es immer auf den Kontext ankommt, ist eine Binsenweisheit, aber trotzdem relevant. Wichtig ist auch die Diversität bei der Erstellung der Information: Man muss möglichste viele und diverse Menschen miteinbeziehen um möglichst viele Missverständnisse zu identifizieren. Und: Schlaue Menschen sind unter Umständen genau die, die am wenigsten bereit sind, neue Informationen zu akzeptieren.

Über “Scientific Literacy” gibt es einen schönen Talk von Joram den wir euch gerne empfehlen.

Daten sind keine Information

Wissen muss man 1) kriegen und 2) übersetzen. Daten sind auch nicht per se Information. Sie können aber Informationen enthalten, wenn sie richtig präsentiert werden. Klimainformationen fehlen aber oft entsprechende Erklärungen zu ihre möglichen Nutzung beziehungsweise den Gefahren des Missbrauchs. Und oft scheitert die Nutzung auch einfach am Unwillen der Menschen, neue Produkte der Klimaforschung zu nutzen. Ganz wichtig: Die Kommunikation von Unsicherheiten.

Die Wissenstreppe

Claudia nimmt das als Anlass zu einem kleinen Einschub über die “Wissenstreppe” mit den drei Stufen: Zeichen - Syntax - Information.

Storylines: Wissenschaftliche Geschichten über Unsicherheiten

Bei Storylines geht es nicht um Geschichten im Sinne von “Irgendwas erzählen”. Die Klimaforschung meint da etwas ganz anderes. Es geht um die Kommunikation von Unsicherheiten. Normalerweise wählt man da einen statistischer Ansatz. Die Alternative besteht aus der Konstruktion eines physikalisch plausiblen und konsistenten Ablauf von Ereignissen.

Die Wasserkrise und das heiße Mittelmeer

Die Krönung des bisher behandelten sind die Beispiele die nun am Ende von Kapitel 10 zu finden sind. Wir lernen, wie Storylines konkret konstruiert werden können. Zum Beispiel bei der Wasserkrise von Kapstadt. Florian hält die präsentierten Beispiele aber für nicht ganz so gut weil die Conclusio immer lautet: Es ist schwierig ne Storyline zu finden.

Das gilt insbesondere fürs Mittelmeerbeispiel, wo es um die kommenden Hitzewellen geht. Dort sind Verstädterung und Bevölkerung gestiegen und werden weiter steigen, was nicht so gut ist. Das Beispiel endet mit einem “Worst of Information” zu Medicanes, Hitzetage, Hitzenächten und weiteren schlechten Nachrichten.

Wir würden zwar gern genau wissen, wie die Zukunft wird. Aber gerade beim Mittelmeer haben wir eine sehr asymmetrisch organisierte Datenlage:

Abbildung 10.20

Klimawandel im Himalaya

Der [Himalaya ist wichtig[(https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Wasserressourcen_im_Hindukusch-Himalaya); er ist größte Vergletscherung außerhalb der Arktis. Und eine Quellregion die über 1 Milliarden Menschen mit Wasser versorgt. Was dort in Zukunft passieren wird, erklärt Claudia und die Prognosen sind wenig überraschend nicht gut.

Mehr Grün in die Städte!

Immer mehr Menschen wohnen in Städten, was aus Klimasicht eigentlich gut ist. Aber nur, wenn wir die Städte auch klima- und vor allem menschenfreundlich konstruieren! In den letzten Jahrzehnten haben sich viele Städte zu Hitzeinseln entwickelt, was sehr unangenehm ist.

Abbildung 1 Box10.3

Wir könnten das aber durchaus lösen; vor allem, wenn wir für mehr Grün in den Städten sorgen:

Abbildung FAQ 10.2

Herausforderungen der Klimakommunikation

Kapitel 10 endet mit einer Liste von Herausforderungen der Klimakommunikation. Dazu gehören die Menge und Verteilung an Literatur. Und Regierungen, die nicht einheitlich arbeiten. Tja.

Ausblick auf Kapitel 11

Wir nähern uns dem Ende des ersten Teils des Berichts. Aber zuvor kommt noch Kapitel 11 und da geht es um extremes Wetter! Und die Frage, wem man die Schuld daran zuschieben kann.

Hinweis zur Werbung und zu Spenden

Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden.

Weiterführende Informationen

Kapitel 10 des Klimaberichts ist hier als pdf downloadbar.

Kontakt und weitere Projekte

Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.

Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.

Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.

Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:

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Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian

Kommentare (1)

nykon

Ein Medicane (Mittelmeer-Hurrikane) ist gar nicht so selten. Der letzte war Ende Oktober 2021 und lief über Italien und Griechenland. Das weis ich nur, weil ich den Winter auf einer Insel bin, die davon getroffen wurde. In/vor Sizilien gab es um die 12 Tornados und hier auf Zakynthos hat es eimerweise geregnet. Tatsächlich hat es ~einen Monat gedauert, bis sich das Wetter hier wieder halbwegs normalisiert hat - dh. es es hat einen Monat fast durchgehend geregnet. Ich hab mich dazu auch hier lokal unterhalten und da war die Aussage 'das es im Winter mal regnet, ist normal. Aber das es so lang so schüttet ist außergewöhnlich'. Interessant, dass ich noch nie zuvor von einem Medikane gehört hab. Aber ich wusste vor meiner Ankunft auch nicht, dass die griechischen Inseln regelmäßig von Erdbeben heimgesucht werden.

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