DK018 - Geoengineering macht alles nur noch schlimmer

Shownotes

DK018 - Geoengineering macht alles nur noch schlimmer

…und was treibt die Meteorologin unterm LKW?

"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.

Kapitel 8 des IPCC-Berichts beschäftigt sich mit dem Wasserkreislauf der Erde. Wo sich das Wasser rumtreibt, was sich daran ändern kann, geändert hat und in Zukunft ändern wird war das Thema der letzten Folge. Diesmal schauen wir auf die Unsicherheiten der Vorhersage und auf das, was sich am Wasserkreislauf abrupt ändern kann. Und stellen fest, dass solche abrupten Änderungen erstens schwer vorhersagbar und zweitens ziemlich erschreckend sind. Ganz besonders erschreckend ist das, was passieren kann, wenn wir anfangen absichtlich an der Atmosphäre rumzupfuschen. So ein “Geoengineering” hat das Potenzial, den Wasserkreislauf schnell und nachhaltig zu verändern und deswegen sollten wir das dringend lassen. Zum Abschluss reden wir noch ein wenig über das wenig erfreuliche Thema der Bodenversiegelung und das ein bisschen erfreulichere Thema des “Boden des Jahres”. Welcher das 2022 sein wird, wissen wir noch nicht - aber 2021 war es der Löss. Hurra!

Die Grenzen der Unsicherheit

Wenn man den Wasserkreislauf modellieren will, dann gibt es - wie immer in der Wissenschaft - Unsicherheiten. In diesem Fall gibt es dafür drei Quellen. Die interne Variabilität, die aber über lange Zeiträume keine große Rolle spielt. Dann gibt es die “Szenario-Unsicherheit” die entsteht, weil wir nicht wissen, wie wir in Zukunft auf die Klimakrise reagieren werden. Am wichtigsten ist aber die Modellunsicherheit und die gibt es, weil wir viel vom Klimasystem noch nicht gut genug verstehen.

Abbildung 8.23

Zum Beispiel wie Wolken mit Aerosolen wechselwirken, wie die Konvektion abläuft oder wie Pflanzen die Verdunstung beeinflussen, und so weiter. Zur sogenannten “feuchten Konvektion” hat Claudia eine ganz besondere Beziehung: In ihrer Studienzeit hat sie dabei geholfen, Daten für sehr lokale Modellierungen der Atmosphäre zu sammeln. Dazu muss man - anscheinend - manchmal auch für längere Zeit unter geparkten LKWs sitzen. Und es braucht mehr Leute, die so etwas machen, damit wir mehr Daten für die Zukunft und weniger Unsicherheit haben.

Es grünt so grün

Der Wasserkreislauf kann sich auch abrupt ändern. Zum Beispiel wenn die atlantische Umwälzströmung (zu der auch der Golfstrom gehört) zusammenbricht. Was passieren kann, laut Modell aber eher nicht passieren wird. Auch die Abholzung der Wälder kann spontane Änderungen im Wasserkreislauf nach sich ziehen. Auch das lässt sich nur schwer modellieren, aber immerhin zeigt sich: Je diverser die Wälder sind, desto geringer sind die Effekte auf den Wasserkreislauf.

Was auch passieren kann: Dass die Sahara plötzlich grün wird. Vor vielen tausend Jahren war das schon mal so und es kann durchaus wieder passieren. Aber vermutlich eher nicht vor dem Jahr 2100. Wer den Film Interstellar gesehen hat, wird sich an die Staubstürme erinnern, die dort die Erde unbewohnbar gemacht haben. Kann so etwas wirklich passieren? Theoretisch schon, ob es praktisch so sein wird, kann man nicht vorhersagen. Dafür sind die Staubkreisläufe noch zu kompliziert. Klar ist aber: Die geheime NASA wird uns in der Realität nicht retten!

Hände Weg vom Sonnenlicht!

In Folge 10 des Podcasts haben wir schon mal über Geoengineering gesprochen und um Techniken, wie man die Menge an Sonnenlicht verändern kann, das auf die Erde trifft. Das nennt sich “Solar Radiation Management” und umfasst alles von riesigen Spiegeln im Weltall bis hin zu weißen Dächern auf den Häusern. Natürlich hat das Auswirkungen auf den Wasserkreislauf und die treten sehr schnell ein. Es dauert keine 10 Jahre und plötzlich haben wir extreme Trockenheit in den Tropen oder einen fehlenden Monsun in Asien. Wir sollten also die Finger vom Solar Radiation Management lassen, vor allem weil es die gleichen radikalen und abrupten Änderungen auch gibt, wenn wir damit wieder aufhören. Dann kriegen wir nicht nur einen sehr schnellen und massiven Klimawandel sondern noch zusätzliche Störungen in der Atmosphäre, weil wir alles aus dem Ungleichgewicht gebracht haben!

Vulkanischer Populismus

Claudia erzählt noch kurz von den Effekten die Vulkanausbrüche auf den Wasserkreislauf haben können und die dem ähnlich sind, was man durch Geoengineering erreicht. Und Florian verweist auf die Möglichkeit von “Klima-Populismus”. Davon hat er hier schon mal erzählt und es geht dabei um die erschreckende Möglichkeit, dass die Populisten in der Politik irgendwann auf die Idee kommen könnten, durch Geoengineering den starken Mann zu spielen. Und das will wirklich niemand (Siehe: “Solar Radiation Modification ‐ A “Silver Bullet” Climate Policy for Populist and Authoritarian Regimes?”)

8 Punkte für die Zukunft

Das letzte Unterkapitel von Kapitel 8 umfasst nicht einmal eine Seite, enthält aber dennoch ein komplettes Forschungsprogramm für die Zukunft. Denn dort ist gelistet, was man alles noch erforschen sollte, wenn man den Wasserkreislauf besser verstehen und vorhersagen will. Wer also noch ein Forschungsinstitut rumliegen hat, dem gerade langweilig ist, kann ja einen Blick auf diese Liste werfen!

Lang lebe der Löss

Am Ende wirft Florian einen Blick auf die FAQ 8.1 und die entsprechende Abbildung:

Abbildung FAQ 8.1

Aber eigentlich möchte er vom Boden erzählen. Am 5. Dezember ist nämlich Weltbodentag. Und wie wichtig der Boden ist, haben wir jetzt ja gelernt. Der “Boden des Jahres” wird am Weltbodentag verkündet und im Jahr 2021 ist das der “Löss”. Was so etwas ähnliches wie Schluff ist und vermutlich auch ein bisschen wie Lehm. Florian ist aber vor allem deswegen davon begeistert, weil sein Heimatdorf Furth bei Göttweig die Welthauptstadt der Lössbodenforschung ist. Quasi. Beziehungsweise eigentlich nicht. Aber Furth taucht in diesem Kontext auf und das ist überraschend genug für dieses winzige Dorf.

Eigentlich geht es aber um die Bodenversiegelung. Die ist ein echtes Problem. Wir betonieren immer mehr Gegend zu, mit katastrophalen Folgen für Klima, Wasserkreislauf und Ökosysteme. In Deutschland sind es 178 km² pro Jahr (siehe hier), in Österreich sind es 48 km². Florian empfiehlt dazu die Lektüre dieses Artikels der von einer Ausstellung zum Thema Boden handelt, die man zwar nicht mehr besuchen, aber immerhin noch hier als Video nachvollziehen kann.

Die Zahlen sind jedenfalls erschreckend. In Österreich ist schon die fünffache Fläche von Wien von Straßen und Parkplätzen bedeckt und es wird ständig mehr. Man kann kann auch wunderbar Geld damit verdienen: In Österreich steigt der Wert des gesamten gewidmeten aber nicht bebauten Baulands pro Sekunde um 745 Euro!

Ausblick auf feuchte Kapitel 9

Im nächsten Kapitel bleibt es feucht, es geht um den Meeresspiegel, die Gezeiten, die eisigen Pole und den Rest des Wassers. Zur Einstimmung empfehlen wir euch das Video “Auf dem Weg in eine Welt ohne Eis?” von Dirk Notz, der auch einer der Autoren von Kapitel 9 ist.

Hinweis zur Werbung und zu Spenden

Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden.

Weiterführende Informationen

Kapitel 8 des Klimaberichts ist hier als pdf downloadbar.

Kontakt und weitere Projekte

Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.

Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.

Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.

Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:

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Kommentare (4)

Florian Freistetter

@orinoco Es tut mir sehr leid, dass dieser Podcast nicht professionell genug für deinen Geschmack geführt wird. Wenn ich die Arbeit hier Vollzeit betreiben würde, würde ich keinen Kommentar übersehen. Ich mache das hier aber nicht nur in meiner Freizeit, sondern verdiene damit auch nichts. Mehr kann ich zu dem Vorgang auch nicht sagen. Wenn es noch ein inhaltliches Thema gibt, über das geredet werden muss, können wir das gerne tun. Darüber, wie schlimm es ist, einen Kommentar bei der Moderation zu übersehen, haben wir uns jetzt ausreichend ausgetauscht, denke ich.

orinoco

@FF so kann ich die Replik leider nicht stehen lassen. Um mal ein paar Dinge klarzustellen: Man kann ja für viel Verständnis haben, nur dazu muss das eben auch richtig kommuniziert werden. Mit einfach die Zuhörer munter drauf los auffordern ihren Senf dazu zu geben - so wie ihr das wiederholt getan habt - ist es offensichtlich nicht getan. Von jemandem der professionell Wissenschaftskommunikation betreibt erwarte ich da deutlich mehr und differenzierte Äußerungen, nicht nur im Podcast sondern z.B. auch hier unter dem Formular. Wenn ich einen Kommentar abschicke und dieser nach 5 Tagen immer noch nicht, andere die aber 5 Tage später abgeschickt wurden dagegen schon nach weniger als einem Tag freigeschaltet sind, dann hat das ein G'schmäckle wie es in einem deutschen, regionalen Zungenschlag heißt. Da kann man sich schon mal nicht ganz ernst genommen fühlen. Gleichermaßen, wenn erst auf Nachfrage dann freigeschaltet wird. Welchen Eindruck bitte soll derjenige haben, der dies aus Höflichkeit und Zurückhaltung vielleicht nicht tut? oder "Selbst Schuld, wenn er die Ellenbogen nicht ausfährt und auch nicht Gedanken lesen kann!"? Sie haben sich ja auch schon positiv über die Mathematik-Reihe auf arte geäußert. Vielleicht schauen Sie sich nochmal die Folge mit dem Gefangenendilemma an und insbesondere die Stelle der erfolgreichsten Sozialstrategie und deren besondere Randbedingung. Das Ganze in Verbindung mit Paul Watzlawick "Man kann nicht nicht kommunizieren". Oder Sie brauchen ganz dringend einen Kommunikationsberater.

Florian Freistetter

@Orinoco: Wir schalten hier alle Kommentare frei, die inhaltlich relevant und halbwegs höflich sind (den Kommentar in dem du dich deswegen beschwerst lasse ich aus Redundanzgründen aber mal weggeschaltet). Aber manchmal dauert es und manchmal übersieht man auch, dass da was freizuschalten ist. Wir machen das hier unbezahlt und in unserer Freiheit, und es ist sehr viel Arbeit - da rutscht manchmal was durch. Es ist schön, dass du dich daran erfreust, wenn ein Astronom und eine Meteorologin nicht so schlau in Sachen Bodenkunde sind wie ein Geoökologe. Zum Glück ist das hier aber ja auch kein Podcast über Geoökologie. Wir sehen es nicht so tragisch, wenn wir manche Sachen nicht wissen - dann sagen wir auch gerne dazu, dass wir es nicht wissen. Schlimmer wäre es, würden wir behaupten etwas zu wissen, was sich dann als falsch herausstellt. In dem Fall war es ja aber auch sowieso nur ein Randthema zum Abschluss der Folge das mit dem IPCC-Bericht nichts zu tun hat. Kein Grund zur Aufregung also.

Orinoco

Ihr solltet mal einen Geoökologen als Berater hinzuziehen. Der kann Evapotranspiration ohne sich die Zunge zu verknoten aussprechen und kennt nicht nur den Unterschied zwischen Löss und Lehm sondern auch zwischen Korngröße, Bodenart und Bodentyp und hat sonst auch ein breites interdiszipinäres, naturwissenschaftliches Wissen (Ökochemie, Hydrologie, Bodenkunde/-physik/-ökologie, Biogeographie, Geowissenschaften, Pflanzen- und Tierökologie uvm.) Das würde allerdings den humoristischen Unterhaltungswert von euren Exkursen auf fachfremdes Gebiet erheblich reduzieren, zumindest für die die vom Fach sind.

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