DK177 - Victor Gruen, der unglückliche Erfinder der Einkaufszentren
Shownotes
DK177 - Victor Gruen, der unglückliche Erfinder der Einkaufszentren
Und: Wir wollen mehr Fußgängerzonen!
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 177 gehen wir shoppen und schauen auf das Leben des österreichischen Architekten Victor Gruen, der in den USA das Einkaufszentrum erfunden hat und damit nicht wirklich glücklich geworden ist. Warum seine Idee aus Klimasicht aber trotzdem schlau sind, erklären wir in der aktuellen Folge.
Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter.
Victor Gruen und das Einkaufszentrum
Einkaufszentren stehen heute überall und vor allem in den USA haben sie sehr stark zur Bodenversiegelung und Dominanz des motorisierten Individualverkehrs beigetragen. Erfunden wurde das Einkaufszentrum von Victor Gruen, der aber eigentlich etwas ganz anderes im Sinn gehabt hat und bis an sein Lebensende gute Idee für - aus heutiger Sicht - klimafreundliche Städte gehabt hat.
Den ausführlichen Artikel des Wien-Museums gibt es hier und Infos zum Film “Der Gruen-Effekt” gibt es hier.
Bücher
Das neue Buch von Florian heißt “Die Farben des Universums”.
Das neue Buch der Science Buster heißt "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" und erscheint im Hanser Verlag. Tickets und Infos für die Live Show gibt es unter sciencebusters.at Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live.
Hinweis zur Werbung und Unterstützung
Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal.
Kontakt und weitere Projekte
Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.
Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.
Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft.
Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:
Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia
Bluesky Florian| Bluesky Claudia
Transkript anzeigen
Claudia: Hier ist das Klima, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise.
Claudia: Wir lesen und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung jeden zweiten
Claudia: Montag mit Florian Freistetter.
Florian: Und mit Claudia Frick. Herzlich willkommen zu Folge 177 und Folge Nummer 3 unserer
Florian: kurzen Sommerfolgen, die wir vor dem Sommer vorbereitet haben,
Florian: dass wir im Sommer ein bisschen weniger zu arbeiten haben.
Florian: Und wenn man nicht arbeitet, dann kann man spielen.
Florian: Und davon hast du in der letzten Folge erzielt.
Claudia: Genau und ich hoffe sehr, dass ein paar auch dann Spiele aufgegriffen haben
Claudia: und vielleicht auch ein bisschen gespielt haben.
Claudia: Muss nicht zwingend ein Klimaspiel gewesen sein, wie ich sie vorgestellt habe,
Claudia: aber ein bisschen spielen im Sommer tut immer gut.
Florian: Genau und falls ihr uns schon Nachrichten geschickt habt, wie wir es in der letzten Folge,
Florian: darum gebeten haben, dass ihr uns eure Erfahrungen mit Klimabrettspielen schildert,
Florian: wenn ihr uns die geschickt habt, wir können sie erst im September hier im Podcast
Florian: erwähnen, weil wir alle Folgen vor September jetzt schon im Juli aufnehmen.
Florian: Das heißt, wir haben zwar gelesen mittlerweile, wenn ihr uns was geschickt habt,
Florian: aber hier im Podcast können wir es erst später erwähnen, weil diese Folge haben
Florian: wir ungefähr zehn Minuten nach der letzten Folge aufgenommen.
Florian: Das heißt, da wäre es überraschend, wenn da jetzt schon jemand gekommen wäre,
Florian: vor allem weil die Folge noch nicht veröffentlicht worden ist.
Claudia: Wenn, dann hätten wir telepathische Fähigkeiten und könnten die Zukunft sehen.
Florian: Ja, oder unsere Hörerschaft hätte telepathische Fähigkeiten und hat gewusst, was kommt.
Claudia: Ja, das wäre auch was. Okay, ja, was machen wir heute?
Florian: Heute machen wir eine Geschichte, die eigentlich keine wissenschaftliche Arbeit
Florian: ist, sondern eigentlich eine Geschichte aus der Geschichte der Welt.
Florian: Also es geht um eine Person, die ich nicht kannte, bevor ich ein bestimmtes
Florian: Buch gelesen habe. Weißt du, Claudia, wer Viktor Grün war?
Claudia: Nee, ich kenne Viktor und ich kenne jemanden mit Nachnamen Grün, aber ich kenne ihn.
Claudia: Nein.
Florian: Okay, dann schließe ich eine andere Frage. Weißt du, Claudia,
Florian: wer das Einkaufszentrum erfunden hat?
Claudia: Nein, aber ich habe jetzt eine starke Vermutung.
Florian: Ja, vielleicht ist sie auch richtig. Wir reden heute über den Erfinder der Einkaufszentren
Florian: und wir reden deswegen drum, weil ich vor kurzem ja aus Gründen so ein Etablissement betreten musste.
Florian: Ich bin ja kein großer Fan von Einkaufszentren, zumindest nicht von den sehr, sehr großen.
Florian: Also ja, was man halt so ab und zu mal in so einer kleinen Stadt irgendwo findet,
Florian: innen drin so ein Gebäude mit drei, vier Läden drin, habe ich jetzt kein Problem damit.
Florian: Aber es gibt ja auch wirklich diese gigantischen Einkaufszentren,
Florian: die dann auch nicht in der Stadt sind meistens, sondern irgendwie ein bisschen
Florian: außerhalb. In Wien zum Beispiel oder Wien-Nähe gibt es die berühmte Shopping
Florian: City, Shopping City Süd, die wie der Name sagt, südlich von Wien liegt und ich
Florian: wohne ja auch südlich von Wien.
Florian: Und ab und zu, ja, muss man da irgendwo hin, weil es gibt so gewisse Sachen,
Florian: die man jetzt irgendwie nicht so oft braucht, aber doch ab und zu mal braucht,
Florian: keine Ahnung, Möbel zum Beispiel, da hat man dann oft keine andere Wahl, als da hinzufahren.
Florian: Und wenn ich sage hinfahren, dann meine ich auch hinfahren, weil da sind wir
Florian: jetzt dann wieder beim Klima. Diese Shoppingcenter oder Malls und Gewerbegebiete,
Florian: die sind ja fast ausschließlich per Auto zu erreichen.
Florian: Gibt ja fast keine, wo man da irgendwie so öffentlich hinkommt oder schon,
Florian: aber schlecht. Aber die sind komplett auf Autos ausgelegt, eigentlich diese
Florian: Art der Architektur. Und,
Florian: Spielen auch eine große Rolle bei vielen Klimaproblemen, die wir haben und Umweltproblemen.
Florian: Bodenversiegelung, Autoverkehr, wenn man eben da nicht einfach anders hinkommt
Florian: als mit dem Auto, naja, dann wird sich auch am Verkehr nichts ändern und so weiter.
Claudia: Genau, was willst du machen?
Florian: Ja, also Einkaufszentren und Gewerbegebiete, das alles. Es ist aus vielerlei
Florian: Hinsicht keine gute Idee gewesen.
Florian: Aber ursprünglich war es eine gute Idee, beziehungsweise der Mann,
Florian: der diese Dinge erfunden hat, hat damit eine gute Idee umsetzen wollen.
Florian: Und deswegen habe ich gedacht, erzähle ich heute in der Folge kurz die Geschichte
Florian: von Viktor Grün. Ich habe jetzt keine Studien über Einkaufszentren oder sowas
Florian: mitgebracht, sondern die Biografie des Mannes, der die Einkaufszentren erfunden
Florian: hat, weil ich die sehr interessant fand.
Florian: Der Herr Viktor Grün wurde nämlich in Österreich geboren oder damals war es
Florian: sogar noch Österreich-Ungarn, nämlich am 18. Juli 1903 und hieß damals noch Viktor David Grünbaum.
Florian: Er hat Architektur studiert in Wien und er war auch politischer Kabarettist
Florian: und zwar als bekennender Sozialdemokrat und damit auch auf der Kabarettbühne
Florian: ein Kritiker und Gegner der Nationalsozialisten, die es damals auch schon gab.
Florian: Hat auch ein politisches Kabarett geleitet, so von 1926 bis in die frühen 30er
Florian: Jahre das Kabarett Literatur am Naschmarkt.
Florian: Das war alles dann ein bisschen problematisch, als Österreich ans Deutsche Reich
Florian: angeschlossen wurde 1938.
Florian: Da ist man irgendwie als jüdischstämmiger Sozialdemokrat und die Nazis kritisierender
Florian: Kabarettist nicht mehr unbedingt in einer Lage, in der man in dem Land bleiben will.
Florian: Das heißt, er ist dann geflohen, zuerst in die Schweiz, dann in die USA und
Florian: hat da, wie so viele, die da fliehen und emigrieren mussten,
Florian: nicht viele Möglichkeiten gehabt.
Florian: Also er hat kein Geld gehabt, er hat kein Englisch gesprochen,
Florian: aber zumindest hat er ein Architekturstudium abgeschlossen in Österreich und
Florian: hat jetzt geschaut, was er damit anstellen kann und hat unter anderem einen
Florian: Job bekommen von einem ebenfalls aus Wien emigrierten Typen.
Florian: Der hatte irgendwie eine Boutique irgendwo in New York in der Fifth Avenue.
Florian: Die ist in New York, oder? Ich glaube. Ja, egal.
Florian: Vermutlich war es New York. Und dort sollte er eine Boutique gestalten.
Florian: Und da hat er halt seine Kenntnisse aus der Theaterzeit und hat da so ein kleines
Florian: Geschäft mit Spiegeln und Licht und alles sehr viel größer ausschauen lassen, als es sein sollte.
Florian: Und das war anscheinend schon so beeindruckend, diese kleine Boutique,
Florian: die er da umgestaltet hat, dass er wirklich schon in den Zeitungen erzählt worden
Florian: ist, dass New Yorker Museum of Modern Art darüber gesprochen hat und so weiter.
Florian: Der ist gleich ziemlich gut aufgefallen, der Viktor Grün, wie er sich jetzt
Florian: in den USA genannt hat und er ist dann auch Amerikaner geworden.
Florian: Ich kann jetzt nicht genau sagen, wann er die Staatsbürgerschaft gewechselt hat.
Florian: Aber er hat sich dann eben mit anderen Dingen beschäftigt. Er hat sich immer
Florian: mit so Kommerzarchitektur, das ist glaube ich kein Fachbegriff,
Florian: aber er hat keine Villen gebaut oder sowas, sondern hat Geschäfte gestaltet, beschäftigt.
Florian: Und er hat sich Gedanken gemacht, weil er kam ja aus Europa, aus Österreich.
Florian: Und da hatten wir tatsächlich ja oder haben wir immer noch sowas wie Stadtzentren
Florian: und Altstädte historisch gewachsen und so weiter.
Florian: Ganz viel in europäischen Klein- und Großstädten kann man immer noch gut zu Fuß erledigen.
Florian: Wenn du in so einem Stadtzentrum bist, da hast du trotz Gewerbegebieten und
Florian: allen, hast du immer noch jede Menge Geschäfte und Sachen, die du eigentlich
Florian: zu Fuß gehen kannst. Du kannst viel in den Stadtzentren zu Fuß erledigen,
Florian: aber in den USA eher nicht.
Florian: Ja, weil die haben halt diese historisch gewachsenen Altstädte nicht.
Claudia: Ja, das stimmt.
Florian: Und sowas wollte Viktor Grün auch machen. Also Viktor Grün wollte sowas künstlich schaffen.
Florian: Also ja, eben war schon klar, dass er jetzt nicht irgendwie eine Altstadt hinbauen
Florian: kann. Es war auch nicht der Plan, da jetzt eine historische Altstadt hinzubauen,
Florian: so wie es vielleicht irgendwie in China ab und zu der Fall ist,
Florian: wo sie da irgendwelche ganzen Stadtkerne kopieren und bei sich nachbauen. Das nicht.
Florian: Er wollte ein Zentrum bauen, so multifunktionelle Zentren, hat er gesagt,
Florian: wo neben Einkaufsmöglichkeiten auch öffentliche Einrichtungen sind,
Florian: soziale Einrichtungen und so weiter.
Florian: Also quasi neue Stadtzentren, die das reproduzieren, was die historischen Altstädte
Florian: in Europa historisch gewachsen haben. So was wollte er machen.
Florian: Und das erste Mal so eine Shopping Town, wie das Konzept dann genannt worden
Florian: ist, die hat er schon 1943 bei so Architekturwettbewerben eingereicht und so.
Florian: Und dann gab es eine Ausschreibung für eine innovative Modellstadt für das Jahr
Florian: 1904X, also irgendwann in den 40ern. Und das irgendwann war halt,
Florian: wenn der Krieg zu Ende ist, der Zweite Weltkrieg, dann soll das gebaut werden.
Florian: Hat dann mit den 40ern nicht ganz geklappt, aber in den 1950ern,
Florian: 1954 hat er in Detroit das Northland Center gebaut, das erste moderne Einkaufszentrum.
Florian: Und das war eben diese Idee, die er da umgesetzt hat.
Florian: Wir bauen ein großes Ding in der Stadt, wo quasi alles drin ist,
Florian: dass die Leute da halt so fußläufig alles erledigen können.
Florian: Das hat er gemacht und sind dann noch ein paar mehr gebaut worden.
Florian: Und natürlich haben dann andere Städte und Architekten es auch gesehen,
Florian: wir sollen sowas machen.
Florian: Und Grün war nicht ganz so begeistert
Florian: von dem, was seine Erfindung des Einkaufszentrums dann bewirkt hat,
Florian: weil es hat sich dann gezeigt, dass du dadurch eben die heute bekannte,
Florian: aber damals vielleicht auch überraschende Abhängigkeit vom Individualverkehr gefördert hast.
Florian: Weil nicht alle haben jetzt ihre Einkaufszentren in die Stadt reingebaut,
Florian: sondern auch irgendwie außerhalb und alles.
Florian: Was dazu geführt hat, dass du eben erstens diesen starken Fokus auf dem Autoverkehr
Florian: hattest, dass die Stadtzentren, die es noch gab in den amerikanischen Städten,
Florian: dass die immer mehr verödet sind.
Florian: Er hat dann gesagt, es gibt einen Dokumentationsfilm, den habe ich leider nicht
Florian: gefunden, um irgendwo einer Quelle, wo man ihn anschauen kann.
Florian: Der ist 2010 erschienen, ein österreichischer Dokumentationsfilm,
Florian: der heißt Der Grüneffekt.
Claudia: Okay, sorry, aber guter Name, aber der Grüneffekt ist natürlich,
Claudia: so will man ja eigentlich seinen Namen nicht besetzt haben.
Florian: Nee, nee, wir kommen gleich zum Grüneffekt. Der Grüneffekt ist was anderes.
Claudia: Achso, es ist nicht das Aussterben der Innenstadt.
Florian: Nee, nee, auch nicht. Der Grüneffekt ist etwas, was ganz anderes ist.
Florian: Der Grüneffekt ist eigentlich der, dass die Leute herausgefunden haben,
Florian: wenn du eben in so eine Shopping Mall reingehst, in so ein Einkaufszentrum, das machen wir ja alle.
Florian: Also wie ich noch in Jena gelebt habe, hatten wir auch die Goethe-Galerie,
Florian: das war halt auch so im Stadtzentrum. zu so einem Dings. Und da gehe ich halt
Florian: rein, weil ich jetzt irgendwie zum Supermarkt will.
Florian: Und da komme ich aber am Buchgeschäft vorbei und ich komme an der Drogerie vorbei
Florian: und ich komme am Sportladen vorbei, weil halt alle zusammen sind.
Florian: Und da kaufe ich mehr, als ich eigentlich wollte.
Florian: Und das ist eben dieses, was Marktforschung festgestellt hat.
Florian: Diese Angebotsvielfalt führt dazu, dass die Zahl der spontanen Einkäufe steigt.
Florian: Und das ist der grüne Effekt.
Claudia: Ah, okay. Okay.
Claudia: Positiver, positiver. Ich dachte schon gerade, der arme Mann. Aber ich meine, ja.
Florian: Aber jedenfalls in diesem Film, der Grüneffekt, hat er den Satz gesagt,
Florian: die Geister, die ich herbeigerufen hatte, überwucherten in unheilvoller Weise die ganze Welt.
Florian: Oder später hat er es ein bisschen prägnanter ausgedrückt in einem anderen Interview.
Florian: In Bezug auf die Einkaufszentren, die überall auf der Welt entstanden sind,
Florian: hat er gesagt, ich weigere mich, Alimente für diese Bastard-Projekte zu bezahlen.
Florian: Also er hat sich dann sehr, sehr deutlich von seiner eigentlichen Erfindung
Florian: distanziert und ist dann auch tatsächlich engagierbar und hat sich damit beschäftigt,
Florian: was man dagegen tun kann.
Florian: Also er ist zum Beispiel in Kalamazoo, wo immer auch das sein mag in den USA,
Florian: aber es ist eine größere Stadt auf jeden Fall.
Florian: Die wollten ein Revitalisierungskonzept für die Innenstadt von ihm und hat sich
Florian: auch überlegt, wie er das machen kann und hat dann tatsächlich
Florian: die erste, wie er es genannt hat, Outdoor Pedestrian Shopping Mall entwickelt
Florian: oder wie wir in Europa sagen würden, Fußgängerzone.
Florian: Also das war die erste Fußgängerzone in den USA, die er auch war.
Claudia: Er erfunden hat.
Florian: Und der war dann später langjährig Politiker in Wien und Bürgermeister in Wien.
Florian: Und gerade eben in der Zeit in den 70ern, als Grün auch wieder zurück nach Wien gekommen ist.
Florian: Und dort hat eben Slavik dann Grün gebeten, auch ein bisschen was zu haben.
Florian: Das war gerade die Zeit, wo man in Wien groß umgeplant hat.
Florian: Man könnte da ganze Bücher lesen
Florian: drüber, weil es gibt ganze Bücher über Stadtentwicklung und Viktor Grün.
Florian: Aber jetzt so kurz gesagt, was damals Grün für Wien gesagt hat,
Florian: weil Wien kann man sich auch nicht mehr vorstellen, die ganze Innenstadt in
Florian: Wien, Da, wo heute die ganzen Touristen rumlaufen und sich die Sehenswürdigkeiten
Florian: anschauen, da sind damals überall Autos rumgefahren.
Florian: Weil, wie gesagt, Fußgängerzonen sind auch noch eine neue Sache, auch in Europa.
Florian: Früher waren die Innenstädte voll mit Autos. Und Grün hat damals gesagt,
Florian: ja, wir müssen auch in Wien Fußgängerzonen machen. Wir müssen den benzingetriebenen
Florian: Fahrzeugverkehr aus der Innenstadt so weit wie möglich raustun.
Florian: Wir müssen U-Bahn-Linien bauen. Ich möchte jetzt gar nicht alles aufzählen,
Florian: was er alles gemacht hat. Aber im Wesentlichen kann man sagen,
Florian: dass Viktor Grün damals das schon bezeichnete.
Florian: Gedacht und geplant hat, was wir heute im Klimakontext als Compact Cities oder
Florian: Stadt der kurzen Wege, 15 Minuten Stadt bezeichnen.
Florian: Da haben wir auch schon öfter darüber gesprochen, dass wir eben Städte baulich
Florian: so umplanen sollten aus vielen.
Florian: Gründen, Klimagerechtigkeitsgründen, dass du eben nicht angewiesen bist auf
Florian: ein Auto, wenn du irgendwo hinfahren musst, wenn du zum Arzt musst oder wenn
Florian: du es einkaufen musst, sondern dass du im Prinzip alles zu Fuß innerhalb von
Florian: 15 Minuten um deinem Wohnort herum erledigen kannst.
Florian: Und das ist etwas, was wir heute aus Klimasicht diskutieren,
Florian: weil das eben ja ganz, ganz viel möglich macht.
Claudia: Eben.
Florian: Klimaschutzgründen, aber auch eben ja aus ganz vielen anderen Gründen.
Claudia: Ja, genau. Also für alle Menschen, die nicht so super mobil sind und nicht kilometerweit
Claudia: durch die Gegend fahren wollen.
Florian: Genau. Und das war etwas, was Viktor Grün damals sich schon überlegt hat.
Florian: Also wer gerne möchte, ich verlinke in den Shownotes den Film,
Florian: also die Infos zu dem Film, der Grün-Effekt.
Florian: Vielleicht haben wir schlaue Menschen in der Hörerschaft, die wissen,
Florian: wie man an so einen Film kommt.
Florian: Das war halt ja etwas vom Filmfonds Wien. Er läuft, glaube ich,
Florian: meines Wissens nach auf den gängigen Streaming-Plattformen nicht,
Florian: aber vielleicht habt ihr irgendwelche Quellen, wo er da an irgendwelche Filme kommt und findet das.
Florian: Und ich verlinke auch einen sehr, sehr schönen und langen Artikel vom Wien-Museum,
Florian: wo die Biografie und das Leben und Wirken von Viktor Grün sehr,
Florian: sehr schön dargestellt wird.
Florian: Es sind auch schöne Bilder dabei, wie er so seine Designzeichnungen hat,
Florian: richtig so schöne 1950er Jahre Zeichnungen, die sind ja alle sehr,
Florian: sehr cool. Da hat man sich die Welt ja auch sehr, sehr cool vorgestellt damals.
Florian: Also wer da gern wissen möchte, bitte da reinschauen. Und ansonsten lasse ich
Florian: das jetzt hier die Geschichte sein. Wie gesagt, ich will jetzt gar nicht großartig
Florian: in die Klimawissenschaft gehen, sondern habe gedacht, ich erzähle mal was über einen Menschen,
Florian: Der unsere Welt umgestaltet hat, der die Welt so gestaltet hat oder zum Teil
Florian: so gestaltet hat, wie sie heute ist, aber über den man eigentlich wenig weiß.
Florian: Also wie gesagt, ich kannte Viktor Grün nicht, mir war gar nicht bewusst,
Florian: dass sowas wie ein Einkaufszentrum einen Erfinder hat. Ich dachte,
Florian: das ist einfach so gewuchert, irgendwo das Einkaufszentrum.
Claudia: Naja gut, irgendwo muss ja die Idee tatsächlich entstanden sein,
Claudia: aber ich bin fasziniert davon, weil das ja schon einen nachhaltigen Einfluss
Claudia: auf so, so viele Städte der Welt hatte.
Claudia: Jedenfalls den Bereich der Welt, die ich schon bereist und gesehen habe.
Florian: Ja und dass Viktor Krön sich das Einkaufszentrum nicht so gedacht hat,
Florian: wie es heute funktioniert hat.
Florian: Sondern dass er tatsächlich sehr, sehr schlaue Ideen zur Städteplanung hatte
Florian: zu einer Zeit, als man sich über Klima noch gar nicht so große Gedanken gemacht hat.
Claudia: Ja und trotzdem, also aus anderen Benefitgründen kam er auf diese Lösung.
Claudia: Also da merkt man, es hat ja mehrere Benefits ganz eindeutig. Spannend.
Florian: Genau.
Claudia: Toll, hat er was gelernt.
Florian: Ja, ein Zitat von ihm noch am Ende. Also Viktor Grün ist am 14.
Florian: Februar 1980 gestorben und 1974 hat man darüber diskutiert, in der Kärntner
Florian: Straße, das ist heute so eine klassische Einkaufsstraße, Touristenstraße in
Florian: Wien, eine Fußgängerzone einzurichten.
Florian: Und da hat er mit dem Argument zugrande kommen müssen oder er hat das Argument
Florian: entkräften müssen, dass er heute immer noch kommt, wenn irgendwo eine Fußgängerzone
Florian: eingerichtet werden soll oder wenn irgendwo auch nur Parkplätze bei irgendwo
Florian: was weggetan werden sollen.
Florian: Weil dann heißt der, wenn die Leute mit dem Auto hinfahren können,
Florian: dann kaufen sie ja nichts mehr. Und er hat gesagt, angesichts dieser Kritik
Florian: an der Fußgängerzonisierung der Kärntner Straße, Autos kaufen nichts.
Claudia: Autos kaufen nichts. Das stimmt.
Florian: Ja, das war meine Geschichte über Viktor Grün.
Claudia: Wunderbar. Das ist eine super Folge. Und ich muss sagen, ich finde,
Claudia: es hatte doch so ein bisschen Sommerfeeling.
Claudia: Also so über Städte und wie Städte gebaut sind und ein bisschen einkaufen und shoppen.
Claudia: Passt. passt. Und ich, in zwei Wochen spreche ich eigentlich nur darüber,
Claudia: wie warm Dinge werden können.
Florian: Okay.
Claudia: Das hat auch was mit Sommer zu tun, aber nichts mit Shopping.
Florian: Bei Shopping kannst du aber auch warm werden.
Claudia: Ja, definitiv. Da kann alles warm werden, wenn man sich vor allem viel bewegt.
Florian: Gut, dann bin ich gespannt, was in der nächsten Folge warm werden wird.
Florian: Und wenn ihr uns was schreiben wollt bis zur nächsten Folge,
Florian: macht das unter podcast.klima.fm. Und den Rest machst du, weil ich glaube,
Florian: du bist dran mit der Abmoderation, oder?
Claudia: Ja, eigentlich schon.
Florian: Gut, dann mach du weiter.
Claudia: Vielleicht gibt es ja noch mehr Menschen, die Geschichten über Menschen haben,
Claudia: die wir nicht kennen, die aber Stadtbau beeinflusst haben.
Claudia: Dürft ihr uns total gerne schreiben unter podcast.klima.fm oder uns einfach
Claudia: schreiben unter die Folge und wo ihr die Shownotes findet mit all den Links.
Claudia: Die wir jetzt genannt haben oder die du genannt hast.
Claudia: Ich bin gespannt, ob man vielleicht auch irgendwie diese Dokumentation noch
Claudia: findet in irgendeiner Bibliothek.
Florian: Ja, auf jeden Fall. In so einer DVD.
Claudia: In so einer Ecke.
Florian: Ja, das wird es auf jeden Fall geben. Also DVD ist es ja auch im Filmarchiv
Florian: Österreich, wird es die geben. Also sie wird nicht verschwunden sein,
Florian: aber halt nicht so einfach zugänglich wie halt der aktuelle Blockbuster.
Claudia: Gut, das ist selten bei den Filmen, die ich gerne gucken möchte, der Fall.
Claudia: Genau, ich hoffe, ihr guckt noch ein paar schöne Filme über den Sommer.
Claudia: Ist ja auch eine entspannte Tätigkeit, die man gut machen kann,
Claudia: wenn man vielleicht nicht in der prallen Sonne sitzen möchte.
Claudia: Ansonsten geht einkaufen, aber bitte nachhaltig.
Claudia: Und wir hören uns in zwei Wochen wieder zur nächsten kurzen Sommerfolge.
Florian: Ja, mach das. Bis dahin. Tschüss.
Claudia: Tschüss.
Florian: Guck, jetzt wo die Folge zu Ende ist, sehe ich gerade auf Amazon,
Florian: kannst du DVD kaufen für 13 Euro.
Claudia: 13 Euro ist mir noch zu teuer.
Florian: Ja, ansonsten müsst ihr mal schauen, hier was ist hier, Moviepilot,
Florian: die Vorarlberger Architekturinstitut hat auch was, ja, irgendwo wird es das schon geben, das Ding.
Claudia: Ja.
Florian: Aber guck mal hier, jpc.de, was auch immer das sein mag, für eine Seite,
Florian: da gibt es die DVD für 2,90.
Claudia: Klingt suspicious, aber ganz ehrlich, was wollen wir mehr?
Florian: Ja.
Neuer Kommentar