DK165 - Mitreden statt Meckern: Transdisziplinarität im Klimaschutz
Shownotes
DK165 - Mitreden statt Meckern: Transdisziplinarität im Klimaschutz
Und: Was ist real im Reallbor?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 165 geht es um komplizierte Wörter. Zum Beispiel “Transdisziplinarität”. Das Konzept dahinter ist aber essentiell, wenn wir wollen, dass nicht nur an Klimaschutz geforscht, sondern das Erforschte dann auch umgesetzt wird. Und zwar so, dass am Ende alle damit zufrieden sind.
Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter.
Transdisziplinarität und Realllabore
Transdisziplinarität klingt kompliziert. Ist aber wichtig. Wir merken immer wieder, dass Klimaschutz-Maßnahmen nicht daran scheitern, dass wir zu wenig Daten oder zu wenig Fakten hätten, sondern an Akzeptanz, Machtfragen, Politik, Umsetzung in der Praxis und manchmal schon daran, dass wir uns nicht einmal einig sind, was das konkrete Problem vor Ort ist. Genau dann kommt Transdisziplinarität ins Spiel.
Aber zuerst die Begriffsklärung: Disziplinäre Forschung heißt: Wir arbeiten innerhalb eines Fachs und bleiben in dessen Methoden und Denktraditionen. Multidisziplinär ist ein Schritt weiter: Ein Problem, mehrere Disziplinen schauen jeweils aus ihrer Perspektive darauf, aber im Grunde nebeneinander her. Interdisziplinär wird es, wenn die Disziplinen wirklich gemeinsam an einer Fragestellung arbeiten, Methoden zusammenbringen und eine gemeinsame Antwort entwickeln. Transdisziplinär wird es dann, wenn zusätzlich zur interdisziplinären akademischen Zusammenarbeit noch Akteurinnen und Akteure aus nicht-akademischen Kontexten beteiligt sind, etwa Verwaltung, Zivilgesellschaft, Bürgerinnen und Bürger oder auch Unternehmen, und zwar idealerweise über den ganzen Prozess hinweg: von der gemeinsamen Problemdefinition über Datenerhebung und Auswertung bis hin zu Ergebnissen und Umsetzung.
Der Kern ist ein Perspektivwechsel: Statt Wissenschaft für die Gesellschaft zu machen, machen wir Wissenschaft mit der Gesellschaft. In so einem Prozess passiert Wissenschaftskommunikation nicht erst am Ende, wenn Ergebnisse “verkündet” werden, sondern laufend, während gemeinsam Wissen entsteht.
Das ist aber aufwendig. Wir müssen Zeit investieren, eine gemeinsame Sprache finden und Begriffe klären, die nicht einmal zwischen Disziplinen automatisch gleich verstanden werden, geschweige denn zwischen Forschung, Verwaltung, Unternehmen und Öffentlichkeit. Dazu kommt ein praktisches Problem, das wir aus Förderlogiken kennen: Wenn wir die Fragestellung wirklich gemeinsam entwickeln wollen, brauchen wir dafür schon Ressourcen, bevor überhaupt klar ist, was am Ende exakt untersucht wird. Genau diese frühe Phase ist aber im klassischen Antragssystem schwer abzubilden. Ein wichtiger Baustein ist, dass wir unterschiedliche Wissensformen ernst nehmen. Neben akademischem Wissen gibt es Erfahrungswissen, zum Beispiel von Menschen, die täglich den Nahverkehr nutzen und genau wissen, welche Verbindung regelmäßig ausfällt oder wo es im Alltag hakt. Dazu kommt Methodenwissen und schließlich das, worauf im Klimakontext vieles hinausläuft: Transformationswissen, also Wissen darüber, wie wir die Welt tatsächlich verändern können, hin zu dem, was wir erreichen wollen, inklusive Handlungswissen, das auch in der Praxis trägt.
Am Ende landen wir bei einem Begriff, der im deutschsprachigen Raum zunehmend auftaucht und trotzdem vielen noch fremd ist: Reallabor. Reallabore sind eine Art transdisziplinäre Forschungs- und Entwicklungsumgebung, kein Laborraum mit Kitteln und Geräten. “Experiment” heißt hier: Wir probieren Maßnahmen in realitätsnahen Settings aus, ohne zu wissen, ob sie funktionieren, und wir lernen gemeinsam aus dem Verlauf, auch wenn etwas scheitert.
Als konkretes Beispiel sprechen wir über das Reallabor Co-Site an der TH Köln, das Klimaanpassungslösungen für die Region rund um Köln mit Partnern aus Verwaltung, kritischer Infrastruktur und weiteren Akteursgruppen entwickelt.
Wissenschaftliche Literatur dazu:
Transdisciplinary Field Guide Auf dem Weg zu einer transformativen Hochschule. Voraussetzungen, Herausforderungen und Zugänge am Beispiel des Projekts Co-Site der TH Köln Transdisciplinarity in climate change adaptation: An agenda for evidence generation Impacts of real-world labs in sustainability transformations: Forms of impacts, creation strategies, challenges, and methodological advances
Bücher
Das neue Buch von Florian heißt “Die Farben des Universums”.
Das neue Buch der Science Buster heißt "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" und erscheint im Hanser Verlag. Tickets und Infos für die Live Show gibt es unter sciencebusters.at Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live.
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Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft.
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Transkript anzeigen
Florian: Hier ist das Klima, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise.
Florian: Wir lesen und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung jeden zweiten
Florian: Montag mit Claudia Frick.
Claudia: Und Florian Freistetter.
Florian: Ja und Helau müssen wir jetzt sagen, denn wir nehmen auf am Rosenmontag, deinem Lieblingstag.
Claudia: Allah.
Florian: Ja, wir haben es ja schon öfter mal erwähnt, du bist ja diejenige,
Florian: die in den Karnevalshochburgen lebt.
Florian: Ich bin ja nur aus dem Süden von Wien, da wird zwar auch ein bisschen Fasching
Florian: gefeiert, aber so richtig abgehen tun wir hier nicht drauf.
Claudia: Ja, ich glaube, da draußen ist ganz viel los. Mein Plan ist heute nicht herauszugehen.
Florian: Ja, aber diese Folge erscheint ja erst in zwei Wochen in der Fastenzeit und
Florian: da ist ja schon wieder alles ganz seriös und züchtig und alle sind brav.
Claudia: Ja, und niemand hat mehr Kostüme an.
Florian: Genau, und niemand trinkt Alkohol oder isst Fleisch. Das wird uns heute nicht
Florian: beschäftigen, Karneval. Wir haben, glaube ich, immer noch keine eigene Karnevalsfolge gemacht.
Florian: Irgendwann werden wir auch diese thematische Verbindung noch aufreißen.
Florian: Klima und Karneval ist zumindest eine schöne Alliteration.
Claudia: Ja, Klima, Karneval und Kamelle ist eine gute Folgentitel.
Florian: Richtig, genau. Allein deswegen müssen wir das schon mal machen,
Florian: für nächstes Jahr mal schauen.
Florian: Aber wir schauen zuerst mal zurück auf die letzte Folge. Da habe ich nämlich
Florian: vom Frühling erzählt und von der Phänologie, also das, was wir als Menschen
Florian: vom Frühling sehen, spüren und riechen.
Florian: Also wann wirklich die Bäume anfangen zu blühen und die Blätter abfallen uns
Florian: im Herbst, was auch Phänologie ist.
Florian: Aber wir haben über den Frühlingsanfang gesprochen und darüber,
Florian: dass der durch die Klimakrise immer früher kommt, aber dass sich da die Sensitivität
Florian: ein bisschen geändert zu haben scheint, also dass dieselbe Temperaturerwärmung
Florian: nicht zur selben Vorverlegung der Pflanzenentwicklung geführt hat.
Florian: Und dieser Effekt, wie sich herausgestellt hat, ist kein realbiologischer,
Florian: sondern ein mathematischer, aber deswegen nicht minder wichtig zu wissen, dass es so ist.
Claudia: Gott, den Satz muss ich jetzt gerade nochmal in meinem Kopf wiederholen.
Florian: Ja, ich habe mich auch ein bisschen verlaufen.
Claudia: Es ist ein guter Satz, wir lassen den so. Ja, das ist ja gut.
Claudia: Aber leider, bedauerlicherweise muss ich sagen, der Frühling ist heute,
Claudia: wo wir aufzeichnen, noch nicht angekommen. Es schneit.
Florian: Ja, bei uns auch. Es war die letzten Tage so doch ein bisschen warm,
Florian: so immer so fünf, sechs Grad, ab und zu mal Sonne. Aber jetzt kommt,
Florian: glaube ich, wieder eine Kältewelle.
Florian: Also das macht der Februar ja immer. Der macht einem Hoffnung und dann haut
Florian: er einem Hinterrücks dann wieder in den Winter auf den Kopf.
Claudia: Zerschmettert die Hoffnung. Ich kam hier gestern an und es war einfach zwei
Claudia: Zentimeter Neuschnee. Ich weiß nicht, ich habe seitdem nicht immer rausgeguckt. Ich hatte Angst.
Florian: Schauen wir uns halt was anderes an. Lassen wir den Frühling bei seiner Arbeit
Florian: und hoffen, dass er bald fertig wird. und du erzählst uns heute was anderes.
Claudia: Ja, ich hatte ja letztes Mal schon angekündigt, dass ich über Transdisziplinarität sprechen möchte.
Florian: Ja.
Claudia: Das ist ein großes Wort. Hängt mit allem zusammen, was wir eigentlich immer
Claudia: mal wieder so angesprochen haben.
Claudia: Ich habe mal so durchgeguckt, es ist auch in vielen Folgen, taucht das Wort
Claudia: irgendwo mal kurz auf, weil es immer dann auftaucht, wenn wir sagen,
Claudia: wie wir Maßnahmen scheitern, nicht an Daten oder Fakten oder am Wissen,
Claudia: was wir tun müssen, sondern an der Akzeptanz, an Machtfragen,
Claudia: politischen Fragen oder an Wissen aus der Praxis, also was man so wirklich in
Claudia: der Praxis dann auch wirklich umsetzen kann und vielleicht auch daran,
Claudia: dass wir uns nicht einigen, was überhaupt das Problem ist und wie wir es lösen
Claudia: wollen, also auf der kleinen Skala.
Claudia: Also was ist so das konkrete Problem in einer Stadt, wie kann man das umsetzen
Claudia: und umbauen? Genau, und daran,
Claudia: Wenn wir über sowas reden, dann kommt meistens das Wort Transdisziplinarität.
Florian: Genau. Und bevor wir anfangen, musst du, das habe ich eigentlich erklärt,
Florian: was ist jetzt der Unterschied zwischen Transdisziplinarität und Interdisziplinarität?
Florian: Weil Lateinisch, ich habe nie Latein gehabt, aber ich glaube,
Florian: ich habe zu erinnern, dass Trans sowas wie halt irgendwie da drüben,
Florian: dahinter, jenseits heißt und Inter ist halt so dazwischen.
Florian: Und das ist jetzt beides ein bisschen vage. Also was heißt das jetzt im Kontext
Florian: der Wissenschaft, ob man jetzt trans- oder interdisziplinär ist oder gibt es
Florian: in der Praxis überhaupt einen Unterschied?
Claudia: Ich mag, dass wir heute ganz oft über dieses Wort stolpern werden,
Claudia: obwohl es in meinem Alltag so eine große Rolle spielt.
Claudia: Also, weil, das kann ich erklären, also ich meine mal so als Einsatzdefinition.
Claudia: Transdisziplinäre Forschung ist, wenn man...
Claudia: Wissen aus akademischen Disziplinen und aus nicht-akademischen Welten,
Claudia: also sowas wie aus der Öffentlichkeit, von Verwaltung, von BürgerInnen,
Claudia: gemeinsam zusammenpackt, um irgendeine gesellschaftliche Herausforderung zu adressieren.
Claudia: Das ist der wichtige, wichtige Begriff. Wir können es ja immer auseinandernehmen.
Claudia: Also weißt du, was Disziplinarität ist?
Florian: Ja, das wissen wir, wenn man brav ist und nicht schwätzt, oder?
Claudia: Naja, das ist Disziplin.
Claudia: Also Disziplinarität, wenn man den letzten Begriff nimmt, das bedeutet,
Claudia: wenn man in einer Disziplin forscht.
Claudia: Also wenn ich jetzt in der Wissenschaftskommunikation vor mich hin forsche über
Claudia: Wissenschaftskommunikation, dann ganz klar mit meinen zwei Kolleginnen,
Claudia: die das Gleiche machen oder so, dann ist das eine disziplinäre Forschung.
Claudia: Also reine Forschungswelt, akademische Welt, ein Fachgebiet.
Claudia: Wir entwickeln da irgendwie Wissen und Informationen und Fakten.
Claudia: Wenn man dann jetzt sowas hat wie Multidisziplinarität, das ist noch ein Zwischenschritt,
Claudia: der ist ganz nice, dann hat man ein Problem, aber mehrere Disziplinen gucken
Claudia: sich separat voneinander an.
Florian: Okay, ja, das ist so im Prinzip das, was wir ja auch im IPCC-Bericht oft gehabt hatten.
Florian: Da hatten wir mal so ein Kapitel Klima aus Sicht der Wirtschaft,
Florian: ein Kapitel Klima aus Sicht der Industrie, ein Kapitel Klima aus Sicht der Meteorologie.
Florian: Das wäre dann Multidisziplinarität.
Claudia: Ja, Multidisziplinarität, genau. Ein Problem, mehrere gucken sich aber separat
Claudia: an. Also man bleibt so in seinen Disziplinen.
Claudia: Und Interdisziplinarität ist, wenn man jetzt ein Team zusammenwürfelt aus verschiedenen
Claudia: Fachgebieten, die plötzlich gemeinsam eine Fragestellung beantworten mit allen
Claudia: Methoden zusammen und sich ständig miteinander austauschen und eine Antwort,
Claudia: eine gemeinsame Antwort.
Claudia: Problemlösung versuchen. Also das ist interdiszipliniert.
Claudia: Man kreuzt quasi die Disziplinen und entwickelt Wissen, das aus allen gespeist wird.
Claudia: Dann kommt Transdisziplinarität und dann hast du quasi Interdisziplinarität.
Claudia: Also akademisch würfelt man schon alles zusammen und alle versuchen gemeinsam
Claudia: zu arbeiten. Und dann holt man eben noch Leute aus der nicht-akademischen Welt hinzu.
Claudia: Weil, wie habe ich gesagt, Transdisziplinarität taucht immer dann auf,
Claudia: wenn man sagt, ja wir brauchen Wissen und Akzeptanz aus der Gesellschaft und
Claudia: wir brauchen einen gemeinsamen Handlungsauftrag und müssen gemeinsam das Problem
Claudia: definieren, weil wir wissen,
Claudia: dann wird es eher akzeptiert. Und dann
Claudia: ist Transdisziplinarität plötzlich der sinnvolle Weg. Also wir holen die Leute
Claudia: dazu und wir forschen gemeinsam an einem Problem, das wir auch gemeinsam definieren.
Claudia: Also man holt zum Beispiel die Stadtverwaltung dazu und sagt,
Claudia: was hindert euch denn gerade daran oder wo ist das Problem beim Entwickeln von
Claudia: einem grünen Stadtkonzept.
Claudia: Dann kommen Ideen und man setzt sich zusammen und man überlegt gemeinsam,
Claudia: was könnte man zum Beispiel aus Wissenschaft und der Praxis gemeinsam für eine
Claudia: Frage entwickeln und die dann wirklich beantworten und dann auch umsetzen.
Claudia: Also dann wirklich ein grünes Stadtkonzept umsetzen, das wissenschaftlich gestützt
Claudia: ist und bei der Praxis auch umgesetzt werden kann und man hat gemeinsam das Problem adressiert.
Claudia: Ich weiß gar nicht, was das Deutschwort für Agency ist oder so Ownership.
Florian: Puh, ja, gute Frage.
Claudia: Man fühlt sich verantwortlich. Also man hat ein Gefühl des Mitmachens und man
Claudia: ist ja auch wirklich ein Mitmachen.
Florian: Handlungsmacht.
Claudia: Genau, dann fühlt man sich selbstwirksam. Das ist vielleicht in dem Kontext
Claudia: nicht ganz richtig, aber das passt schon.
Claudia: Und so entsteht halt sozial robustes Wissen und sozial robuste Lösungen.
Claudia: Also das ist Transdisziplinarität. Das kann natürlich übrigens auch heißen,
Claudia: dass das an der Stelle auch nochmal
Claudia: wichtig ist, dass natürlich auch so Unternehmen mit dabei sein können.
Claudia: Es wird dann ein bisschen schwierig, das immer zu unterscheiden zwischen Auftragsforschung
Claudia: und transdisziplinärer Forschung.
Florian: Ich wollte gerade sagen, die Wirtschaftsforschung gibt es ja auch.
Florian: Das ist ja auch etwas, was ganz unabhängig davon, von irgendwelchen Trans- oder
Florian: Inter- oder Multis stattfindet, dass Wirtschaft dann auch einfach da forscht.
Claudia: Genau. Die haben dann ihre eigenen Fragestellungen. Aber bei Transdisziplinarität
Claudia: wäre dann, dass die Unternehmen, die akademische Welt und vielleicht noch andere
Claudia: Interessensgruppen gemeinsam die Frage beantworten und wieder nicht alleine.
Claudia: Und bei Unternehmen kommt es ja häufiger mal vor, dass die ja auch irgendwie
Claudia: Forschung an Forschungseinrichtungen vergeben.
Claudia: Aber das soll es nicht sein. Es ist nicht, jemand kommt und sagt hier,
Claudia: ich habe Problem X, bitte forsch mal an der Lösung.
Claudia: Sondern, nee, wir forschen da gemeinsam dran. Die Begriffe, die dann meistens
Claudia: fallen, sind so Koproduktion oder Kokreation.
Claudia: Also man macht gemeinsam, erzeugt gemeinsam etwas.
Claudia: Im Prinzip ist es ein Perspektivwechsel. Anstatt dass man sagt,
Claudia: ich mache Wissenschaft für die Gesellschaft, macht man Wissenschaft mit der Gesellschaft.
Claudia: Das ist die beste Kurzbeschreibung, die mir gerade einfällt.
Claudia: Der Vorteil daran ist, muss man vielleicht nochmal kurz festhalten,
Claudia: man will ja nicht nur Wissen transferieren oder vermitteln, sondern man schafft
Claudia: ja gemeinsam Wissen dann.
Claudia: Wissenschaftskommunikation passiert dann quasi während des Prozesses und nicht
Claudia: danach, wenn man das Ergebnis hat.
Florian: Okay, ich überlege gerade mir vorzustellen, was da genau als konkret ein Beispiel
Florian: sein könnte, aber ich nehme an, du wirst etwas erzählen darüber.
Claudia: Ich kann auf jeden Fall ein Beispiel nennen. Also wenn man BürgerInnen beteiligt
Claudia: und mit denen gemeinsam irgendwie sich überlegt, ja, wie könnte denn jetzt hier
Claudia: die Stadtbegrünung aussehen?
Claudia: Wie könnte man das gemeinsam aufbauen und was macht dann auch wissenschaftlich
Claudia: Sinn und welche Lösungsvorschläge haben die? Dann kriegt man ja automatisch
Claudia: mit, als Forschende lernt man, okay, wo sind die Probleme dieser einen konkreten
Claudia: Stadt, weil in der Regel ist man da keine Expertin drin.
Claudia: Und die BürgerInnen, die ja ExpertInnen für die Stadt sind und ihren Alltag
Claudia: dort, die lernen aber gleichzeitig was darüber, was geht.
Claudia: Bei so Begrünungen von Stadt und was geht nicht, was macht Sinn und macht keinen
Claudia: Sinn, wissenschaftlich gesehen.
Florian: Ist sowas wie Klimarat, ist das transdisziplinär oder ist eigentlich keine Forschung
Florian: im eigentlichen Sinn, oder?
Claudia: Man ist nicht direkt am Forschungsprozess beteiligt. Es gibt aber,
Claudia: das muss man sagen, so verschiedene Abstufungen von Partizipation, also Beteiligung.
Claudia: Idealerweise Transdisziplinarität hat idealerweise eigentlich Beteiligung von
Claudia: allen Interessensgruppen während des ganzen Forschungsprozesses.
Claudia: Also von der Fragestellung bis
Claudia: hin über die Datenerhebung und am Ende die Ergebnisse und die Umsetzung.
Claudia: Aber es kann natürlich sein, so ein Bürgerrat, der wäre vielleicht eher bei
Claudia: der Fragenentwicklung dabei und würde eher beraten danach.
Claudia: Also es ist so eine Mischform dann. Das ist meistens auch eine schwierige Sache.
Claudia: Also vielleicht mal, um das zu sagen, Leute aus der Verwaltung,
Claudia: aus Stadtverwaltung oder aus Unternehmen werden ja jetzt nicht dafür bezahlt, mit uns zu forschen.
Claudia: In der Regel muss man dann natürlich gucken, wie organisiert man das?
Claudia: Das ist auch eine zeitliche Frage und das ist natürlich auch eine Kommunikationsfrage.
Claudia: Also man muss ja sehr viel absprechen, kommunizieren und dann erarbeiten.
Claudia: Und mein Lieblingsproblem daran ist, wenn man so Forschungsprojekte machen möchte
Claudia: oder so transdisziplinäre Projekte, dass man ja erst gemeinsam eine Fragestellung entwickeln muss.
Claudia: Das heißt, du kannst nicht Geld beantragen und sagen, wir machen XY,
Claudia: gibt uns dafür Geld, sondern man muss sagen, wir haben noch keine Ahnung, was wir machen.
Claudia: Wir hätten gerne Geld, um gemeinsam zu entwickeln, was wir machen.
Florian: So hätte ich gerne Forschungsanträge geschrieben früher.
Claudia: Genau, ich weiß, wir wissen noch nicht genau, was wir machen wollen,
Claudia: aber wir sind hier diese Gruppe Menschen und wir denken, wir würden gerne irgendwas mit Grün machen.
Claudia: Nein, so ist es natürlich nicht, aber trotzdem ist es schwierig,
Claudia: weil du musst quasi ja erstmal, wenn du wirklich das von Anfang an machen willst,
Claudia: musst du ja erstmal die Frage entwickeln und dafür brauchst du ja eigentlich
Claudia: schon mal Ressourcen, Zeit, Geld.
Claudia: Das heißt, es macht es schon ein bisschen schwieriger. Das ist so der Begriff,
Claudia: Transdisziplinarität und wenn
Claudia: Da jetzt jemand so einen Deep Dive reinmachen will, kann ich gleich sagen,
Claudia: dann begegnet man wahrscheinlich auch noch so Begriffen wie Modus 2 Wissenschaft.
Florian: Ja, dem will ich gar nicht begegnen, das klingt kompliziert.
Claudia: Möchtest du nicht begegnen? Das ist aber eine tolle Modus. Vielleicht nur damit
Claudia: die Leute das mal wissen.
Claudia: Also das sind wirklich so Begriffe, mit denen handelt man dann so als Forschende,
Claudia: die an Transdisziplinarität so angrenzen.
Claudia: Also Modus 2 bedeutet, dass man eben Wissensproduktion gemeinsam gestaltet,
Claudia: in einem sehr offenen Zusammenwirken, im Vergleich zu eben so einem Modus 1,
Claudia: der einfach Wissen generiert aus der Wissenschaft heraus und dann das Wissen hinliefert.
Florian: Okay.
Claudia: Also Modus 2 ist einfach nur ein anderer Begriff, aber da geht es eben sehr
Claudia: fokussiert auch um die Wissensproduktion und vor allem für angewandte Problemlösungen.
Claudia: Also man will ja ein Problem bearbeiten aus der realen Welt,
Claudia: nicht, weiß ich nicht, theoretische, oh Gott, ich will jetzt keine Wissenschaftsdisziplin
Claudia: beleidigen, die keine angewandten Sachen haben.
Florian: Mathematik, aber keine Mathematik, das ist nichts, was in der realen Welt existiert.
Claudia: Ja, genau. Also es ist halt sowas, da kannst du dir vorstellen,
Claudia: dass halt so Hochschulen für angewandte Wissenschaften, die keine krasse Grundlagenforschung
Claudia: irgendwie machen und am Zern am Beschleunigerring sitzen, sondern sich wirklich
Claudia: mit angewandten Fragestellungen beschäftigen.
Claudia: Da hört man eben öfter von Modus 2 Wissenschaft und dann gibt es übrigens noch
Claudia: A und B, aber das will ich jetzt nicht komplett ausbreiten.
Claudia: Aber das ist so ein bisschen die Welt, in der ich mich ja so bewege,
Claudia: weil ich ja transdisziplinär forsche und weiß, wo da so überall die, wie sage ich das, Netze.
Claudia: Fallstricke liegen. Also zum Beispiel so eine Herausforderung ist,
Claudia: dass man ja als Akademikerin manchmal, oder ja,
Claudia: denkt man weiß eben so, was die Antworten auf bestimmte Probleme sind und das
Claudia: nicht anzunehmen, dass man schon genau weiß, was das Problem ist,
Claudia: das muss man ja auch erstmal verinnerlichen.
Claudia: Das kann durchaus ein Problem sein, also das findet man auch in den wissenschaftlichen
Claudia: Texten dazu, dass man natürlich erstmal schauen muss, okay, wir müssen gemeinsam
Claudia: definieren, was das Problem ist. Ich habe nicht jetzt schon das Verständnis davon.
Claudia: Also man muss so ein bisschen auf diese Sachen aufbauen. Außerdem eine wichtige
Claudia: Fragestellung ist, warum sollte ich das überhaupt machen?
Florian: Ja, was spannend ist, was mich interessiert, weil ich es rauskriegen will.
Claudia: Ja, aber kann ich das nicht einfach nur in meiner Disziplin machen und höre
Claudia: mir auf mit Leuten von draußen?
Florian: Achso, ja gut, okay. Ich bin generell ein Fan von höre mir auf mit Leuten von
Florian: draußen, aber unabhängiger von der Wissenschaft.
Claudia: Ja, ja. Also ich meine, es ist halt wirklich, wenn du dir überlegst,
Claudia: es ist wahnsinnig viel Aufwand. Also man investiert viel Zeit,
Claudia: um Termine zu finden, um sich abzusprechen, um überhaupt gemeinsam erstmal eine
Claudia: gemeinsame Sprache finden.
Claudia: Also Begriffe, die ich in meinem Alltag die ganze Zeit um mich werfe,
Claudia: die wissen ja schon die Leute aus den anderen Disziplinen nicht.
Florian: Ja, klar.
Claudia: So, und da muss man sich erstmal darauf einigen, was bedeutet denn jetzt eigentlich, weiß ich nicht.
Claudia: Punkt, was soll das denn sein? Oder was ist eine grüne Infrastruktur?
Claudia: Und wenn man dann sich darauf geeinigt hat, muss man bedenken,
Claudia: ach ja gut, aber jetzt haben wir das interdisziplinär gemacht,
Claudia: jetzt müssen wir noch gucken, was versteht denn jetzt die Stadtverwaltung,
Claudia: was versteht denn jetzt das Unternehmen X darunter, was versteht die Öffentlichkeit unter dem Begriff?
Claudia: Also man kann natürlich Leute alle an einen Tisch holen, das haben wir auch
Claudia: versucht, aber das ist natürlich trotzdem was, weil es so individuell ist,
Claudia: du kannst es gar nicht komplett erfassen und nicht alle werden sich dann eine
Claudia: gemeinsame Definition aneignen.
Claudia: Aber man muss ja erst mal Das hinkriegen, also das ist schon so ein Problem.
Claudia: Und ein anderes ist natürlich auch, dass man sich so ein bisschen rauswagen
Claudia: muss aus den üblichen Abläufen, die man in der Wissenschaft hat.
Claudia: Und Leute in den eigenen Forschungsprozess einlädt, die erstmal vielleicht noch
Claudia: gar nicht wissen, wie Forschung abläuft.
Claudia: Die aber währenddessen was darüber lernen.
Florian: Die allerweise.
Claudia: Ja, das wäre auf jeden Fall gut. Übrigens fällt mir gerade ein,
Claudia: wir hatten doch auch mal eine Folge über postnormale Wissenschaft.
Florian: Ja. Ja, ich bin nämlich dunkel, ja.
Claudia: Wo es hier drum ging, dass Wissenschaft unter Bedingungen, wo man noch nicht alle Antworten kennt.
Claudia: Und es sind aber dringende Probleme.
Florian: Pandemie war so ein Beispiel, da wusste man halt was rausfinden konnte,
Florian: aber nicht die üblichen, teilweise
Florian: sehr langsame Prozesse der Wissenschaft abwarten, um es rauszufinden.
Claudia: Genau. Oder Klima gehört eben auch dazu, weil einfach man will Lösungen haben.
Claudia: Aber es gibt an manchen Stellen noch Sachen.
Claudia: Und genau, vor allem ist das Risiko da auch sehr hoch. Jedenfalls,
Claudia: wenn man der Wissenschaft und nicht glaubt und nicht den politischen Entscheidungsträger,
Claudia: die sagen, wir haben noch ganz viel Zeit, lass mal einfach nichts machen.
Claudia: Also bei solchen Problemen ist Transdisziplinarität übrigens dann sehr sinnvoll.
Claudia: Also weil man halt mehr Leute einbezieht als nur die Wissenschaft,
Claudia: die vielleicht ein bisschen langsamer ist und man eben sozial relevantes Wissen
Claudia: generiert und Probleme bearbeitet.
Claudia: Was dann vielleicht noch wichtig ist, ist
Claudia: Dass man dann auch darauf für offen sein muss, aus der Wissenschaft heraus,
Claudia: dass man andere Wissensformen generiert.
Claudia: Ich weiß nicht, ob du weißt, was Arten von Wissen sind.
Florian: Ich weiß es nicht. Also vermutlich nicht in dem wissenschaftlichen Kontext,
Florian: den du jetzt sagst. Also es gibt Dinge, die ich weiß und es gibt Dinge,
Florian: die ich nicht weiß. Das sind schon mal zwei Arten.
Claudia: Gut. Das ist schon mal, das Wichtige ist zu wissen, was man nicht weiß.
Claudia: Nee, ich meinte jetzt sowas wie, also akademisches Wissen, das natürlich irgendwie
Claudia: generiert wird aus Forschung und Theologien.
Florian: Das ist das Erfahrungswissen, was immer die Homöopathie und die Astrologie sagen.
Florian: Das ist das Erfahrungswissen, was wir haben.
Claudia: Ja, genau. Aber es gibt auch gutes Erfahrungswissen. Also zum Beispiel wirklich
Claudia: von Personen, die täglich durch die Stadt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.
Claudia: Die können dir aus sehr gutem Erfahrungswissen sagen, welche Busverbindung einfach nie funktioniert.
Claudia: Dieses Erfahrungswissen ist Wissen, das du nicht kriegst, wenn du einfach forschst.
Claudia: Du kannst natürlich versuchen, das erstmal zu erfragen und dann in einer Umfrage
Claudia: oder irgendeiner anderen Erhebung oder kannst die Busse tracken und gucken,
Claudia: welche nicht funktionieren.
Claudia: Du kannst aber auch mit Leuten sprechen und sie einladen, zu sagen,
Claudia: wie es vielleicht besser sein könnte.
Claudia: Also Erfahrungswissen, also hast du zum einen irgendwie bei bestimmten Personen,
Claudia: wir haben ja auch Erfahrungswissen in der akademischen Welt mit dem Umgang mit
Claudia: dem Forschen und du generierst aber gemeinsames Erfahrungswissen.
Claudia: Also die lernen dann, wenn sie mitforschen können, wie man forscht als Erfahrung
Claudia: und Forschende lernen tatsächlich, wie ist der Ablauf in der Stadt,
Claudia: einfach auch aus dem selber, aus eigenem Erfahren und aus dem Erfahrungswissen der anderen.
Claudia: Aber dann gibt es auch noch Methodenwissen, also mit welchen Methoden,
Claudia: wissenschaftlichen Methoden arbeitet man denn.
Claudia: Es gibt jede Menge Arten, ich finde nur wirklich wichtig in der Stelle,
Claudia: dieses Erfahrungswissen ist eine Ressource, die man eben anzapfen kann und die
Claudia: man bekommt oder wirklich nutzen kann, wenn man gemeinsam was macht.
Claudia: Und dann entsteht auch der wichtige Punkt, Transformationswissen.
Claudia: Was ist Transformationswissen?
Florian: Wissen, wo ich eine Ansicht über die Welt danach verändere, sobald ich es weiß.
Claudia: Ja, passt eigentlich ganz gut. Also das Transformationswissen ist tatsächlich
Claudia: das Wissen darüber, wie verändern wir tatsächlich unsere Welt hin zu dem,
Claudia: was wir eigentlich haben wollen.
Claudia: Und wirklich aktiv und nicht, hier, jetzt wissen wir, was passiert und dann passiert nichts.
Claudia: Sondern Transformationswissen auch wirklich Handlungswissen,
Claudia: also dass man es umsetzen kann.
Claudia: Und das ist ja genau der Punkt, den ich am Anfang gesagt hatte,
Claudia: dann taucht das Wort Transdisziplinarität ja immer auf, wenn man sagt,
Claudia: wir wollen wissen, dass umgesetzt wird.
Claudia: Wir wollen Handlung. Das wäre dann Transformationswissen. Ja,
Claudia: und ich glaube, da wird schon klar, also Transdisziplinarität und Klimaforschung
Claudia: geht irgendwie so Hand in Hand.
Claudia: Meine Beispiele waren ja auch aus dem Bereich.
Claudia: Und gerade insbesondere Klimaanpassung ist so ein Paradefall dafür.
Claudia: Es ist ein hochkomplexes Feld, es ist total soziopolitisch, also es sind sehr
Claudia: viele politische Entscheidungen notwendig, die Gesellschaft ist da sehr involviert,
Claudia: es gibt krasse Machtasymmetrien.
Claudia: Also so BürgerInnen und was haben die zu sagen?
Claudia: Dann kommen Unternehmen, die eigentlich die meisten Emissionen raushauen und dann, oder man hat so
Claudia: Governance-komplexe Strukturen. Also wer ist jetzt eigentlich für was zuständig?
Claudia: Wer ist denn jetzt für diese Straße zuständig? Ist das die Stadtverwaltung?
Claudia: Ist das der Kreis? Ist das das Land?
Claudia: Also sowas. Und wir haben natürlich so ein polarisiertes Feld im Moment,
Claudia: wo auch gesellschaftlich einfach Spannungen auftauchen.
Claudia: Und das ist ein Paradefall dafür, wo man eigentlich eben nicht nur diese technischen
Claudia: Anpassungen haben will, sondern so eine soziale Veränderung.
Claudia: Da ist der Ansatzpunkt, lass uns mal, Manche sinnvolle, praxisnahe Ergebnisse erzielen gemeinsam.
Claudia: Da wollen wir hin. Genau zu dieser Fragestellung, also warum ist jetzt der Klimaanpassung
Claudia: eigentlich ein Paradefall? Gab es übrigens auch einen Artikel und der hat bei
Claudia: mir so angestoßen, dass ich heute mal darüber reden wollte.
Claudia: Jetzt weiß ich nicht, wie man den Namen ausspricht. Olazabal?
Florian: Olazabal, ich kann auch kein Spanisch.
Claudia: Olazabal. Also er heißt Transdisciplinarity and Climate Change Adoption,
Claudia: an Agenda for Evidence Generation. Das ist aus von 2025.
Claudia: Open Access kann man sich anschauen. Und die haben so vier Begründungen,
Claudia: warum Transdisziplinarität gerade in der Klimaanpassung so besonders gut ist.
Claudia: Wir haben so ein bisschen natürlich schon jetzt dran uns angetastet.
Claudia: Aber das erste ist sowas wie, wir brauchen halt eine Politik der Anpassung.
Claudia: Also es muss politisch Anpassung passieren und politisch Anpassung angestoßen
Claudia: werden. Und man kann so mit Transdisziplinarität so ein bisschen diese typischen
Claudia: Top-Down-Prozesse aufbrechen.
Claudia: Dieses, ja, wir machen das jetzt hier politisch, ihr müsst das jetzt umsetzen.
Claudia: Wenn man ja transdisziplinär arbeitet, dann arbeitet man ja gemeinsam eine Lösung
Claudia: ab. Die ist ja nicht Top-Down.
Florian: Ja.
Claudia: Und es gibt Aushandlungs- und Verhandlungsprozesse. Und diese Machtasymmetrien
Claudia: werden ein bisschen ausgeglichen.
Claudia: Also quasi kann so Wissenschaft als ein Vermittler sein.
Claudia: Dort reinkommen. Das ist eine Begründung, warum es bei der Klimaanpassung eigentlich
Claudia: eine gute Idee ist, transdisziplinär zu arbeiten.
Claudia: Das nächste ist, dass wir eben diese verschiedenen Wissensformen sehr,
Claudia: sehr früh miteinander vereinen, also zum Beispiel schon bei den Problem- und
Claudia: Zieldefinitionen und man dann auch einen viel, viel breiteren Raum an Lösungen hat.
Claudia: Also nicht eben nur den akademischen und nicht nur den disziplinären,
Claudia: sondern einen viel, viel größeren.
Claudia: Und es in dem Moment auch, wenn man Leute mit verschiedenen Wissen und Erfahrungen
Claudia: einbezieht, ja auch ungleiche Betroffenheiten sichtbar macht.
Claudia: Die man, wenn man top-down irgendwas macht, eher weniger berücksichtigen kann,
Claudia: weil man sie vielleicht nicht sieht, nicht kennt.
Claudia: Das dritte, was sie argumentieren, ist, dass man sich eben auf diese Ziele oder
Claudia: Ergebnisse irgendwie einigen muss, die man wirklich generieren möchte.
Claudia: Und dass man sie gemeinsam legitimisiert und sagt, okay, wir haben uns darauf
Claudia: jetzt geeint, das ist unser Konsens, da wollen wir hin.
Claudia: Das macht natürlich Nicht alle immer
Claudia: 100 Prozent happy, aber wenn alle dem zustimmen am Anfang, sagen, okay,
Claudia: ja, ist jetzt nicht meine ideale Lösung, aber ich denke, darauf können wir uns
Claudia: einigen, dann ist das ja diese sozial getragene Lösung, die wir uns hoffen.
Florian: Ja, wenn alle inkludiert sind, dann ist es sozial besser, als wenn eine Minderheit
Florian: bestimmt oder auch eine Mehrheit bestimmt.
Claudia: Oder genau, irgendjemand im Zweifel bestimmt.
Claudia: Also wie häufig werden dann Entscheidungen, müssen jetzt sofort getroffen werden
Claudia: und dann trifft jemand eine Entscheidung. Also das ist eigentlich ein anderes
Claudia: Ding und deswegen ist es eigentlich eine Argumente dafür, so zu arbeiten.
Claudia: Und das letzte, vierte war aus dem Artikel, dass es halt sehr viel Reflexivität hat.
Claudia: Also man kann diesen Lernprozess und Arbeitsprozess ja ständig anpassen, weil er ja dauert.
Claudia: Gleichzeitig werden Beziehungen aufgebaut und Vertrauen wird aufgebaut und man hat
Claudia: Neue Netzwerke, die sich bilden, die auch länger anhalten.
Claudia: Also wenn man transdisziplinär geforscht hat und dann lange gemeinsam irgendwie
Claudia: etwas erarbeitet hat, dann hat man ja Verbindungen, die persönlich auch sind,
Claudia: also beruflich persönlich in dem Fall.
Claudia: Aber trotzdem, dann weiß man ja, ach ja, in der Stadtverwaltung, das ist doch Frau X.
Claudia: Die kann ich doch mal fragen, ob die das nicht auch machen würde.
Claudia: Oder jemand aus dem Unternehmen sagt, da hat doch jemand daran geforscht.
Claudia: Und dann hat man einen direkten Traat und kann sich auch melden.
Florian: Ja, aber wenn sie sowas machen, zum Beispiel die akademischen Burschenschaften,
Florian: schon lange. Die haben das institutionalisiert, diese Netzwerke.
Claudia: Hast du gerade Transdisziplinarität mit Burschenschaften verglichen?
Florian: Nein, aber das ist ja genau das. Das sind Leute, die was studiert haben und
Florian: aus allen möglichen Disziplinen. und die, die fertig sind und dann irgendwo
Florian: in irgendwelchen Wirtschaftskreisen, Politikkreisen unterwegs sind,
Florian: sind immer noch involviert.
Florian: Also da baust du ja im Prinzip auch solche Netzwerke auf.
Florian: Also ich wollte nur darauf hinweisen, dass prinzipiell ein Netzwerk zu haben
Florian: etwas ist, was, wenn man es ein bisschen plakativ sagt, fürs Gute wie fürs Böse verwendet werden kann.
Claudia: Absolut. Aber ich denke, wir sind uns einig, dass Klimaanpassung was Gutes ist.
Florian: Ja, das auf jeden Fall.
Claudia: Ja, und selbst, du kannst ja auch wirklich so weit denken, wenn man wirklich
Claudia: Leute hat, Also BürgerInnen, die jetzt kein Amt begleiten oder nicht in irgendeinem
Claudia: Unternehmen Entscheidungspositionen haben, die aber trotzdem an diesem Forschungsprozess beteiligt sind,
Claudia: die entwickeln ja auch ein anderes Vertrauen und eine andere Beziehung zu Wissenschaft,
Claudia: wenn sie den Prozess mitmachen.
Claudia: Also es gibt Vorteile für die externen Agierenden, also Stakeholder,
Claudia: wie auch immer sie nennen, Interessensgruppen.
Claudia: Also zum Beispiel eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass das eigene Wissen und
Claudia: die eigene Erfahrung mit einfließt und Forschung unterstützt.
Claudia: Eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass dann auch ein Ergebnis rauskommt, das ich gut finde.
Claudia: Das irgendwie ein bisschen reflektiert, was ich da reingegeben habe.
Claudia: Man versteht auch ein bisschen Wissenschaft besser.
Claudia: Also es ist nicht so, dass man dann sagt, ja, nee, ich finde das toll,
Claudia: dass ihr jetzt hier die Bäume abholzt, weil das tatsächlich leider der sinnvollere Weg ist.
Claudia: Es gibt ja manchmal so Sachen wie, wir müssen hier tatsächlich Bäume abholzen,
Claudia: damit wir hier Hochwasserschutzmaßnahmen machen können. Und ja.
Claudia: BürgerInnen sagen, nee, wir wollen aber die Bäume erhalten, was ja auch vollkommen legitim ist.
Claudia: Aber dann muss man gucken, wie machen wir das jetzt mit diesen verschiedenen
Claudia: Perspektiven, die aufeinandertreffen? Was können wir für eine Lösung finden,
Claudia: die für alle irgendwie funktioniert?
Claudia: Und da ist niemand immer 100 Prozent happy, aber wenn man es nachvollziehen
Claudia: kann, ist es wieder ein anderer Schritt. Und das gilt auch für die Forschung und die Verwaltung.
Claudia: Ja, und natürlich, also ein Vorteil für die externen Agierenden ist natürlich
Claudia: auch, dass man eine Verbesserung für das Stadtbild bekommt oder für die Klimaanpassung.
Claudia: Also dass man das auch rausbekommt, was man da gerne raus hätte in irgendeiner
Claudia: Form. Für die Wissenschaft gibt es auch jede Menge Vorteile.
Claudia: Also so, dass man jetzt plötzlich dann plötzlich, nein, nicht plötzlich, für manche plötzlich.
Claudia: Für andere ist das relativ natürlich gesellschaftliche Probleme erforscht und
Claudia: adressiert, die wirklich sehr nah an der Realität von Menschen dran sind.
Claudia: Und dass sich positiv auf Menschen auswirkt, man hat so einen gesellschaftlichen
Claudia: Impact, sagt man auch immer.
Claudia: Man kriegt die neuen Partnerschaften, die natürlich auch irgendwie positiv sind.
Claudia: Man kriegt neue Ideen, also was ich schon gelernt habe, was Fragestellungen
Claudia: sind, auf die ich jetzt nicht gekommen wäre.
Claudia: Das ist eine Ressource, die ist toll und ich finde es schön und gleichzeitig
Claudia: schön auch zu sehen, wenn man selber so Ideengebung ist in eine andere Richtung.
Claudia: Und man kann so Theorien auch in der Praxis testen, inklusive aller Überraschungen,
Claudia: die so passieren können.
Claudia: Und man bekommt auch neue Kompetenzen und ähnliches.
Claudia: Also ich kann plötzlich besser solche Prozesse moderieren, solche eher Soft-Skills,
Claudia: die ja dann plötzlich auch auftauchen.
Claudia: Ich finde, das hat alles sehr viele Benefits. Über die Nachteile habe ich ja schon gesprochen.
Florian: Genau.
Claudia: Es gibt natürlich auch so ein paar Vorteile im Klimakontext,
Claudia: die ich alle schon genannt habe.
Claudia: Ja, dass man so kontextsensitive Lösungen findet und die Leute sich tatsächlich
Claudia: auch verantwortlich und mitverantwortlich fühlen für die Lösung,
Claudia: die gefunden worden ist.
Claudia: Ich würde jetzt so nochmal abschließen mit einem Begriff, der auch in dem Kontext häufig auftaucht.
Florian: Ja, bin ich gespannt.
Claudia: Reallabor.
Florian: Oh, habe ich schon mal gehört? Von dir? Aber sonst habe ich das ausschließlich
Florian: von dir gehört, diesen Begriff.
Claudia: Ja, ich denke ja.
Florian: Also ich weiß nicht, ob daran liegt, dass Reallabore nichts sind,
Florian: wo man nichts mitbekommt davon, wenn man sich nicht damit beschäftigt.
Florian: Oder ob es daran liegt, dass das sehr wenig Menschen machen oder ob ich mich
Florian: umschau. Aber tatsächlich habe ich den Begriff von dir gehört.
Florian: Und sonst ist man ja noch nie begegnet in meiner Arbeit, weder als Wissenschaftler
Florian: noch als Wissenschaftsvermittler. Ha, sowas.
Claudia: Ja gut, ich glaube, die werden jetzt mehr. Also es werden immer mehr.
Claudia: Also Reallabore tauchen überall auf und werden gepflegt.
Claudia: Das sind tatsächlich, kannst du dir vorstellen, wie transdisziplinäre Forschungs-
Claudia: und Entwicklungseinrichtungen.
Claudia: Also Reallabore sind quasi Labore, in denen man Transdisziplinarität lebt und umsetzt.
Florian: Eine Frage noch, ist das Wort Labor jetzt in dem Fall wörtlich,
Florian: kann man sagen, ist das was Übertragendes oder ist das Labor,
Florian: ist das ein Raum, wo Menschen Dinge tun oder ist das einfach nur so ein Name für ein Konzept?
Claudia: Das ist ein Name für ein Konzept.
Florian: Okay, also es ist nicht so, dass da jetzt irgendwo in, weiß ich nicht,
Florian: Köln steht das Reallabor in Straße so und so und da geht man hin und dann ist man im Reallabor.
Claudia: Absolut nicht.
Florian: Okay, gut.
Claudia: Natürlich haben Reallabore Räume. Unseres hat auch einen Raum,
Claudia: in dem man sich treffen und besprechen kann.
Claudia: Aber es hat kein Labor, weißt du, so mit Kitteln und Dingen. Nein, genau.
Claudia: Das Labor zum Beispiel ist eher ein metaphorischer Raum, in dem man Nachhaltigkeitsexperimente
Claudia: zum Beispiel oder Anpassungsexperimente durchführen und anstoßen kann.
Florian: Mein Kopf gehen gerade ganz viele Dinge ab. Wenn du so Anpassungsexperimente,
Florian: da stelle ich mir vor, da stehst dann du im Kittel natürlich und da kommen dann
Florian: zehn so arme Leute und dann stehst du mit dem Kartenschlauch und spritzt die
Florian: mal eine Stunde ab, damit sie sich anpassen und dann den Starkregen,
Florian: der kommt irgendwie sowas. Tut mir leid.
Claudia: Okay, pass auf, stell dir vor, du setzt jemandem eine VR-Brille auf und setzt
Claudia: ihn in ein Starkregenereignis.
Florian: Okay, so was passiert.
Claudia: Ja, so was zum Beispiel, dass die Personen sehen, okay, jetzt bin ich gerade
Claudia: in meiner Straße, hier regnet es gerade die Bolle. Was mache ich denn jetzt?
Claudia: Also wie würde ich jetzt vorgehen? Wo parke ich denn mein Auto hin um?
Claudia: Was würde ich tun? Tatsächlich sowas schon und dann bekommt man ja von den Leuten
Claudia: zurück, wie würden sie handeln?
Claudia: Erstens wären sie dann mal in der Situation gewesen, was immer eine gute Vorbereitung
Claudia: ist, wenn die Situation tatsächlich eintritt.
Claudia: Und zum anderen bekommt man mit, wo ist denn das Problem jetzt in dieser Straße,
Claudia: dass die Leute nicht irgendwie sich in Sicherheit bringen können oder ihr Auto
Claudia: irgendwo hinbringen können, wo kein Schaden entsteht.
Claudia: Also das ist durchaus mit Reallabor schon möglich.
Claudia: Und ein Reallabor kann auch quasi sein, wir machen das in dieser einen Stadt,
Claudia: in der wir gemeinsam versuchen herauszufinden, wie machen wir denn jetzt hier
Claudia: die blaue Infrastruktur mit dem Wasser, wie gestalten wir die.
Claudia: Das kann als Reallabor dienen und dann versucht man das gemeinsam dort aus- und umzusetzen.
Florian: Aber man macht unter Anführungszeichen Experimente, um eine reale Situation
Florian: in einer nicht realen Umgebung auszuprobieren.
Florian: Und zu sehen, was passiert mit den realen Menschen. Wo sind die Probleme,
Florian: die auftreten, wenn diese Situation auftreten würde?
Claudia: Ja, das ist ein Teil. Du machst das natürlich auch praktisch.
Claudia: Also du setzt ja auch die Dinge um.
Claudia: Also wenn du dir dann gemeinsam angeschaut hast oder rausgefunden hast,
Claudia: wie wollen wir denn jetzt diese blaue Infrastruktur machen, wie würde das denn
Claudia: aussehen, dann setzt du die ja auch um. Das Experiment ist ein sehr wichtiger Punkt.
Claudia: Der Experimentcharakter ist ja dahinter, dass du nicht genau weißt,
Claudia: ob es funktioniert oder nicht und du das gemeinsam ausprobierst.
Claudia: Und das Labor ist dann der gemeinsame Raum mit den Personen,
Claudia: die willens sind, das gemeinsam ausprobieren.
Claudia: Und auch okay damit sind, wenn die Sache schief geht. Also wenn man versagt,
Claudia: okay, wir versuchen jetzt eine Lösung zu finden für diese eine Anpassungsproblematik
Claudia: und wir haben hier Ideen und wir bringen die alle gemeinsam ein und dann am
Claudia: Ende kommt eine Lösung raus,
Claudia: funktioniert die, funktioniert die nicht und vielleicht kommt aber auch keine Lösung raus.
Claudia: Vielleicht gibt es auch keine Lösung, die irgendwie alle mit so einem Konsens
Claudia: zusammenbringt, die sagen, ja, damit können wir alle leben.
Claudia: Aber das ist diese Experimentierumgebung, die quasi so stattfindet.
Florian: Okay. Hast du da konkrete Reallabore, die du betreust, durchführst,
Florian: sonst was, dass man da mal so ein konkretes Beispiel sehen kann?
Claudia: Ich bin Teil eines Reallabors, das ist ja immer nur ein Teil,
Claudia: weil ich bin ja nur eine Disziplin.
Claudia: So, da brauchst du ja schon mehrere Disziplinen. Genau, ja, also unser Reallabor-Cosite,
Claudia: CO-SITE, ich wollte gerade sagen, das muss ich buchstabieren,
Claudia: oder? Ko-Kreationen der Region, systemisch und innovativ Transfer entwickeln
Claudia: heißt das. Ui, ich bin ganz viel Leute dabei.
Florian: Geht um Klimawandel.
Claudia: Genau, wir entwickeln Klimaanpassungslösungen für die Region rund um Köln und
Claudia: haben eben Leute aus der Stadtverwaltung, Leute aus der kritischen Infrastruktur
Claudia: zum Beispiel, also so Rettungswesen und ähnliches.
Claudia: Und gemeinsam mit denen entwickeln wir halt verschiedene Lösungen,
Claudia: die wir uns gemeinsam ausgedacht haben zu Problemen, die wir gemeinsam definiert
Claudia: haben. Sowas wie ein Informationssystem für Daten, die die ständig brauchen
Claudia: und die die in Krisen auch brauchen.
Claudia: Und das wird zum Beispiel aufgebaut und entwickelt.
Claudia: Alle können mitreden, wie es aussehen soll.
Florian: Wenn du sagst, alle können mitreden, kann da wirklich jeder und jede mitreden?
Florian: Wenn ich jetzt in Köln in einer Umgebung lebe, kann ich jetzt zu dir kommen
Florian: und sagen, hallo, ich würde gerne mitmachen oder sucht ihr das irgendwie speziell aus?
Claudia: Wie habe ich am Anfang gesagt, man muss natürlich irgendwie Geld dafür beantragen.
Claudia: Also wir haben natürlich Partner, die mit dabei sind, aber es kommen auch immer
Claudia: wieder Anfragen von außen, ob wir nicht auch zu einem anderen oder ein Problem
Claudia: von anderen Leuten irgendwie was beitragen können und dann gucken wir,
Claudia: ob wir das können oder nicht.
Claudia: Wir sind aber meistens unterwegs, also wir haben Stände, bei denen man sich
Claudia: beteiligen kann oder wir sind irgendwie so auf dem Weihnachtsmarkt.
Claudia: Also wir gehen so raus, auch BürgerInnen mit einzubeziehen, weil die kommen
Claudia: jetzt natürlich nicht zu uns an die Hochschule.
Florian: Ja, das sein kann, dass die da kommen und sagen, hier Leute,
Florian: mach mal was, mich nervt das hier, ich möchte jetzt was machen.
Florian: Ja gut, aber das machen Menschen selten, dass sie zu Unibes sind.
Florian: Die schreiben dann einen Leserbrief oder schreiben was auf so.
Florian: Leserbrief schreibt auch keiner mehr. Die tippen irgendwo auf Twitter rein oder
Florian: nerven die Menschen in der Politik damit.
Claudia: Wir haben so ein kleines Buschen, wenn wir damit unterwegs sind,
Claudia: dann bekommen wir das ja auch von Leuten zurück.
Claudia: Dann sind auch die Leute mit den VR-Setups dabei oder wir haben auch so Pflanzenexperimente,
Claudia: die wir dabei haben. Und dann kommt man ins Gespräch und dann können Leute auch
Claudia: ihre Ideen, Probleme und Fragestellungen mitbringen und die greifen wir auf.
Claudia: Und schon vorhanden, aber es ist jetzt eher nicht so, dass es wird einfach kommen.
Claudia: Das ist so die praktische Umsetzung, die ich dann so jeden Tag mache.
Florian: Guck mal, ich habe gerade die Seite aufgemacht. Man kann Bachelor-Master-Arbeiten
Florian: schreiben im Rahmen von CoSite.
Florian: Ach, guck mal, hier bist du. Du bist im Lenkungskreis.
Claudia: Ja, ich bin im Lenkungskreis. Das klingt sehr bürokratisch.
Florian: Der Lenkungskreis.
Claudia: Ja, der Lenken.
Florian: Im Kreis, aber kommt nirgends vorhin.
Claudia: Wir sitzen im Kreis, genau. Ja, aber da sitzen halt aus allen Fachdisziplinen Leute zusammen.
Claudia: Also da ist es dann interdisziplinär und dann in der Forschung ist es transdisziplinär.
Florian: Wer gerne Wissenskulturen beim Publizieren in transdisziplinären Projekten erforschen
Florian: will, kann sich bei Prof. Dr. Claudia Frick für eine Bachelor- oder Masterarbeit
Florian: melden, sehe ich gerade.
Claudia: Korrekt, ja. Da gebe ich den Bachelor- oder Masterarbeit raus, ja.
Florian: Oder Reputationsgewinn oder Verlust durch Wissenschaftskommunikation mit der Öffentlichkeit.
Florian: Auch eine Bachelor-Maßarbeit. Bitte melden.
Claudia: Ja, das stimmt. Die Themen sind schon ein paar Monate da. Also bisher hat sich noch niemand.
Florian: Also gerade Reputationsverlust finde ich interessant. Also wenn du da was rausgekriegt
Florian: hast, dann sag Bescheid. Ja, würde ich gerne machen. Aber ja,
Florian: das funktioniert nicht. Da müsste ich.
Claudia: Ich glaube, du musst vorher Credits in einem anderen.
Florian: Wollte gerade sagen, ob ich da einfach zugelassen werde.
Claudia: Das ist ja sehr bei den Abschlussarbeiten dann interdisziplinär,
Claudia: weil man kann auch transdisziplinär arbeiten.
Claudia: Aber man hat dann tatsächlich, also wir haben Bachelorarbeiten betreut,
Claudia: aus Studiengängen, die ich nicht lehre, also eben aus dem Klimabereich.
Claudia: Da kann man sich schon quer reinbewerben für so die Fragestellungen.
Florian: Ja, dann macht das doch, wenn ihr das könnt.
Claudia: Reallabore, ich könnte darüber noch, da könnten wir noch eine ganze Folge machen, will ich heute nicht.
Claudia: Ich finde nur eine Sache wichtig, wenn wir nochmal so zum Abschluss kommen,
Claudia: was bei Reallaboren ein bisschen anders ist. Ich weiß nicht, in ihrem Sein.
Claudia: Was sind ihre Charakteristika? Da gibt es viele. Und eine davon ist aber ein
Claudia: großes Wort, von dem man nicht sofort vielleicht weiß, Das heißt, Normativität.
Florian: Ui, das klingt ja nach einem großen Wort, genau.
Claudia: Das ist ein großes Wort. Es sind halt so normative Vorhaben.
Claudia: Das heißt, man folgt einem konkreten Leitbild, zum Beispiel Nachhaltigkeit.
Claudia: Nachhaltige Entwicklung. Und man hat aber normative Ausgangspunkte.
Claudia: Also man sagt, wir setzen hier Maßstäbe, Werte und Regeln an.
Claudia: Also es ist nicht, wir sagen, alle Menschen sollten gleich beteiligt werden.
Claudia: Wir sagen nicht, Menschen in dieser Gesellschaft werden unterschiedlich behandelt,
Claudia: sondern das Reallabor sagt oder kann den Wert setzen, alle Menschen sollen gleich
Claudia: behandelt werden. Das ist ein Ziel.
Claudia: Das ist eine ganz klare Vorgabe. Alle sollten gleich behandelt werden.
Claudia: Man benennt nicht die Ungleichheit, sondern man sagt, wir wollen die nicht haben.
Claudia: Und das ist was, was Reallabore natürlich machen. Also wir sagen,
Claudia: wir wollen Klimawandelanpassung, die ist gut für die Menschheit,
Claudia: gut für die Region und nicht Klimawandelanpassung wäre nett.
Claudia: So, also das ist halt schon eine andere Voraussetzung. Also wenn du sonst vielleicht
Claudia: forschst, hast du nicht den normativen Anspruch, sondern du sagst,
Claudia: ja, würde diese Klimawandelanpassungsmaßnahme hier funktionieren?
Claudia: Ja, würde sie. Aber du sagst ja nicht, die muss umgesetzt werden.
Claudia: Aber der Anspruch von Reallaboren ist natürlich schon zu sagen,
Claudia: wir entwickeln hier eine Lösung und die sollte gemeinsam umgesetzt werden.
Florian: Okay, da bin ich gespannt. Wenn du mal irgendwas Spannendes rauskriegst oder
Florian: wenn so ein Reallabor-Ding abgeschlossen ist, dann kannst du mal irgendwie darüber
Florian: sprechen und eine Reallabor-Folge machen.
Claudia: Ja, wir haben auch eine Reallabor-Konferenz tatsächlich im September.
Claudia: Vielleicht kann ich ja mal von der Reallabor-Konferenz berichten.
Florian: Ja, genau. Das ist eine gute Idee.
Claudia: Das klingt witzig. Ja, das kann ich machen. Dann mache ich mal wieder mal so
Claudia: eine Unterwegsfolge. Das hat doch beim letzten Mal so gut funktioniert am Tagebau.
Florian: Es wird auf jeden Fall nochmal irgendwas über Reallabore zu hören geben.
Claudia: Sehr gerne. Und ja, jetzt kannst du mal sagen, was wir vielleicht nächste Folge hören werden.
Florian: Nächste Folge wird es ein für mich interessantes Thema geben,
Florian: für euch und dich hoffentlich auch ein interessantes Thema geben.
Florian: Für mich ist es deswegen interessant, weil es ein Thema ist,
Florian: wo ich eigentlich alles andere als ein Experte bin und wo ich mich meistens
Florian: so unwohl fühle, nicht nur von meiner mangelnden Expertise, sondern auch vom
Florian: Thema an sich, dass ich es meistens nur widerwillig behandle, wenn ich es muss.
Florian: Aber in dem Fall habe ich gedacht, es ist oder es klingt so dramatisch wichtig,
Florian: dass man eigentlich darüber reden muss.
Florian: Es geht um Wirtschaft, Wirtschaft und Klima und Wirtschaftsmodelle und das,
Florian: was die Wissenschaft mit diesen Wirtschaftsmodellen anstellt und was dabei für
Florian: viele, viele Probleme offensichtlich existieren.
Florian: Und darüber werden wir in der nächsten Folge ein bisschen sprechen,
Florian: warum die Modelle der Wirtschaftswissenschaften eigentlich völlig ungeeignet
Florian: sind, irgendwas Sinnvolles rauszufinden.
Claudia: Uiuiui, okay, wir legen uns also mit den wirtschaftlichsten Anschaften an. Ich sehe es schon.
Florian: Ja, das wird es in der nächsten Folge geben und wenn ihr die hören wollt, dann müsst ihr
Florian: in zwei Wochen die nächste Folge anhören und die Zeit dazwischen,
Florian: die könnt ihr nutzen, um uns Feedback zu geben.
Florian: Wenn ihr auch was zu sagen habt über Trans-, Inter-, Multidisziplinarität oder
Florian: vielleicht selbst in der Reallaborszene unterwegs seid und mit Claudia Informationen
Florian: austauschen wollt oder uns was erzählen wollt oder uns sonst irgendwas erzählen wollt,
Florian: macht das gerne unter podcast.dasklima.fm.
Florian: Wenn ihr die ganzen Artikel lesen wollt, die wir angesprochen haben,
Florian: geht auf die Seite dasklima.fm, da gibt es die Shownotes.
Florian: Ihr könnt den Podcast abonnieren, ihr könnt den Podcast bewerten,
Florian: ihr könnt den Podcast kommentieren, ihr könnt den Podcast unterstützen.
Florian: All die Informationen dazu findet ihr ebenfalls in den Shownotes zum Podcast.
Florian: Und ansonsten müsst ihr in zwei Wochen wieder die nächste Folge hören.
Florian: Wenn ich euch erzähle, warum die Wirtschaftswissenschaft nicht weiß, was sie tut.
Florian: Und das sagt nicht ich, das sagt die Wirtschaftswissenschaft.
Florian: Wild, okay. Das gibt es in der nächsten Folge und bis dahin verabschieden wir uns und sagen Tschüss.
Florian: Der Hype um Intervallfasten ist nicht gerechtfertigt. Nur gerade noch hier die
Florian: Nachrichtenseite offen. Warum jetzt viele Menschen Geburtstag haben?
Claudia: Was hat Intervallfasten mit dem Klima zu tun? Das ist die viel wichtigere Frage.
Florian: Weiß ich nicht, aber wahrscheinlich irgendwas wird schon zu tun haben.
Florian: Wenn man schaut, wird man sicher was finden.
Claudia: Ja, nachdem ich jetzt gesehen habe, was Wiley für Werbung auf ihren Verlagsseiten
Claudia: schaltet, habe ich auch keine weiteren Fragen mehr.
Florian: Gut, da schaue ich hinten hin auf diese Seiten.
Claudia: Was? Du bist selten auf Seiten von Wissenschaftsverlagen?
Florian: Da, wo ich meine Peppers hole, da.
Claudia: Aha, aha. Ja, I see, I see.
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