DK163 - Kinder und Jugendliche in der Klimakrise
Shownotes
DK163 - Kinder und Jugendliche in der Klimakrise
Und: Warum lassen wir die jungen Menschen nicht mitbestimmen?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 163 geht es um Kinder und Jugendliche. Sie sind die, die in Zukunft am meisten unter der Klimakrise zu leiden haben. Aber in der Forschung dazu kommen sie kaum vor. Was wir über das Wissen der jungen Menschen, ihre Ängste und Vorstellungen herausgefunden haben, diskutieren wir in der neuen Folge von “Das Klima”.
Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter.
Jugendliche und die Klimakrise
Wir wollen heute wissen, was die Wissenschaft über Klimakrise und junge Menschen tatsächlich sagen kann und wo die großen Lücken liegen.Aber: Was meinen wir überhaupt, wenn wir Kinder und Jugendliche sagen? Je nach Studie fallen die Definitionen unterschiedlich aus. Aber prinzipiell sind Kinder zwischen 0 bis 17 Jahre alt und Jugendliche 10 bis 24 Jahre. Die Zahlen machen deutlich, dass es um enorme Gruppen geht: Kinder sind rund 30 Prozent der Weltbevölkerung, Jugendliche etwa 25 Prozent. Das ist keine kleine Randgruppe, sondern ein großer Teil der Menschheit, der in der Klimakrise gleichzeitig besonders verletzlich ist und zugleich ständig mit Erwartungen überhäuft wird.
Kinder gelten meist als vulnerable Gruppe, die geschützt werden muss. Erwachsene, also wir, gelten als Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, an die Politik adressiert wird. Jugendliche hängen oft dazwischen. Genau deshalb schauen wir uns heute zwei Forschungsarbeiten aus 2025 an, die beide zeigen, dass Jugendliche sowohl politisch als auch wissenschaftlich unterrepräsentiert sind.
Als erstes nehmen wir eine Studie (Inclusion of children and youth in the IPCC Assessment Reports (AR1-AR6)), die ganz nüchtern zählt und einordnet: Wie oft kommen Kinder und Jugendliche eigentlich in den IPCC-Sachstandsberichten vor und in welchem Zusammenhang werden sie erwähnt?
Die Autorinnen und Autoren schauen auf die Berichte 1 bis 6 und zeigen, dass in den frühen Sachstandsberichten praktisch kaum etwas zu finden ist. Erst ab Bericht 5 wird es sichtbarer, und im sechsten Bericht gibt es einen deutlichen Sprung. Dabei fällt besonders auf, dass Jugendliche bis einschließlich AR5 fast unsichtbar bleiben und erst in AR6 spürbar häufiger auftauchen.
Wir sprechen nicht nur über die Anzahl, sondern vor allem über das Framing. Ein erheblicher Teil der Erwähnungen passiert in Aufzählungen, in denen Kinder und Jugendliche zusammen mit anderen Gruppen genannt werden, etwa wenn von vulnerablen Gruppen die Rede ist. Das heißt: Sie kommen vor, sind aber oft nicht der Fokus. Wenn sie stärker im Mittelpunkt stehen, dominieren bei Kindern die Risiken, während bei Jugendlichen häufiger die Reaktionen und die Art, wie sie mit der Klimakrise umgehen, beschrieben werden.
Bei den Risiken sieht man eine klare Trennung: Bei Kindern geht es stark um körperliche Gesundheit, Ernährung, Sterblichkeit, Wasserversorgung und Hygiene. Bei Jugendlichen tauchen häufiger psychische Gesundheit, Belastung und Migration als Risiko-Kontexte auf. Bei den Reaktionen wird es noch deutlicher: Kinder werden vor allem über Verletzlichkeit und Ungleichheit geframed, Jugendliche sehr stark über Partizipation und Aktivismus. Das klingt einerseits nach Anerkennung, kippt aber schnell in ein Ungleichgewicht: Jugendlichen wird Verantwortung zugeschoben, während ihnen echte Mitbestimmung häufig fehlt.
Wie verhalten sich Jugendliche angesichts der Klimakrise?
Als zweites schauen wir auf eine Scoping Review, die bündelt, was die Forschung über Jugendliche und Klimakrise bisher überhaupt herausgefunden hat (Climate Change Cognition, Affect, and Behavior in Youth: A Scoping Review).
Der Review ordnet Erkenntnisse in drei Bereiche: Kognition, also Wissen und Verstehen, Affect, also Gefühle und emotionale Reaktionen, und Verhalten, also Handlungen und Engagement. Gleichzeitig zeigt sie, wie dünn die Forschungslage ist. Insgesamt werden 50 Studien gefunden, das erste Paper in diesem Feld stammt aus 1992. Die regionale Abdeckung ist stark ungleich, viele Studien kommen aus Ländern wie den USA und Schweden. Außerdem sind Langzeitstudien selten, obwohl gerade die Zeitdimension wichtig wäre, weil sich Einstellungen, Sorgen und Reaktionen über Jahre verändern können.
Beim Denken und Wissen wirkt das Bild zunächst stabil. Die Existenz der Klimakrise wird von großen Mehrheiten anerkannt. Auch die Ursachen werden überwiegend menschlichen Aktivitäten zugeschrieben, mit Ausnahmen in einzelnen Studien, in denen natürliche Ursachen oder religiöse Deutungen stärker auftreten. Bei den Auswirkungen ist das Bild gemischter: In ungefähr der Hälfte der Studien sagen Jugendliche, dass sie Auswirkungen bereits spüren, und häufig wird ein Zusammenhang zwischen Klima und Gesundheit hergestellt. Bei Lösungen sehen wir, dass frühere Studien teils ein unspezifisches Umweltverständnis zeigen, während später die Verbindung zwischen konkreten Maßnahmen und konkreten Problemen klarer wird. Viele Jugendliche stehen Gesetzen, Regeln und auch Instrumenten wie Steuern eher positiv gegenüber, zweifeln aber daran, dass die nötigen Schritte tatsächlich umgesetzt werden.
Wenn wir zu Gefühlen kommen, wird es deutlich lückenhafter. Sorge, Angst und Bedenken sind verbreitet, variieren aber stark nach Kontext und Region. Ein wiederkehrender Befund ist, dass die Sorge steigt, wenn man sich intensiver mit dem Thema beschäftigt, etwa in Kursen oder Unterricht. Das ist keine Fehlentwicklung, sondern eine normale Reaktion auf eine bedrohliche Faktenlage. Entscheidend ist, dass Jugendliche danach nicht allein gelassen werden. Dort, wo Langzeitdaten vorliegen, nimmt die Sorge über die Jahre eher zu. Für Optimismus und Hoffnung ist die Studienlage so dünn, dass wir kaum robuste Aussagen bekommen.
Beim Verhalten sieht man, dass viele Jugendliche aktiv sind, etwa durch Veränderungen im Alltag oder durch Protest. Besonders wichtig ist die soziale Komponente: Wenn Handeln als gemeinschaftliche Aufgabe organisiert wird, funktioniert es oft besser, als wenn alles auf individuelles Verhalten reduziert wird. Aktivismus taucht dabei auch als Coping-Strategie auf, also als ein Weg, mit Ohnmacht und Belastung umzugehen. Gleichzeitig bleibt die Belastung real, und wir nehmen aus der Review vor allem mit, dass Bildung nicht nur Klimaphysik vermitteln sollte, sondern stärker auf Lösungen, gemeinsames Handeln und den Umgang mit Emotionen setzen muss. Wissen allein erzeugt keine Handlung, sondern braucht Motivation, Unterstützung und kollektive Strukturen.
Jugendliche und die Diktatur
Am Ende gibt es noch einen kurzen Exkurs zu einem Thema, das auf den ersten Blick nicht Klima ist, aber indirekt viel damit zu tun hat: Demokratie und autoritäre Einstellungen. Wir sprechen über eine Umfrage aus Österreich, in der gefragt wurde, ob unter bestimmten Umständen eine Diktatur im nationalen Interesse die bessere Staatsform sei. Deprimierend ist besonders die Aufschlüsselung nach Alter, weil die Zustimmung bei jüngeren Menschen höher ausfiel als bei älteren.
Aus der Jugendforschung zur Klimakrise können wir nicht einfach ableiten, wie die nächsten Jahrzehnte politisch laufen werden. Die Datenlage ist zu lückenhaft, zu regional verzerrt und oft zu stark an Schulen und Hochschulen rekrutiert. Aber wir halten fest: Verantwortung wird Jugendlichen schnell zugeschoben, echte Gestaltungsmacht dagegen viel seltener.
Bücher
Das neue Buch von Florian heißt “Die Farben des Universums”, erscheint im Februar 2026 und kann schon vorbestellt werden.
Das neue Buch der Science Buster heißt "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" und erscheint im Hanser Verlag. Tickets und Infos für die Live Show gibt es unter sciencebusters.at Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live.
Hinweis zur Werbung und Unterstützung
Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal.
Kontakt und weitere Projekte
Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.
Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.
Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft.
Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:
Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia
Bluesky Florian| Bluesky Claudia
Transkript anzeigen
Florian: Hier ist das Klima, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise.
Florian: Wir lesen und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung jeden zweiten
Florian: Montag mit Claudia Frick.
Claudia: Und Florian Freistöter. Hallo.
Florian: Hallo, willkommen zu Folge 163 von Das Klima.
Florian: Die Welt draußen ist vermutlich immer noch winterlich, zumindest wenn ihr die
Florian: Folge hört, zu dem Zeitpunkt, wo sie erscheint.
Florian: Winterlich war es in der letzten Folge auch, zumindest eiszeitlich.
Florian: Wir haben über die kleine Eiszeit gesprochen, die in Europa stattgefunden hat,
Florian: im Mittelalter, in der frühen Neuzeit und wir haben über Konflikte gesprochen.
Florian: Wir haben darüber gesprochen, was die historische und die Klimaforschung herausbekommen
Florian: hat, über den Zusammenhang zwischen der kleinen Eiszeit und den Klimaveränderungen
Florian: damals und den Revolutionen und Rebellionen und welche Schlüsse wir daraus für
Florian: die Gegenwart ziehen können.
Florian: Und die Schlüsse waren, dass das Klima allein keine Katastrophe,
Florian: keine Rebellion auslöst, sondern das nur verstärken kann, beziehungsweise das
Florian: Klima übt den Druck aus und wie schlimm es wirklich wird,
Florian: das bestimmt die Politik durch ihre Maßnahmen und das kann man positiv sehen,
Florian: weil wir Handlungsmacht haben oder man kann es negativ sehen,
Florian: weil die Politik das macht, was sie derzeit macht.
Florian: Ja, und du erzählst uns heute, was hast du gesagt, über diejenigen,
Florian: die in Zukunft bestimmen werden, was gemacht wird, über die Jugendlichen.
Claudia: Ja, exakt. Darüber wollte ich total gerne reden. Und ich finde es schön,
Claudia: dass du gesagt hast, was soll die Zukunft machen, weil wenn wir über Kinder
Claudia: und Jugendliche sprechen, dann reden wir meistens über zukünftige Generationen
Claudia: oder das Wording wird heute häufig so benutzt.
Claudia: Und ich wollte heute mal fragen, habe ich mich gefragt, was eigentlich so Klimakrise
Claudia: und Jugendliche, aber auch natürlich Kinder, also die Definitionen sind ja unscharf.
Claudia: Also was weiß die Wissenschaft da eigentlich drüber, wie die damit umgehen und
Claudia: was weiß sie eigentlich nicht.
Florian: Ist auch spannend, passt auch zu der Folge von vor zwei Folgen,
Florian: weil da haben die Folgen eingespielt, die im Rahmen der Lehrveranstaltungen
Florian: der Uni München entstanden sind.
Florian: Und die Leute, die die Folgen gemacht haben, die meisten davon beschäftigen
Florian: sich mit Psychologie und zwar Psychologie mit Kindern und Jugendlichen in Schulen.
Florian: Und für die ist es natürlich sehr relevant, was Kinder und Jugendliche zu dem
Florian: Thema Wissen, Denken, Fühlen und was wir nicht wissen, was die Kinder,
Florian: Jugendlichen denken und fühlen.
Claudia: Sehr. Und die hatten mich dazu auch so ein bisschen inspiriert,
Claudia: weil ich dann nochmal mich so gefragt habe, also was wissen wir da eigentlich?
Claudia: Welche Lücken gibt es? Und was sind eigentlich nochmal Kinder und Jugendliche?
Florian: Also ich bin fast 50. Ich kann dir sagen, Kinder und Jugendliche sind alle blöd
Florian: und die wissen gar nichts.
Claudia: Oha, okay. Du bist also schon in dem Fall.
Florian: Ja, genau. Den sagt er gerade.
Claudia: Okay. Also ich finde das halt ein bisschen faszinierend. Ich dachte,
Claudia: ich gucke mal so rein, was die Wissenschaft dazu gerade so geschrieben hat.
Claudia: Und da gab es tatsächlich ein paar spannende Sachen.
Claudia: Aber erst mal bin ich noch mal darüber gestolpert, zu fragen,
Claudia: was sind eigentlich jetzt Kinder? Also wovon reden wir eigentlich?
Claudia: Und dann gibt es so verschiedene Definitionen. Also je nachdem, wie man das halt,
Claudia: so macht. Und jede Studie definiert das auch ein wenig anders.
Claudia: Das fand ich auch wieder interessant. Aber für heute einfach mal so zwischen
Claudia: 0 und 17, das sind Kinder.
Claudia: Das sind übrigens 30 Prozent der Weltbevölkerung. Keine kleine Gruppe, würde ich mal sagen.
Claudia: Und Jugendliche, und da wird es dann eben auch sehr unscharf,
Claudia: das sind so 10 bis 24 Jahre.
Florian: Okay, interessant. Also ich glaube, die Eigendefinition ist so, ab 17 bist du erwachsen.
Claudia: Ich fürchte, ab 18 bist du auch alt oder so.
Florian: Mit 30 kannst du eigentlich schon wieder aufhören.
Claudia: Exakt. So 24 noch Jugendliche, ich weiß nicht, aber im Studium ist das noch jugendlich oder nicht.
Claudia: Mit 24 bist du ja aber eigentlich, wenn du tatsächlich studierst,
Claudia: wahrscheinlich noch dabei.
Florian: Ja, also jetzt in der Rückschau würde ich sagen, ich bin so richtig erwachsen geworden.
Florian: Erst so mit Ende 20, Anfang 30, da habe ich dann die letzten Dinge gelernt,
Florian: die ich damals davor noch nicht gewusst habe, dass man die auch können muss
Florian: im Leben. Die habe ich da irgendwie mitbekommen.
Florian: Und jetzt habe ich das Gefühl, jetzt bin ich erwachsen. Also seit damals, so mit Anfang 30.
Florian: Wahrscheinlich kommt irgendwo in zehn Jahren nochmal was, wo ich denke,
Florian: ah, okay, das auch noch, okay. Aha, ja.
Claudia: Ich warte noch drauf. Also ich meine, das kommt bestimmt irgendwann.
Florian: Aber erwachsen gefühlt habe ich mich zu jedem Zeitpunkt ab. 17,
Florian: irgendwie sowas. Also erst in der Nachschau habe ich gemerkt,
Florian: nee, nee, nee, war ich gar nicht. Ich war ein blöder Jugendlicher.
Claudia: Ach so, okay. Nee, ich habe mich noch nie erwachsen gefühlt.
Claudia: Also bin ich vielleicht mental auch noch unter 24.
Florian: Ja.
Claudia: Aber genau, also du merkst schon, Kinder, Jugendliche, das überlappt sich da
Claudia: so irgendwie in der Mitte.
Claudia: 10 bis 17 scheint so eine undefinierte Zeitspanne zu sein. Aber Jugendliche,
Claudia: bei jetzt der Definition 10 bis 24, sind tatsächlich 25 Prozent der Weltbevölkerung.
Claudia: Also auch jetzt nicht wenig, so ein Viertel der Welt.
Claudia: Es gibt so ein paar Erkenntnisse, von denen wir wahrscheinlich einfach schon
Claudia: intuitiv, weil wir den IPCC-Bericht gelesen haben und uns nur Zuhörenden zugehört
Claudia: haben, die wir einfach so wissen, also so Kinder sind
Claudia: Eine vulnerable Gruppe, also eine Gruppe, die man schützen will und so weiter.
Claudia: Erwachsene, also wir jetzt, wir sind Entscheidungsträger oder die Zielgruppe
Claudia: von Politik, also die können da was machen. Und Jugendliche,
Claudia: die sind da jetzt irgendwo dazwischen.
Claudia: Deswegen fand ich es halt ganz interessant, da mal drauf zu schauen und habe
Claudia: eben zwei Paper mitgebracht, die so ein bisschen versuchen zu beleuchten und
Claudia: so ein bisschen die Erkenntnis mitbringen, dass Jugendliche politisch unterrepräsentiert
Claudia: sind und wissenschaftlich auch.
Claudia: Und das gucken wir uns vielleicht mal ein bisschen an.
Claudia: Das ist eine relativ kurz, nämlich die Frage war, die sich die erste Studie
Claudia: gemacht hat, die ich mitgebracht habe.
Claudia: Das sind beide aus 2025 und die eine hält den schönen Titel Inclusion of Children
Claudia: and Youth in the Intergovernmental Panel on Climate Change Assessment Reports.
Florian: Okay, das wirst du gleich sagen. Heißt Inclusion, die soll da mitmachen oder
Florian: heißt thematisch inkludieren?
Claudia: Thematisch drin. Also wie häufig kommen Kinder und Jugendliche eigentlich im IPCC-Bericht vor?
Florian: Wohl so interessant wäre, sich zu überlegen, wie man die wirklich mitmachen
Florian: lassen könnte auf eine sinnvolle Art und Weise. Fände ich auch interessant.
Claudia: Ja, das wäre sehr interessant und sehr wichtig.
Claudia: Aber das Paper beschäftigt sich jetzt leider erst mal mit dem,
Claudia: zum einen dem Zählen, wie häufig kommen tatsächlich Kinder und Jugendliche in
Claudia: diesen IPCC-Berichten vor, nämlich 1 bis 6.
Claudia: Und in welchem Kontext kommen sie eigentlich vor. Und das ist so ein bisschen
Claudia: das, ich hatte das ja mal gemacht, glaube ich, mit queeren Themen,
Claudia: wie heute kommen da die Begriffe vor und die haben das genau mit Kinder und
Claudia: Jugendlichen quasi gemacht, um eben so ein bisschen rauszufinden,
Claudia: also erstens ist das überhaupt ein relevantes Thema, dann kommen die Begriffe
Claudia: vor und wann kommen sie vor und wie genau werden die so eingerahmt.
Claudia: Da kann man sich, ich habe die Studie verlinkt, die ist auch frei verfügbar,
Claudia: kann man sich mal so Abbildung 1 anschauen.
Claudia: Und Abbildung 1 ist so ein schöner Graph, wo über den Bericht 1 bis 6,
Claudia: also man hat dann diese sechs Messpunkte, die verschiedenen Berichte,
Claudia: guckt, wie häufig kommt eigentlich der Begriff Children oder Youth vor oder
Claudia: Begriffe, die verwandt sind. Und natürlich auch Child und sowas kommt vor.
Claudia: Und dann sieht man, dass da eigentlich nicht viel los ist in den ersten Jahren.
Claudia: Es kommen nicht so viele Erwähnungen drin vor.
Claudia: Beim Bericht Nummer 5 merkt man so einen ersten kleinen Knick.
Claudia: Da sind wir über 100 Erwähnungen auf wie viel? 10.000 Seiten.
Claudia: Also es wird langsam mehr. Und im Bericht Nummer 6, den wir gelesen haben,
Claudia: sind es dann über 300 Erwähnungen von beiden zusammen.
Claudia: Und man sieht einen kleinen Unterschied noch dazu.
Florian: Wollte ich gerade sagen, die Jugendlichen tauchen quasi gar nicht auf bis zum
Florian: sechsten Bericht. Und erst die Kinder, Kinder werden schon erwähnt,
Florian: aber dass Jugendliche da eine Rolle spielen, das taucht eigentlich erst im sechsten Bericht auf.
Claudia: Ja, genau. Also wenn man die sich nochmal auseinanderzieht, ist es ein bisschen,
Claudia: also es ist wirklich, die Linie für die Jugendlichen ist quasi flach bis fünf.
Claudia: Ich glaube, bei fünf kommen sie irgendwie, weiß ich nicht so,
Claudia: wenn ich da so drauf gucke, zehnmal vor. Erst ab dem Bericht Nummer sechs kommen
Claudia: sie überhaupt häufiger vor.
Claudia: Also da kommen sie, knacken, kratzen sie so langsam an den Hundert.
Claudia: Das heißt, das ist tatsächlich im Vergleich sehr, sehr wenig.
Claudia: Und wenn man sich dann die Kontexte anschaut, also in welchem Kontext werden
Claudia: jetzt Kinder erwähnt und in welchem Kontext werden jetzt Jugendliche erwähnt,
Claudia: ist das Erste, was auffällt, was sie geschrieben haben und das fand ich sehr
Claudia: nachvollziehbar, weil mir das auch aufgefallen ist im Bericht,
Claudia: dass sie meistens beide oder so in größeren Teilen, ich glaube bis zu einem
Claudia: Drittel werden sie erwähnt in Listen mit anderen Gruppen.
Claudia: Weißt du, wenn so aufgezählt wird, ja, dann sind vulnerable Gruppen betroffen
Claudia: und zwar A, B, C, D, E, Jugendliche und Kinder.
Claudia: Also, dass sie gar nicht als einzelne Erwähnung vorkommen, sondern einfach nur
Claudia: zusammengefasst mit anderen Gruppen.
Claudia: Die betroffen sind oder die irgendetwas tun. Da muss man sich dann eben anschauen,
Claudia: okay, gut, da sind sie zwar erwähnt, aber die sind nicht der Hauptfokus.
Claudia: Wenn man sich aber den Hauptfokus anschaut, wo werden sie jetzt wirklich erwähnt,
Claudia: dann hat man so ungefähr zwei Drittel der Erwähnungen, die sich auf Risiken beziehen.
Claudia: Also, welchen Risiken sind diese Gruppen ausgesetzt? Das sind so zwei Drittel von allen Erwähnungen.
Claudia: Und das andere Drittel ist dann eben sowas wie Anpassung und Abmilderung.
Florian: Okay.
Claudia: Also häufig Risiko. Und dann kann man sich, wenn du mal ein bisschen runterscrollst,
Claudia: das auf Abbildung 2 anschauen.
Claudia: Ja, man sieht so die gesamten Erwähnungen und dann hat man so einen recht großen
Claudia: blauen Blob für Children.
Claudia: Dann sieht man, das sind eben drei Viertel der Erwähnungen und nur ein Viertel
Claudia: so Jugendliche ungefähr.
Claudia: Und dann sieht man, bei den Kindern ist das meiste, was erwähnt wird,
Claudia: also wirklich der größte Block, sind die Risiken.
Claudia: Und nur so ein kleinerer Teil von den Erwähnungen zu Kindern sind überhaupt
Claudia: die Reaktionen von Kindern darauf. Und bei Jugendlichen ist es andersrum.
Claudia: Da ist der größere Blob von dem, wie sie erwähnt werden, wie sie darauf reagieren.
Claudia: Und ein ganz, also ein kleinerer Teil davon, vielleicht so ein Drittel,
Claudia: ist tatsächlich die Risiken, denen sie ausgesetzt sind.
Claudia: Und das sagt schon mal ein bisschen was aus. Also sagt schon,
Claudia: dass Kinder, wie ich eingangs gesagt habe, die werden wahrgenommen als vulnerable Gruppe.
Claudia: Und bei Jugendlichen, da sieht man offensichtlich mehr, was sie eigentlich draus machen.
Claudia: Trotzdem habe ich noch mal einen kurzen Blick reingeworfen in die Risiken,
Claudia: weil ich wissen wollte, und das haben sie auch gemacht, welche Risiken genau,
Claudia: Werden denn da genannt? Weil bei Kindern ist es ja ein bisschen was anders als bei Jugendlichen.
Claudia: Und bei Kindern ist es tatsächlich sowas wie physische Gesundheit,
Claudia: also körperliche Gesundheit, Ernährung, Sterblichkeit, Wasserversorgung,
Claudia: Hygiene, solche Themen.
Claudia: Bei Jugendlichen hingegen geht es dann um psychische Gesundheit,
Claudia: so Belastung, generell Belastung und Migration.
Claudia: Also das sind so mehr die Risiken, die auftauchen bei denen.
Claudia: Das heißt, da haben wir schon so einen Unterschied. Ja, und bei dem Framing,
Claudia: da können wir noch mal ein bisschen weiter scrollen, wenn du möchtest,
Claudia: musst du aber nicht, zur Abbildung 4.
Florian: Ich scrolle gerne. So, ja, bin ich schon da.
Claudia: Das sind sehr schöne, simple Abbildungen. Das mochte ich sehr gerne daran.
Claudia: Ich meine, das ist jetzt auch keine komplizierte Analyse.
Florian: Die Schrift ist sehr, sehr klein für meine Augen, aber ich sehe einen fetten
Florian: roten Balken und einen fetten blauen Balken auf der linken und rechten Seite.
Claudia: Rot, man kann das Bild auch größer öffnen.
Florian: Ja, habe ich jetzt gerade gemacht. Jetzt ist die Schrift immer noch klein,
Florian: aber ich kann sie zumindest lesen.
Claudia: Man kann sie zumindest lesen. Ja, es ist so ein bisschen tricky,
Claudia: so ganz ideal ist es nicht. Da sind die Reaktionen der Kinder und Jugendlichen
Claudia: aufgeführt auf die Klimakrise, also das, was jetzt bei den Kindern eben ein
Claudia: bisschen weniger Erwähnung war und bei den Jugendlichen der größere Teil.
Claudia: Und das sind halt so Sachen wie Ungerechtigkeit, Verletzlichkeit,
Claudia: aber auch Partizipation, also wie mischen sie mit Gerechtigkeit,
Claudia: Rechte und Aktivismus. Und da kann man sehen, dass bei Kindern und Jugendlichen
Claudia: da leichte unterschiedliche Verteilungen sind.
Claudia: Also Kinder haben die meisten Frames bei diesen Reaktionen bei Ungleichheit und Vulnerabilität.
Claudia: Also dieses Framing, was ich eingangs genannt habe, ist tatsächlich da.
Claudia: Und bei Jugendlichen, die überwiegen...
Claudia: Richtig krass, im Gegensatz zu den Kindern, bei Partizipation.
Claudia: Also sie wollen mitmachen, sie wollen interagieren und wollen mitreden. Und bei Aktivismus.
Claudia: Also Aktivismus ist ein sehr großer, ungleicher Balken. Die werden tatsächlich
Claudia: am häufigsten erwähnt in diesem Kontext.
Florian: Was soll eigentlich dieser Balken ganz rechtskolonial... Beide 0%,
Florian: aber der 0% Balken bei Kindern ist höher als der 0% Balken bei Jugendlichen.
Claudia: Ich glaube, das ist tatsächlich, weil es eben nicht exakt, sondern gerundet 0 Prozent sind. Genau.
Claudia: Also deswegen, glaube ich, ist das so ein leichter Mini-Unterschied.
Claudia: Weil du siehst, das 1 Prozent nebendran ist ja deutlich höher.
Claudia: Genau, es ist 0,4 Prozent wahrscheinlich.
Claudia: Und das ist abgerundet auf 0. Die Abbildung simpel, aber die Nachkommensfehlen fehlen.
Claudia: Genau, also da sieht man schon so ein bisschen die Frames. Und das kann man
Claudia: auch wirklich so festhalten.
Claudia: Also Kinder, vulnerable Gruppe. Und jetzt wissen wir, Jugendliche werden in
Claudia: dem IPCC-Bericht meistens im Kontext von Aktivismus dargestellt oder im Kontext von,
Claudia: Partizipation an solchen politischen Prozessen, aber halt nicht als tatsächlich
Claudia: politische Gruppe, die vielleicht schon von Anfang an mitmachen kann,
Claudia: weil die zwischen 10 und 24, da kannst du noch nicht wählen,
Claudia: aber die eben mitgenommen werden,
Claudia: sollen oder und das sagen sie hier schön, die tatsächlich sich beteiligen sollen.
Claudia: Also man will ja, dass die mitmachen, aber bitte im richtigen du weißt schon,
Claudia: der richtigen Art, jetzt nicht an die Straße.
Florian: Genau, nur in der ihrer Freizeit nicht mit der Schule haben oder sowas.
Claudia: Exakt. Und das fand ich sehr interessant, weil sie dann eben erwähnen,
Claudia: gerade wenn es um Partizipation geht, wird das meistens so geframed,
Claudia: dass es halt sowas wie, ah, das solltet ihr tun, ihr solltet da mitmachen,
Claudia: ihr müsst das machen, das ist ja eure Zukunft und dass das natürlich eine große
Claudia: Verantwortung und Last auf die Jugendlichen gibt.
Claudia: Die eigentlich ja überhaupt nicht an den Entscheidungsprozessen tatsächlich beteiligt werden.
Claudia: Aber ihnen wird immer gesagt, ja, ihr solltet eine alternative Vision für die
Claudia: Zukunft entwickeln und ihr seid die Zukunft. Also das ist so ein Ungleichgewicht.
Florian: Ganz, ganz harter Exkurs. Arbeite ich irgendwann nochmal genauer aus,
Florian: aber ich bin ja immer ein großer, großer Fan der Erwachsenenbildung.
Florian: In meiner Arbeit als Wissenschaftskommunikator beschäftige ich mich auch viel
Florian: mit Konzepten, Wissenschaftskommunikation und alles. Und immer wenn ich irgendwo
Florian: sehe, hier gibt es eine neue Initiative für Wissenschaftskommunikation,
Florian: neue Initiative für Wissen von Unis in die Bevölkerung bringen.
Florian: In so gut wie allen Fällen geht es immer darum, dass man den Kindern irgendwas
Florian: beibringt, was ja gut ist.
Florian: Die Kinder sollen etwas über Wissenschaft lernen, aber meiner Meinung nach machen
Florian: sich viel zu wenig Menschen Gedanken darüber, wie man Wissenschaft an Erwachsene vermittelt.
Florian: Weil die Kinder sind es zwar, die in Zukunft dann irgendwas machen und natürlich
Florian: sollen die Bescheid wissen und Visionen und tralala, aber jetzt die Welt gestalten
Florian: tun die Erwachsenen und die sollen auch was wissen.
Florian: Also man kann nicht immer die ganze Zukunft auf die Kinder abwälzen,
Florian: sondern wenn wir wollen, dass wissenschaftlich gebildete Menschen die Welt gestalten,
Florian: dann sollen gefälligst die wissenschaftlich gebildet werden,
Florian: die sie jetzt gestalten und nicht nur die Kinder, die sie vielleicht in zehn Jahren gestalten.
Florian: Also ich könnte eine Stunde darüber renten, dass die Wissenschaftskommunikation
Florian: von behördlicher, politischer Seite immer als für Kinder gedacht wird und für
Florian: Erwachsene wird immer nie mitgedacht.
Florian: So, ich mache das mal irgendwann ausführlicher.
Claudia: Sehr gut, können wir auch bitte einen Teil über SeniorInnen einfügen.
Florian: Das ist ja auch noch wichtig.
Claudia: Danke. Ja, auf jeden Fall. Genau, wo war ich? Achso, genau. Aber ich glaube,
Claudia: das ist so grob abgeschlossen.
Claudia: Also je älter junge Menschen werden, desto weniger werden sie als schutzbedürftig betrachtet.
Claudia: Und Kinder gelten so als Objekte von Risiken und Jugendliche sind mehr so die, weiß ich nicht,
Claudia: die sind für die Lösungen da, so ungefähr. Und sie sagen natürlich,
Claudia: aber diese Darstellung, das ist natürlich unvollständig. Da fehlt natürlich viel.
Claudia: Und um eben da ein bisschen weiterzugehen, braucht man eigentlich tatsächlich mehr Forschung.
Claudia: Und dann dachte ich so, okay, man braucht mehr Forschung. Was gibt es denn an Forschung?
Claudia: Und da bin ich eben ein bisschen weitergegangen und ich habe tatsächlich eine
Claudia: Studie gefunden, auch aus letztem Jahr, die sich angeguckt hat,
Claudia: wie Jugendliche in der Forschung bisher tatsächlich vorkommen.
Claudia: Also jetzt wieder Der IPCC-Bericht hat ja geendet schon vor ein paar Jahren,
Claudia: also das Zusammentragen der Literatur auch.
Claudia: Und das ist aber jetzt eine Studie, die eben 2025 gemacht wurde.
Claudia: Und da sind ein paar mehr Sachen drin und sie haben das explizit über Jugendliche zusammengetragen.
Claudia: Also es ist nicht verstreut im IPCC-Bericht, sondern sie haben sie zusammengestragen
Claudia: und haben sich 50 Studien angeguckt von, jetzt pass auf, Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren.
Claudia: Okay, gut. Ja, Dinge ändern sich, vor allem die Definition von Jugendliche.
Claudia: Das heißt, da sind die 10- bis 14-Jährigen jetzt raus. Und die Studie heißt
Claudia: Climate Change Cognition Effect and Behavior in Youth Scoping Review.
Claudia: Wir versuchen so ein bisschen eben zusammenzustellen, welche Evidenz,
Claudia: also welche Erkenntnisse haben wir eigentlich über die Klimakrise und wie Jugendliche
Claudia: das wahrnehmen, wie sie dazu fühlen und wie sie sich tatsächlich verhalten.
Claudia: Also Effekt heißt ja positive, angenehme oder halt negative und unangenehme
Claudia: Gefühle gegenüber einem Ereignis oder einer Tatsache, sowas wie eben Klimakrise.
Claudia: Inspekt hat also sehr viel mehr den...
Claudia: Dem emotionalen Teil, Verhalten, klar, das sollte relativ klar sein,
Claudia: dass man irgendwie reagiert auf eine interne Veränderung oder auf einen externen
Claudia: Reiz, auf was auch immer man reagiert und handelt dann tatsächlich.
Claudia: Und ja, Cognition oder wie auch immer man es genau nennen möchte,
Claudia: sind ja mentalen Prozesse. Also sowas wie Verstehen, Wissen und so weiter. Also Denken.
Claudia: Kurz gesagt, Denken. Oder ja, Kontextualisieren, Aufmerksamkeit,
Claudia: Entscheidungen treffen.
Claudia: Das fällt alles unter Cognition. Und da haben sie so dieses typische Rad aufgemacht.
Claudia: Das kannst du dir auch anschauen. Das ist Abbildung 4.
Florian: Ja, ein bisschen Rad, Schneckenhaus-mäßig.
Claudia: Ja, es sieht ein bisschen Schneckenhausig aus, aber es ist gar kein Schneckenhaus.
Claudia: Also da sieht man so die drei Teile Cognition, Effect und Behavior.
Claudia: Und dann sieht man da noch unten drunter so ein paar Konzepte, was das so bedeutet.
Claudia: Also zum Beispiel über Cognition, also Denken und mentale Prozesse.
Claudia: Dann ist da sowas wie Existenz, also was gibt es in der Klimakrise eigentlich,
Claudia: Courses, also welche Ursachen hat die eigentlich, Impacts, also welche Auswirkungen
Claudia: hat die Solutions, welche Lösungen sind es.
Claudia: Und unten drunter sind dann eben so Sachen wie Skepsis, Glauben,
Claudia: ja Awareness, Wissen, Wahrnehmung, ja solche Aspekte.
Claudia: Die haben sie sich dann im Einzelnen angeschaut, was wissen wir eigentlich über
Claudia: diese Teile von Jugendlichen und wie sie mit der Klimakrise umgehen.
Florian: Okay.
Claudia: Und das muss man aber sagen, kann man nur eingeschränkt beantworten,
Claudia: weil die Studienlage ist halt patchy.
Claudia: Also 50 wurden gefunden, 50 Studien, das ist jetzt schon mal nicht viel.
Florian: Ja.
Claudia: Und das 11. Paper ist von Anfang der 90er.
Florian: Ich wollte gerade sagen, kommt davon welchen Zeitraum, 50 Paper im letzten Jahr
Florian: oder 50 Paper in den letzten 50 Jahren?
Claudia: 1992 ist das erste Paper dazu. Also das ist schon wenig.
Claudia: Also da sieht man schon, da kann noch mehr passieren. Und die Länderverteilung ist total ungleich.
Claudia: Ich glaube, Abbildung 3 hat irgendwie die Länderverteilung drin.
Claudia: Genau, hat die Länderverteilung drin und dann sieht man halt so,
Claudia: ja okay, USA ist viel los.
Claudia: Da sind die meisten Studien her. Genau, Schweden auch sehr viel und dann haben
Claudia: wir so Australien und hier Österreich.
Claudia: Ihr habt auch so ein leicht dunkelblaueren Ton.
Claudia: So ungefähr wie China. Ihr habt auch noch ein paar mehr, aber der Rest,
Claudia: also hier Deutschland ist so supergrau.
Claudia: So ein bisschen in Südafrika tatsächlich, da gab es auch hellblau.
Claudia: Also so ein bisschen, aber ansonsten ist da viel grau.
Claudia: In der Antarktis übrigens auch. Da hat niemand mit Jugendlichen geforscht.
Florian: Ja, stimmt, ja.
Claudia: Weiß auch nicht. Okay, aber genau, also man muss es mit Vorsicht genießen.
Claudia: Es hat einen regionalen zusätzlichen Flickenteppich und das zeigt eben schon,
Claudia: also okay, da muss mehr passieren.
Claudia: Aber immerhin 50 Studien, hey, was immerhin ausmacht, dass über 50.000 Jugendliche
Claudia: irgendwie in diesen Studien befragt wurden.
Claudia: Also da gibt es ja immer so verschiedene Methoden, an denen man da arbeiten kann.
Claudia: Die meisten haben irgendwie so quantitative Methoden gemacht,
Claudia: so Umfragen mit Klick- Antworten.
Claudia: Ein paar haben auch rein qualitative Methoden benutzt oder gemischte Methoden,
Claudia: aber insgesamt wurden damit über 50.000 Jugendliche befragt,
Claudia: erreicht. eingebunden. Es ist nicht viel.
Claudia: Also ich finde immer noch, es ist sehr wenig. Vor allem, wenn man bedenkt,
Claudia: dass glaube ich, es waren wie viel, genau nur vier davon waren so Langzeitstudien,
Claudia: weißt du, wo man über nach einem
Claudia: Jahr nochmal gefragt hat oder nach zwei Jahren oder nach acht Jahren.
Claudia: Genau, also acht Jahre war die längste Zeitspanne. Die Studienlage ist dünn
Claudia: und dann sind es auch noch Studien, also es ist jetzt insgesamt super viele
Claudia: Leute befragt und es sind nicht so viele, die über einen längeren Zeitraum immer
Claudia: wieder geguckt haben, wie geht es den Jugendlichen eigentlich oder was passiert
Claudia: da, wie nehmen dir das wahr?
Florian: Ja, das wäre das Relevante, dass du wirklich einmal fünf, sechs,
Florian: sieben Jahre durch nachverfolgst, weil wenn sich was schnell verändert,
Florian: dann verändert sich es bei Jugendlichen schnell.
Claudia: Ja, genau. Also ich finde es schon sehr schade und man merkt,
Claudia: okay, da muss was getan werden, aber trotzdem kann man jetzt ja mal reinschauen.
Claudia: Also wir können mal so kurz so ein paar Flashlights in diese Sachen reinwerfen,
Claudia: zum Beispiel in die, wo fangen wir denn an, die kognitiven Sachen,
Claudia: also das Denken, das Verstehen und so weiter.
Claudia: Und da ist ziemlich klar, also die Existenz kein großes Thema.
Claudia: Die meisten in den Studien denken, ja, okay, wir wissen, Klimakrise existiert.
Claudia: Ein größerer Anteil zwischen irgendwie 75 Prozent und 99 Prozent der Jugendlichen ergeben das an.
Claudia: Also da ist gar nicht viel, da muss man gar nicht viel zu sagen. Passt wunderbar.
Claudia: Bei den Ursachen ist es wieder ein bisschen gemixt da.
Claudia: Also die meisten sagen dann so, es ist mainly caused by human activities.
Claudia: Hauptsächlich von Menschen ursacht, aber da ist noch anderes dabei.
Claudia: Und es gibt so ein paar Ausnahmen tatsächlich. Also es gibt auch welche Regionen
Claudia: der Welt oder Studien, die dann,
Claudia: Das ein bisschen Gemüchter hatten. Also es gibt ganz interessant,
Claudia: in Indonesien ist über die Hälfte der Teilnehmenden meiner Studie,
Claudia: sagt er, nee, das sind natürliche Prozesse.
Claudia: Und in Bangladesch gab es wohl ein Viertel der Jugendlichen,
Claudia: die sagten, dass it's the will of God.
Florian: Okay.
Claudia: Ja, als Punishment for Sinful Behavior. Ja, also es gibt Ausnahmen,
Claudia: aber in der großen Menge ist tatsächlich auch die Ursache relativ klar.
Claudia: Bei den Impacts, also den Auswirkungen der Klimakrise, sagten bei der Hälfte
Claudia: der Studien die Jugendlichen, ja, die können wir schon fühlen.
Claudia: Also es gibt schon Auswirkungen, aber nur die Hälfte. Also es kommt natürlich
Claudia: immer darauf an, wo man ist auf der Welt. Deswegen sagte ich das mit der Weltkarte.
Claudia: Aber gut, die Hälfte ist nicht so viel. Aber immerhin haben die meisten so einen
Claudia: Zusammenhang zwischen Klima und Gesundheit hergestellt.
Claudia: Also die meisten Teilnehmenden konnten da so eine Verbindung herstellen.
Claudia: Das heißt Effekte, Auswirkungen, da fehlt noch so ein bisschen das Wissen.
Claudia: Ja, und bei den Lösungen, also was wissen Sie denn zu Lösungen?
Claudia: Das ist ganz interessant, weil die früheren Studien, da gab es Schwierigkeiten,
Claudia: dass die Jugendlichen nicht die Lösung tatsächlich mit den konkreten Auswirkungen
Claudia: in Verbindung bringen konnten, sondern sie dachten so, also egal welches umweltfreundliche
Claudia: Verhalten ich an den Tag lege,
Claudia: das hilft allen Umweltproblemen.
Claudia: Genau, also da war noch so ein bisschen unklarer, aber mittlerweile ist das nicht mehr der Fall.
Claudia: Also das hat sich wohl geändert und die meisten Jugendlichen sind eigentlich
Claudia: positiv gegenüber Klimagesetzen eingestellt und Regelungen, die das Klima schützen
Claudia: sollen und verstehen die Lösungskonzepte.
Claudia: Und sie mögen am liebsten übrigens Steuern und Gesetze.
Florian: Ja, weil sie keine Steuern zahlen müssen, die Jugendlichen.
Claudia: Ja, aber da steht auch sehr schön, dass they doubted that the necessary actions would be taken.
Claudia: Also die haben Zweifel daran, dass es wirklich passiert ist.
Claudia: Kann ich nachvollziehen.
Florian: Und bevor wir jetzt korrigieren, ja, auch Jugendliche zahlen Steuern.
Florian: Nicht alle Jugendlichen sind in der Schule, aber manche arbeiten auch schon.
Florian: Und es gibt Steuern, die müssen alle zahlen. Nur bevor da jemand böse Ebel schreibt,
Florian: ich weiß, das schlug mal nur einen Witz.
Claudia: Wobei tatsächlich, muss ich sagen, in den meisten Studien, das war noch eine
Claudia: Randnotiz, das hatte ich jetzt eben nicht erwähnt, aber in dem Kontext wichtig,
Claudia: dass die meisten Studien tatsächlich an Schulen rekrutiert haben oder an Hochschulen.
Claudia: Also tatsächlich, das ist auch ein Bias, der drin ist.
Florian: Ja, ich wollte gerade sagen, in meinem Umfeld, also viele von den Jugendlichen,
Florian: die ich kenne, Da sind, wenn ich jetzt die 15, 16-Jährigen anschaue,
Florian: die meisten davon sind irgendwann in der Ausbildung, Lehre, arbeiten schon und
Florian: so weiter und jetzt nicht unbedingt in der Schule.
Florian: Also ich weiß jetzt gar nicht, wie groß der Anteil jetzt ist in Österreich,
Florian: Deutschland oder global.
Florian: Aber ja, nicht alle sind bis 18 in der Schule und bis 25 auf der Uni.
Claudia: Ja, eben, genau. Deswegen, dass es auch so ein Bias da drin ist.
Claudia: Es könnte natürlich sein, dass wenn man jetzt Jugendliche befragt,
Claudia: die schon Steuern zahlen.
Claudia: Wobei, Schule heißt natürlich auch Berufsschule, je nach dem Konzept in den
Claudia: verschiedenen Ländern gibt es das und gibt es das nicht.
Claudia: Aber genau, da könnte es natürlich anders ausfallen. Deswegen,
Claudia: es braucht mehr Forschung.
Claudia: Es ist wirklich lückenhaft. Ja, dann gibt es noch, bei Kognition ist ja jetzt
Claudia: noch Risikowahrnehmung.
Claudia: Also nehmen sie es tatsächlich als Risiko wahr, die Klimakrise.
Claudia: Ja, und die meisten sagen, dass die Klimakrise ein Risiko ist und eine Gefahr.
Claudia: Serious or very serious.
Claudia: Also da ist auch schon relativ klar. Das heißt also, kognitiv,
Claudia: so von Denken und Verstehen ist eigentlich gute Basis da. Da sind viele Studien, die da kommen.
Claudia: Noch funktionieren. Aber wenn wir jetzt mal weitergehen hier zu diesem Effekt,
Claudia: zu den Gefühlen und den emotionalen Reaktionen, da gibt es dann eben solche
Claudia: Konzepte wie Concern and Worry, also Bedenken und wie übersetze ich jetzt Worry am besten?
Claudia: Naja, Sorgen, Ängste, Befürchtungen, alles auf einmal.
Claudia: Und dann gibt es aber auch natürlich Optimismus und Hoffnung.
Claudia: Da gibt es nicht mehr so viele Studien. Da sind sie dann einzeln in die Studien
Claudia: rein und haben gesagt, ja gut, also in Taiwan waren die Studierenden wirklich besorgt darüber.
Claudia: Und in einer indischen Studie haben die meisten auch sich Sorgen gemacht.
Claudia: In den Vereinigten Staaten und in China waren es dann nicht mehr so viele.
Claudia: Nur noch so 30 Prozent. Taiwan und Indien waren mehr so über 80.
Claudia: Also es ist so ein leichter Unterschied.
Claudia: Kommt vielleicht auch drauf an, ob man denkt, dass man genug Kapazitäten in
Claudia: der eigenen Land und in der eigenen Ressourcen hat, um sich anzupassen.
Claudia: Wie sehr man sich dann tatsächlich sorgt. Und eine Erkenntnis,
Claudia: die sich ein bisschen öfter wiedergespiegelt hat in verschiedenen Artikeln,
Claudia: war dann wohl tatsächlich, dass die Sorgen angestiegen sind,
Claudia: nachdem man sich mit diesen Themen befasst hat.
Claudia: Also wenn man so einen Kurs besucht hat zu der Klimakrise, dann war man danach besorgter.
Florian: Ja, das kommt oft vor bei dem Thema.
Claudia: Exakt. Und dann dachte ich erst so, da kommt doch bestimmt jetzt jemand und
Claudia: sagt, ja, jetzt lassen wir die Jugendlichen nicht so belasten,
Claudia: dann machen die sich nur Sorgen.
Claudia: Aber nein, das ist einfach nur eine völlig normale Reaktion auf die Faktenlage.
Florian: Ja, genau.
Claudia: Ja, es sollte halt nur nicht so stehen bleiben. und die sollten damit nicht
Claudia: alleine gelassen werden.
Claudia: Das wäre ein ganz guter Punkt, bitte. Aber ansonsten ist es
Claudia: Einfach eine normale Reaktion. Ja, und dann gibt es natürlich so Unterschiede
Claudia: mit Jugendlichen, die tatsächlich irgendwie mehr so aktiv sind und eher so konfrontativ.
Claudia: Also so, ach, da ist ein Problem, das stehe ich jetzt an. Die machen sich aber
Claudia: tatsächlich auch mehr Sorgen. Also da gibt es dann so Verbindungen,
Claudia: die hergestellt werden.
Claudia: Aber das sind halt dann nur noch so einzelne Studien, weil es gibt noch nicht viele dazu.
Claudia: Und eine Studie, die diese Langzeitbeobachtung gemacht hat, tatsächlich über
Claudia: acht Jahre, die hat festgestellt, die Jugendlichen, die befragt wurden über
Claudia: diesen langen Zeitraum, Also da ist die Sorge immer größer geworden.
Claudia: Die Sorge steigt mit der Zeit.
Florian: Ja, ist auch nicht unverständlich, weil die Dinge werden ja auch nicht besser mit der Zeit aktuell.
Claudia: Und die Studienlage zu Optimismus und Hoffnung ist so dünn, da konnte man jetzt
Claudia: gar nicht so wirklich was zu sagen.
Claudia: Also da ist auch noch eine Lücke, wäre ganz gut, aber vielleicht ist da halt
Claudia: auch einfach eine Lücke in der Tatsache, dass es nicht so viel Optimismus gibt da gerade.
Claudia: Deswegen noch so ein letzter Blick zu diesem Verhalten.
Claudia: Bei dem Verhalten, natürlich kann man jetzt wieder über Engagement sprechen,
Claudia: also wie die sich engagieren. Da gibt es einige Studien, die sagen,
Claudia: die sind tatsächlich aktiv, die gehen raus, die machen Veränderungen in ihrem Lebensstil.
Claudia: Also die essen vegetarisch oder vegan zum Beispiel jetzt als Idee oder die gehen
Claudia: auf Klimaproteste und ähnliches.
Claudia: Also da ist ein größerer Teil, der das macht.
Claudia: Und je besorgter die Jugendlichen übrigens sind, umso mehr machen sie das natürlich.
Claudia: Und was man auch gesehen hat, ist, dass in Studien, die sich damit beschäftigt
Claudia: haben, dass die Leute tatsächlich,
Claudia: also Jugendlichen tatsächlich in der Gemeinschaft etwas bewegen sollen oder
Claudia: gemeinsam etwas tun sollen anstatt einzeln, also nicht die Individuen befragen,
Claudia: sondern gucken, was macht ihr denn gemeinsam, was könnte man gemeinsam tun,
Claudia: dass das deutlich mehr funktioniert.
Claudia: Auch nach einem Jahr Veränderungen gebracht hat bei den Jugendlichen.
Claudia: Also das Verhalten sich noch mehr verändert hat hin zu Klimafreundlichkeit und
Claudia: auch tatsächlich Engagement dafür.
Claudia: Es gibt auch noch Coping-Strategien. Also wie geht man tatsächlich damit um?
Claudia: Konfrontiert man die Bedrohung oder wertet man sie irgendwie neu?
Claudia: Also zum Beispiel hast du auch eine Chance für uns.
Claudia: Das gibt es natürlich auch. Es gibt auch das Runterspielen der Schwere des Risikos.
Claudia: Also das ist auch da dabei, aber das ist jetzt eher nicht so häufig der Fall.
Florian: Wäre jetzt interessant, wie Sie das mit Erwachsenen vergleichbar legen.
Florian: Herunterspielen ist ja bei den Erwachsenen auch nicht jetzt.
Claudia: Oh, das ist spannend. Ja, das weiß ich nicht. Da kann, das hätte ich gerne aufgesplittet. Na, egal.
Claudia: Aber ja, das wäre total spannend. Vielleicht ist die Lage der Studien da ein
Claudia: bisschen höher. Ich bin mir nicht so sicher.
Claudia: Aber womit die Studie dann schließt, ist tatsächlich zu sagen,
Claudia: okay, Bildung rund um die Klimakrise, alles was so damit zu tun hat,
Claudia: war bisher sehr darauf fokussiert, tatsächlich Klimawissenschaft zu beschreiben,
Claudia: also Wissenschaft über die physikalischen Zusammenhänge.
Claudia: Und in Zukunft sollte sich das wohl besser mal auf Lösungen fokussieren und
Claudia: auf gemeinsame Aktionen und auf die Emotionen, die die Jugendlichen dabei haben.
Claudia: Weil wir wissen ja, Wissen über die physikalischen Zusammenhänge macht noch
Claudia: keine Aktion, sondern da ist mehr die Emotion, die dabei ist.
Florian: Das haben wir schon jetzt mittlerweile gelernt, gesehen, nur weil wir wissen,
Florian: dass was Blödes tun wir noch nichts dagegen.
Claudia: Sehr schön fand ich auch, dass Sie sagen, das Effektivste, was man tun kann,
Claudia: ist natürlich immer gemeinsam etwas zu tun und deshalb sollte man auch
Claudia: Jugendlichen und in der Bildung den Leuten beibringen, dass man eben nicht nur
Claudia: alleine was tun soll, eben gemeinsam. Und dann dachte ich so,
Claudia: okay, also bringt den Leuten bei, wie man aktiv ist.
Claudia: Aber natürlich, genau, also wenn du Dinge gemeinsam machst und das sollte man
Claudia: tatsächlich dann vermitteln, wie macht man denn gemeinsam, wie plant man denn
Claudia: gemeinsam Aktionen, wie gibt man sich denn als Gruppe eine Stimme,
Claudia: hat das natürlich einen Kontext.
Florian: Ja, natürlich.
Claudia: Und als letzten Punkt, den Sie noch mitgeben, ist lass die Leute nicht alleine,
Claudia: die sind emotional belastet, das müssen wir anerkennen, also aus Forschenden,
Claudia: aber auch als Leute, die die Bildungsarbeit machen und wir müssen da irgendwie
Claudia: auch Raum dafür bieten, dass sie gemeinsam mit diesen Emotionen umgehen können,
Claudia: weil das ist kein individuelles Problem, sondern das Problem haben mehrere Leute
Claudia: und das sollte man so ein bisschen entstigmatisieren.
Florian: Definitiv.
Claudia: Also das sagte diese zweite Studie, die ich mitgebracht habe und ich fand beides
Claudia: zusammen betrachtet jetzt wirklich spannend.
Claudia: Also wenn man sich bedenkt, im IPCC sind die Jugendlichen irgendwie so Protestbewegungen,
Claudia: Hoffnungsträger, Beteiligte in einem gewissen Bereich, aber eben bitte nicht vollständig.
Claudia: Und wenn man dann reinschaut, genauer reinschaut, dann wird jetzt irgendwie
Claudia: Aktivismus zum Beispiel nicht als eine Belastung beschrieben,
Claudia: sondern als eine Coping-Strategie, obwohl eben Aktivismus auch belastet.
Claudia: Und das Engagement, das hat man ja gesehen, entsteht weniger aus dem Optimismus
Claudia: heraus und Hoffnung, sondern eher aus Sorge und einem Ohnmachtgefühl.
Claudia: Das, was ich eingangs so gesagt habe, ist tatsächlich der Fall.
Claudia: Also wir haben Kinder, die sind als Schutzbedürftige wahrgestellt, als vulnerable Gruppe.
Claudia: Wir haben die Erwachsenen, also uns hier politisch handlungsfähig,
Claudia: klare Zielgruppe der Politik.
Claudia: Und dann haben wir die Jugendlichen, die sind weder das eine noch das andere,
Claudia: die sind irgendwo dazwischen und fallen durch das Raster, also sowohl im IPCC.
Claudia: Ich meine, jetzt ist es besser geworden, aber trotzdem, die Faktenlage ist dünn, als auch in der Politik.
Claudia: Die werden ja selten explizit adressiert, außer mit, bitte hört auf zu nerven
Claudia: und klebt euch nicht auf die Straße.
Florian: Ja, bitte sagt da keiner.
Claudia: Achso, Entschuldigung. Hört auf.
Florian: Genau.
Claudia: Ja, also das ist halt so ein bisschen, also es hat mir nochmal gezeigt,
Claudia: okay, das, was ich so wahrnehme, ist tatsächlich so,
Claudia: auch wenn man auf die Forschung schaut und ja, die Jugendlichen sind informiert,
Claudia: aber die Jugendlichen sind emotional auch stark betroffen, sind auch engagiert
Claudia: und zunehmend frustriert, weil sie haben Verantwortung, also sie kriegen Verantwortung auch verlegt.
Claudia: Bitte engagiert euch und macht doch was, ihr könnt doch auch was tun,
Claudia: ihr könnt euch doch anpassen. Aber sie haben gar keine Gestaltungsmacht.
Florian: Ja, das ist oft ein Problem.
Claudia: Ja, also wir brauchen ein bisschen weniger zukünftige Generationen,
Claudia: bitte macht mal und mehr so die jetzige Jugend. Den sollten wir mal zuhören.
Florian: Aber würdest du sagen, nachdem du das jetzt alles gelesen hast,
Florian: würdest du sagen, die Jugend, wie die drauf ist, was die dann in Zukunft machen
Florian: wird, stimmt dich optimistisch oder nicht oder kann man nicht sagen?
Florian: Ich habe einen bestimmten Grund, warum ich das frage, sage ich dann nachher gleich.
Claudia: Ja, also aus dem, was wir da raussehen, würde ich sagen, kann man nicht sagen.
Claudia: Weil eben die Studienlage so dünn ist, gerade über den emotionalen Teil.
Claudia: Und die Leute, die befragt werden...
Claudia: Und die, die die Umfragen dann mitmachen, sind ja vielleicht auch die,
Claudia: die sich schon eher mit dem Thema befasst haben.
Claudia: Und in bestimmten Schulsettings und in bestimmten Ländern.
Claudia: Also ich glaube, da ist es zu wackelig, um da wirklich was zu sagen. Wieso hast du gefragt?
Florian: Weil ich heute in der Zeitung etwas gelesen habe, also heute aus eurer Sicht
Florian: ist jetzt schon ungefähr drei Wochen her, aber wird es ja nicht so dramatisch
Florian: geändert haben, hat jetzt nichts direkt mit Klima zu tun, indirekt schon.
Florian: Es war eine Umfrage in Österreich, wo alle Wahlberechtigten in Österreich befragt
Florian: wurden und das geht in Österreich mit 16 los. Also da sind wir auch schon im
Florian: Bereich der Jugendlichen bei dir.
Florian: Und so 16 bis, ja keine Ahnung, bis, was wir halt haben in Österreich, repräsentativ.
Florian: Wahlberechtigte österreichische Bevölkerung repräsentativ befragt.
Florian: Und die Frage war, ich lese jetzt vor, so wie sie gestellt wurde in der Umfrage.
Florian: Im nationalen Interesse ist unter bestimmten Umständen eine Diktatur die bessere
Florian: Staatsform. Das war die Frage.
Florian: Du konntest antworten, ich stimme voll und ganz zu. Ich stimme eher zu,
Florian: teils, teils und dann eher nicht zu, überhaupt nicht zu.
Florian: Und ich würde jetzt sagen, alles außer ich stimme überhaupt nicht zu,
Florian: ist eigentlich nicht okay.
Florian: Aber wenn ich jetzt einfach nur mal die Ich stimme voll und ganz und Ich stimme
Florian: eher zu, zähle also die, die sagen, ja, Diktatur ist schon okay und ich zähle
Florian: auch die Teils, Teils dazu.
Florian: Weil ich sage, alle die, die demokratisch bedenklich sind und die Diktatur tendenziell
Florian: gut finden, diese drei Gruppen, österreichweit landen wir damit bei 21 Prozent
Florian: der österreichischen Bevölkerung.
Florian: Und es gibt eine vergleichbare Umfrage, auch aus Deutschland übrigens.
Florian: In Deutschland sind es tatsächlich weniger. In Deutschland sind es 9 Prozent.
Florian: Also immer noch 9 Prozent zu viel. Echt weniger? Ja, also weniger als die Hälfte sind Österreich.
Claudia: Also ich würde sagen, wir haben mehr als 21 Prozent aktuell für bestimmte Parteien.
Florian: Natürlich hat das nichts mit Klima zu tun, aber im Endeffekt schon,
Florian: weil die Staatsform natürlich auch Auswirkungen darauf hat, wie man sich ums
Florian: Klima kümmert. Was ich interessant fand, war die Aufsplittung.
Florian: Weil die haben natürlich dann das gemacht, Männer und Frauen und einfache Bildung,
Florian: höhere Bildung. Da zum Beispiel kein Unterschied. Einfache Bildung,
Florian: höhere Bildung ist im Wesentlichen dasselbe.
Florian: Und nach Parteien natürlich auch, aber das ist jetzt keine große Überraschung.
Florian: Das kann sich jeder selbst und jeder selbst ausdenken, welche Parteien eher
Florian: in der Diktatur wollen und welche keine.
Florian: Das ist sehr, sehr genauso, wie man es sich denkt. Aber was mich überrascht
Florian: und deprimiert hat, war die Aufsplittung nach Alter.
Florian: Weil wenn du dir anschaust, welche Altersgruppe findet...
Florian: Meisten die Diktatur gut sind die 16- bis 29-Jährigen, die Jüngsten.
Florian: Je jünger, desto diktaturfreundlicher.
Florian: Bei den 16- bis 29-Jährigen sind diese drei Antwortgruppen, die ich da zusammenzähle,
Florian: liegen wir bei 31 Prozent und das sinkt auf 50 Jahre und älter auf 15 Prozent.
Claudia: Da kann man natürlich spekulieren über die Distanz zur aktuellen,
Claudia: aber das ist echt interessant.
Florian: Also es fällt mir darauf, dass gerade die jungen Menschen, es geht bis 29 jetzt
Florian: hier, da sind wir schon über den Bereich deiner Jugendlichen aus der Studie
Florian: raus, aber trotzdem, die jungen Menschen finden die Diktatur eher gut als die
Florian: alten Menschen. Bestimmt bin ich nicht gerade hoffnungsfroh.
Claudia: Ja, das ist natürlich eine gewisse Distanz zu der Akt, wie ist es eigentlich
Claudia: tatsächlich in einer Diktatur und zum anderen vielleicht, weil ich es auch gelesen
Claudia: hatte, da müsste ich jetzt aber nochmal raussuchen,
Claudia: ist natürlich, dass gerade in dem Altersbereich eine sehr hohe Polarisierung herstellt.
Claudia: Es gibt die eine unter das andere Extrem, aber wenig in der Mitte.
Claudia: Was natürlich, warum man ganz viel reden kann, warum das so ist und so weiter,
Claudia: dass es dann wahrscheinlich auf der anderen Seite genauso einen krassen Gegenpol gibt.
Claudia: Aber ich weiß, ich finde jetzt aber auch ein Mittelding, finde ich auch nicht
Claudia: gut. Ach, vielleicht ist eine Diktatur jetzt ein bisschen was mehr da.
Florian: Wir machen so das erste Halbjahr Diktatur und dann das zweite Halbjahr Anarchie.
Claudia: Machen wir Anarchie. Ja, läuft bestimmt.
Florian: Ja, also das hat mich heute Morgen beim Zeitunglesen leicht deprimiert.
Florian: Da dachte ich, ich frage mal dich, was du dazu sagst. Aber wir können uns ja nicht ändern.
Florian: Die Jugendlichen sind die, die in Zukunft machen, was auch immer sie machen.
Florian: Und wir müssen halt dann damit leben. Genauso wie die Jugendlichen jetzt damit
Florian: leben müssen, was wir machen.
Claudia: Exakt, weil die eben nicht mitreden dürfen. Aber Verantwortung soll die tragen.
Florian: Ja, genau.
Florian: Wir werden sehen, was die Jugendlichen mit der Welt anstellen.
Florian: Hoffentlich was Besseres, als wir jetzt anstellen. Aber wie du gesagt hast,
Florian: fehlt uns ausreichend Forschung, um das vernünftig einzuschätzen.
Florian: Und es fehlen auch ausreichende gesellschaftliche Maßnahmen,
Florian: um die Jugendlichen so einzubinden, dass sie da gut mitmachen können,
Florian: weil wir lassen sie nicht mitmachen.
Claudia: Okay, ja, Daniel.
Florian: Das war interessant, auch wenn ich kein Jugendlicher mehr bin.
Florian: Aber du zumindest hast gesagt, du fühlst dich noch als Jugendlicher.
Florian: Also insofern ist das ja okay.
Claudia: Ich fühle mich wie ein Kind.
Florian: Ist auch okay. Ich weiß noch nicht, was ich in der nächsten Folge mache.
Florian: Ich muss mir erst ein Thema raussuchen, was ich da besprechen werde.
Florian: Wir sind ja dann auch bald schon wieder an der Grenze zum Frühling fast mit der kommenden Folge.
Florian: Aber gut, Wetter kann man nicht sagen. Vielleicht denkt das Wetter sich,
Florian: nee, will ich nicht. Aber kann sein, dass es schon ein bisschen frühlingshafter
Florian: wird. Vielleicht suche ich mir ein Frühlingsthema raus, mal gucken.
Florian: Dann haben wir zumindest was, worauf wir uns freuen können.
Claudia: Zumindest würde es mir ein bisschen Wärme geben. Das finde ich gar nicht schlecht.
Florian: Ich überlege mal was, mal gucken, was kommt. Ihr werdet es in zwei Wochen erfahren.
Florian: Und bis dahin, wenn ihr uns Feedback geben wollt, wenn ihr selbst Kind oder
Florian: Jugendliche seid, vielleicht haben wir die auch in der Hörerschaft,
Florian: schreibt uns doch mal, wie ihr das so seht.
Florian: Ob ihr die Diktatur toll findet oder ob ihr euch gerne mehr einbinden wollt,
Florian: schreibt uns das, wie ihr das seht.
Florian: Und wir hören es uns dann an und machen das, was wir wollen,
Florian: weil wir sind erwachsen und hier nicht.
Claudia: Genau, ihr dürft überhaupt nicht mitreden.
Florian: Also schreibt uns das bitte, das wäre interessant. Wenn ihr uns sonst was schreiben
Florian: wollt zu dem Thema, vielleicht seid ihr auch irgendwo in der Arbeit mit Kindern
Florian: und Jugendlichen und habt da interessante Dinge, die ihr uns sagen könnt.
Florian: Also was auch immer ihr uns schreiben wollt, schreibt uns das bitte unter podcast.dasklima.fm
Florian: Wenn ihr die weiterführenden Links haben wollt, die Links zu den Studien,
Florian: die Claudia angesprochen hat, dann geht auf dasklima.fm, da gibt es die Shownotes
Florian: mit allen Informationen dazu.
Florian: Ihr könnt das machen, was man mit dem Podcast immer macht. bewerten,
Florian: weitererzählen und so weiter und so fort.
Florian: Könnt ihr alles machen. Ihr könnt uns abonnieren, ihr könnt uns Sternchen geben
Florian: und was immer so man auch tun kann.
Florian: Ihr könnt anderen Leuten von dem Podcast erzählen, ihr könnt den Podcast unterstützen.
Florian: All die Informationen dazu gibt es in den Show Notes und am besten ist es,
Florian: ihr hört uns einfach in der nächsten Folge wieder zu,
Florian: wenn wir vom Frühling sprechen oder auch nicht, vielleicht zitiere ich den Osterspaziergang,
Florian: die konnte ich mal auswendig, vom Eise befreit sind Flüsse und Bäche durch das
Florian: Frühlingsholden belebenden Blick im Tale grünet Hoffnungsglück.
Florian: Der alte Winter in seiner Schwäche zog sich in
Florian: fernere Berge zurück. Da hörst du schon wieder auf. Ja, mal schauen.
Florian: Goethe und der Klimawandel machen wir nächste Folge.
Claudia: Es gab es nicht, warte, ich muss noch was dagegen halten. Gab es nicht auch
Claudia: irgendwie so Rap-Musik zum Frühling? Das ist Frühling, ich gehe raus.
Florian: Ja, wahrscheinlich jede Menge. Wenn wir einfach eine Frühlingsfolge machen wollen,
Florian: hätten wir wahrscheinlich genug Material, aber wir müssen das Klima irgendwo unterbringen.
Florian: Mal gucken. Ich werde was finden bis dahin. Bis dahin verabschieden wir uns. Tschüss.
Claudia: Ich mag die Deutsche Bahn, die hat sich zu sehr meckern, aber mit hohen Temperaturen
Claudia: und mit niedrigen Temperaturen kommt sie nicht so klar.
Claudia: Und was das genau für Temperaturen sind, definiert sie jedes Mal neu.
Florian: Gut, zum Glück müssen wir zum Reden nicht durch die Gegend fahren,
Florian: sondern können das über das Internet erlegen.
Florian: Das Internet kommt noch klar mit der Temperatur, aber wer weiß wieder,
Florian: was da noch mal passiert.
Claudia: Aktuell noch, immerhin haben wir Internet. Okay, so.
Florian: Jetzt machen wir Brief-Podcast. Wir schicken uns Briefe und dann lesen wir sie
Florian: jeweils vor und dann nehmen wir das auf.
Claudia: Und dann schicke ich dir einfach so einen USB-Stick per Post.
Florian: Genau.
Claudia: Ja, klingt, klingt total logisch. Dann lasse ich immer so lücken, wo du was sagen sollst.
Florian: Genau, ja.
Neuer Kommentar