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DK162 - Wie die Klimakrise Konflikte verstärken kann

Shownotes

DK162 - Wie die Klimakrise Konflikte verstärken kann

Und: Was können wir dagegen tun?

"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.

In Folge 162 geht es um den Zusammenhang zwischen Klima und Konflikten? Kann die Klimakrise Konflikte auslösen, und wenn ja: Wie? Und vor allem: Was können wir dagegen unternehmen? Das hat sich die Wissenschaft anhand historischer Daten aus Europa angesehen.

Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter.

Klima, Wetter und Konflikte

Wetter begleitet uns jeden Tag. Und Konflikte irgendwie auch. Die Klimakrise verändert das Wetter – also drängt sich eine große Frage auf: Was bedeutet das für gesellschaftliche Spannungen und politische Konflikte?

Das hat die Arbeit mit dem Titel „A climate of conflict: How the Little Ice Age sparked rebellions and revolutions across Europe“ untersicht. Sie beschäftigt sich nicht mit Gegenwart oder Zukunft, sondern mit der Vergangenheit.

Im Zentrum der Studie steht die sogenannte Kleine Eiszeit. Wie lange diese Phase genau dauerte, ist in der Forschung umstritten; die Autor*innen datieren sie grob auf den Zeitraum von etwa 1250 bis 1860. Es war eine Epoche, die insgesamt kühler und trockener war als die Jahrhunderte davor und danach – aber vor allem war sie geprägt von extremen Schwankungen. Die Kleine Eiszeit war also keine gleichmäßige Abkühlung, sondern eine Zeit voller klimatischer Unberechenbarkeit.

Historikerinnen und Klimaforscherinnen beschäftigen sich schon lange mit der Frage, wie Umweltbedingungen den Verlauf der Geschichte beeinflussen - siehe dazu das Buch “Wie das Wetter Geschichte macht: Katastrophen und Klimawandel von der Antike bis heute”. Dürreperioden, extreme Kälte, Missernten – all das kann Gesellschaften destabilisieren. Klima ist dabei kein isolierter Schicksalsfaktor, aber es kann ein Katalysator für Krisen sein.

Ein Beispiel liefern die Autor*innen gleich in der Einleitung: die Französische Revolution. Bereits um 1770 erlebte Europa eine besonders kalte Phase, die der Landwirtschaft schwer zusetzte. In Frankreich kam es 1775 zu Getreidemangel infolge mehrerer schlechter Ernten, Unruhen brachen aus. 1783 verschärfte der Ausbruch des isländischen Vulkans Laki die Lage zusätzlich: Das Wetter in Nordeuropa spielte verrückt – ein extrem heißer Sommer mit Gewittern und Hagel, gefolgt von einem sehr harten Winter, dann wieder Überschwemmungen durch rasche Schneeschmelze. In den folgenden Jahren reihten sich Wetterextreme aneinander. Hunger, Armut und Stress nahmen zu, während Frankreich gleichzeitig in eine Finanzkrise rutschte. 1788 folgten eine extreme Dürre und ein bis dahin beispielloser Hagelsturm; die Getreidepreise explodierten, viele Menschen mussten ihr gesamtes Einkommen für Brot ausgeben. Der Winter 1788/89 war einer der kältesten überhaupt – und im Sommer 1789 kam es schließlich zum Sturm auf die Bastille.

Hat also das Klima die Französische Revolution ausgelöst? So einfach ist es nicht. Und genau hier setzt die Studie an: Sie versucht, den Zusammenhang systematisch zu untersuchen. Dazu stellten die Forschenden eine historische Datenbank mit 140 dokumentierten Rebellionen und Revolutionen in Europa, Russland und dem Osmanischen Reich zusammen, für den Zeitraum von 1570 bis 1860, in dem die Quellenlage besonders gut ist. Diese Daten kombinierten sie mit Klimarekonstruktionen (Temperatur aus Baumringen, Niederschlagsdaten, Dürreindizes), Informationen zur Sonnenaktivität, Daten zu vulkanischer Aktivität sowie historischen Getreidepreisen. Mithilfe statistischer Methoden analysierten sie dann die Zusammenhänge.

Das Ergebnis: Besonders kalte Phasen gingen mit einer deutlich höheren Konfliktdichte einher. Auch geringe Niederschläge und starke Dürre korrelieren mit mehr Konflikten, wenn auch etwas schwächer. Sehr deutlich ist der Zusammenhang bei den Getreidepreisen: Steigen die Preise stark, nehmen soziale Unruhen signifikant zu. Phasen, in denen mehrere Belastungen zusammenkamen – kalt, trocken, geringe Sonnenaktivität, hohe Preise – decken sich zeitlich mit den höchsten Peaks an Rebellionen und Revolutionen. Der stärkste dieser Peaks liegt zwischen 1775 und 1845, mit bis zu 1,4 Konflikten pro Jahr. Auch Phasen intensiver vulkanischer Aktivität, erkennbar an erhöhten Sulfat- und SO₂-Konzentrationen, fallen auffällig oft mit Konfliktspitzen zusammen.

Was folgt daraus? Erstens: Klima entscheidet nicht, ob Konflikte entstehen, sondern wie häufig und wie heftig sie eskalieren. Zweitens: Klimaveränderungen können Gesellschaften destabilisieren – vor allem dann, wenn ihre Anpassungsfähigkeit begrenzt ist. Drittens zeigt die Analyse einen zentralen Vermittlungsmechanismus: Mangelernährung. Klimastress führt zu schlechten Ernten, diese zu steigenden Preisen, Hunger und einer geschwächten Bevölkerung. Dadurch sinkt die gesellschaftliche Resilienz, Frustration und Wut nehmen zu. Hungersnöte sind dabei jedoch keine zwangsläufige Folge des Klimas, sondern entstehen oft durch institutionelles Versagen: schlechte Krisenpolitik, ungerechte Verteilung, fehlende soziale Sicherung. Der Druck kommt vom Klima – das Ausmaß der Katastrophe wird politisch mitbestimmt.

Die Studie zeigt auch, dass es anders gehen kann. England etwa schnitt in vielen Krisenphasen besser ab – unter anderem durch frühe politische Reformen, Innovationen in Landwirtschaft und Industrie sowie durch koloniale Strukturen, die als eine Art soziales und demografisches Sicherheitsventil wirkten.

Und was heißt das für uns heute? Klima ist eine ernsthafte Herausforderung für gesellschaftliche Stabilität. Aber wir sind ihr nicht hilflos ausgeliefert. Resiliente Landwirtschaft, funktionierende Gesundheitssysteme, soziale Absicherung und eine vorausschauende Politik können die negativen Folgen erheblich abfedern.

Oder, wie es die Autor*innen selbst formulieren: ”Die Kleine Eiszeit wirkt wie ein Weckruf. Sie zeigt, wie unzureichende Anpassung an klimatische Unsicherheit und das Versäumnis, die Folgen des Klimawandels abzumildern, zu Aufständen gegen staatliche Autoritäten führen können.”

Bücher

Das neue Buch von Florian heißt “Die Farben des Universums”, erscheint im Februar 2026 und kann schon vorbestellt werden.

Das neue Buch der Science Buster heißt "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" und erscheint im Hanser Verlag. Tickets und Infos für die Live Show gibt es unter sciencebusters.at Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live.

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Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.

Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft.

Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:

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Transkript anzeigen

Claudia: Hier ist das Klima, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise.

Claudia: Wir lesen und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung jeden zweiten

Claudia: Montag mit Florian Freistetter.

Florian: Und mit Claudia Freck. Herzlich willkommen zur ersten Folge des neuen Jahres.

Florian: Nicht, weil wir hatten ja schon eine Folge im neuen Jahr, aber die Folge,

Florian: die erste Folge im neuen Jahr, das war ja eine Folge, wo wir nur peripher beteiligt

Florian: waren, wenn man es so sagen will.

Claudia: Ja, es gab viele Klimagefühle, aber nicht von uns.

Florian: Ja, genau.

Claudia: Genau. Ja, wir haben uns von den Podcasts aus der Veranstaltung an der Uni München

Claudia: ein bisschen was reingehört.

Claudia: Wir haben ein bisschen über Klima-Hoffnung gesprochen, beziehungsweise haben wir darüber gehört.

Florian: Genau. Das war eine Lehrveranstaltung mit Studierenden aus der Psychologie,

Florian: die sich mit Klima beschäftigt haben und im Rahmen eines Moduls zur Wissenschaftskommunikation

Florian: Podcasts erstellt haben.

Florian: Und ich durfte ihnen erklären, wie sie das machen sollen und sie haben es eh

Florian: sehr, sehr hervorragend gemacht und diejenigen, die sich dazu bereit erklärt haben,

Florian: ihre Produkte auch öffentlich zu zeigen, denen habe ich angeboten,

Florian: das in unserem Podcast zu tun und das haben wir letztes Mal gemacht und wir

Florian: werden es vielleicht irgendwann auch wieder machen, weil ich werde das in diesem

Florian: Semester oder nächstes Semester, es ist ja eigentlich erst,

Florian: im nächsten Semester, im Sommersemester, wieder machen an der Uni München und

Florian: dann gibt es vielleicht wieder Podcasts, die wir uns hier anhören können von den Studierenden dort.

Claudia: Vielen Dank.

Claudia: Ja, auf jeden Fall. Also ich würde sie mir immer wieder anhören. Von daher sehr gerne.

Florian: Macht ihr auch nicht irgendwie Podcasts in der Wisskom bei euch auf der Uni?

Claudia: Ein bisschen, aber wir produzieren jetzt nichts zum Thema Klima.

Florian: Achso, ja gut, muss ja nicht alles Klima sein, aber es gibt ja andere. Noch nicht. Kommt noch.

Florian: Falls du Geld übrig hast, dann lad mich ein, dann erzähle ich auch gerne was.

Florian: Ich meine, du kennst dich genauso gut aus, aber...

Claudia: Naja, also du kennst dich ja schon so ein bisschen besser aus.

Claudia: Ja, aber worum geht es denn heute?

Florian: Heute habe ich mir was Besonderes ausgesucht, was ein bisschen anders ist als

Florian: das, was wir sonst machen.

Florian: Wir schauen erstens in die Vergangenheit und zweitens ein bisschen auch vermehrt aufs Wetter.

Florian: Also Wetter und Klima ist ja sowieso immer so eine komische Verbindung.

Florian: Sie ist eigentlich gar nicht komisch, aber es ist halt eine Verbindung,

Florian: die oft ein bisschen unklar ist, weil Klima ist Wetter, aber Wetter ist nicht Klima.

Florian: Und jede Menge Wetter über längere Zeiten ist Klima. Also das ist alles immer

Florian: so ein bisschen verwirrend.

Florian: Aber wir wissen auf jeden Fall, dass wir jeden Tag Wetter haben.

Florian: Das können wir mal festhalten.

Claudia: Das ist eine Aussage, die kann ich komplett unterstützen. Wir haben jeden Tag Wetter.

Florian: Genau. Eine etwas deprimierendere Aussage, die leider auch richtig ist,

Florian: ist, dass es ständig irgendwo auf der Welt Konflikte gibt.

Claudia: Ja, das könnten wir gerade so sagen.

Florian: Ja, und außerdem wissen wir, dass die Klimakrise das Wetter verändern wird,

Florian: die Wettermuster verändert.

Florian: Und die Frage, die wir uns heute anschauen, ist, was bedeutet das für Konflikte?

Florian: Also es geht um den Zusammenhang zwischen Wetterveränderung.

Florian: Klima und Konflikten, aber eben nicht in der Zukunft, sondern in der Vergangenheit.

Florian: Weil das Problem ist ja, dass wir in die Zukunft schwer schauen können.

Florian: Beim Klima geht es noch halbwegs, aber wenn es darum geht, was Menschen treiben,

Florian: ist es schwerer, in die Zukunft zu schauen.

Florian: Verlässlich, da sind wir in der Wissenschaft nicht so gut, dass wir genau vorhersagen

Florian: können, wann irgendwo in 20 Jahren ein Konflikt ausbrechen wird.

Florian: Das ist eher schwierig mit den Methoden, die wir haben.

Florian: Aber wir können in die Vergangenheit schauen. Wir ignorieren jetzt auch die

Florian: Konflikte der Gegenwart. Da gibt es jede Menge davon, aber wir schauen in die Vergangenheit.

Florian: Und der Hinweis auf diese wissenschaftliche Arbeit kam tatsächlich von einer Hörerin, Christiane.

Florian: Wir kriegen ja immer wieder nette E-Mails von euch, die wir leider nicht alle beantworten können.

Florian: Wir lesen sie alle und es sind immer wieder auch nette Hinweise dabei.

Florian: Also wir lesen das und wenn es passt, berücksichtigen wir eure Hinweise auch.

Florian: Aber wie gesagt, antworten, da fehlt uns leider die zeitliche Möglichkeit,

Florian: die Ressourcen, dass wir da auf alles antworten können.

Florian: Aber in dem Fall hat uns Christiane einen Hinweis geschickt auf diese Arbeit

Florian: und gefragt, ob wir vielleicht eine Folge machen.

Florian: Und ich habe mir das angeschaut und habe mir gedacht, ja, da machen wir eine

Florian: Folge dazu, weil das klingt interessant.

Florian: Das ist eine Arbeit, die ist erst vor kurzem erschienen, November 2025.

Florian: Ich weiß gerade nicht, ob sie frei ist, die Arbeit. Oh ja, nein, sie ist nicht frei.

Florian: Aber es ist auch nicht so wichtig, dass du oder ihr jetzt da genau hineinschaut,

Florian: weil Abbildungen da drinnen sind nicht relevant.

Florian: Also sind schon relevant für die Forschung, aber wir müssen sie jetzt für den

Florian: Podcast hier nicht durchbesprechen, die Abbildungen.

Florian: Und ich probiere halt das in dieser Arbeit möglichst gut darzustellen.

Florian: Das heißt, es gibt jetzt vorerst, ihr vertraut mir vollkommen nicht,

Florian: vorerst keinen Grund in diese Arbeit reinzuschauen, wenn ihr diese Folge anführt.

Florian: Die Arbeit heißt A Climate of Conflict, How the Little Ice Age Sparked Rebellions

Florian: and Revolutions Across Europe.

Florian: Also Klima des Konflikts, wie die kleine Eiszeit Rebellionen und Revolutionen

Florian: überall in Europa entstehen.

Florian: Ausgelöst hat oder so ungefähr kann man es übersetzen. Die Arbeit stammt von

Florian: David Kanjewski von der Uni in Toulouse mit anderen Leuten aus Frankreich und

Florian: auch aus dem Iran. Die schauen wir uns jetzt an.

Florian: Die kleine Eiszeit, die wird dir sicherlich was sagen.

Claudia: Ja, habe ich schon mal von gehört.

Florian: Genau, werdet ihr auch schon mal gehört haben. Die ist jetzt gar nicht so sehr das Thema dieser Folge.

Florian: Das wäre dann eher was meteorologisches, klimatisches. Das können wir vielleicht

Florian: mal irgendwie in einer anderen Folge machen. Es ist auch nicht ganz klar,

Florian: beziehungsweise die Wissenschaft ist sich nicht ganz einig, wie lange die gedauert hat, von wann bis wann.

Florian: Also je nachdem, wo man schaut, gibt es unterschiedliche Zeitangaben.

Florian: Aber in dieser Arbeit wird sie angesetzt von 1250 bis 1860.

Florian: Ein relativ langer Zeitraum. Und was war das? Das war jetzt nicht Eiszeit im

Florian: Sinne von, die ganze Welt war voll mit Gletschern, überall sind Mambuts rumgelaufen

Florian: oder sowas, sondern es war eine lange Periode mit kühleren und trockeneren Bedingungen als sonst.

Florian: Und das ist auch wichtig, diese kleine Eiszeit, die war nicht einfach nur eine

Florian: gleichmäßige Abkühlung.

Florian: Es sind nicht einfach nur überall kälter geworden, sondern es waren Perioden

Florian: mit extremeren Wetterphasen.

Florian: Die Durchschnittsommer in dieser kleinen Eiszeit, die waren so ein halbes Grad

Florian: kälter als sonst, aber mit einer Schwankungsbreite von ungefähr einem halben Grad.

Claudia: Gut, das ist nicht so viel.

Florian: Also im Prinzip war es schon kälter, aber wie gesagt, es gab durchaus in dieser

Florian: kleinen Eiszeit extrem heiße Sommer. Die Kälteanomalien waren auch teilweise

Florian: extrem, also fast bis 1,75 Grad Minus. Also ist es kälter geworden.

Florian: Der Niederschlag ist auch extrem variabel gewesen, teilweise extrem viel,

Florian: teilweise Reduktion um bis zu 50 Prozent.

Florian: Also ich will das gar nicht so im Detail machen, weil das nicht der Fokus dieser

Florian: Arbeit ist. Aber die kleine Eiszeit heißt jetzt nicht, es ist überall kälter geworden.

Florian: Und wir reden auch nur von Europa, weil die kleine Eiszeit war jetzt auch kein

Florian: globales Phänomen in dem Sinne.

Florian: Sondern die kleine Eiszeit war mehr als einfach nur kälter. Sondern das Wetter

Florian: ist extremer geworden in dieser Zeit.

Florian: Und was der Grund für die kleine Eiszeit war, da gibt es auch unterschiedliche

Florian: Ansichten, will ich jetzt auch nicht im Detail aufarbeiten.

Florian: Aber es gab einen verstärkten Vulkanismus zu der Zeit.

Florian: Es gab eine Wiederbewaldung der landwirtschaftlichen Flächen,

Florian: weil davor, also so Mittelalter herum, oder frühes Mittelalter herum,

Florian: die Bevölkerung durch Krankheiten wie die Pest stark zurückgegangen ist.

Florian: Das heißt, es gab weniger Menschen, dadurch gab es landwirtschaftliche Flächen,

Florian: um die sich keiner mehr gekümmert hat. Es war drauf gewachsen und ja,

Florian: das hat dazu geführt, dass mehr CO2 aus der Luft geholt worden ist und es ist kälter geworden.

Florian: Golfstrom war vielleicht ein bisschen schwächer, die Milankovitsch-Zyklen,

Florian: also die astronomischen Variationen in Erdachse und Erdbahn und so weiter.

Florian: Also all das zusammen wird auf die eine oder andere Art dazu geführt haben,

Florian: dass wir das gehabt haben. Aber wie gesagt...

Florian: Kleine Eiszeit selbst ist jetzt nicht das Thema dieser Folge,

Florian: sondern wir fangen mit der Geschichte an.

Florian: Dass die Wissenschaft oder die historische Wissenschaft sich mit dem Zusammenhang

Florian: zwischen Klima und Wetter oder allgemeiner Umweltbedingungen und eben ihrem

Florian: Einfluss auf den Verlauf der Geschichte und der Gesellschaft beschäftigt,

Florian: das ist ja jetzt nichts Neues dagegen.

Florian: Schon einiges dazu. Gibt es auch ein paar nette populärwissenschaftliche Bücher,

Florian: wo ich mir eigentlich vor der Show noch aufschreiben wollte,

Florian: wie das eine heißt, aber irgendwas mit Klima- und Weltgeschichte,

Florian: glaube ich, das ich recht interessant habe.

Florian: Buch dazu schreiben, sonst weiß meine Suchmaschine nicht, dass ich ein Buch haben will.

Florian: Ich werde das nachreichen. Ich habe das hier im Regal stehen,

Florian: aber wie das Klimageschichte macht oder irgendwie so ähnlich heißt,

Florian: dieses Buch, fand ich ganz spannend, dass ich es gelesen habe.

Florian: Also das ist was, das hat die Geschichte schon, die Geschichtswissenschaft schon

Florian: auf dem Schirm, dass man eben die Geschichte der Menschheit nicht nur daran

Florian: erzählt, was irgendwelche Könige getrieben haben, sondern dass natürlich die

Florian: Umwelt auch eine Rolle gespielt hat.

Florian: Weil es ist auch ganz klar, wenn es irgendwo Frost, Dürre, Ernteausfälle und

Florian: sowas gibt, na ja, natürlich hat das dann zur Folge, dass es irgendwas so Unsicherheit,

Florian: Chaos, Unruhen in der Gesellschaft gibt. Da kann man sich leicht klar machen, dass das so ist.

Florian: Aber, und das ist auch wichtig, und weil es wichtig ist, werde ich es öfter

Florian: sagen im Laufe dieser Folge, Das Klima ist nie ein isolierter Faktor,

Florian: aber das Klima kann Katalysator von Krisen sein.

Florian: Und ein Beispiel findet man gleich in der Einleitung dieses Fachartikels,

Florian: nämlich die Französische Revolution.

Claudia: Ach, okay, gut. Da bin ich jetzt gespannt. Die Französische Revolution?

Florian: Also ich stelle es jetzt nur natürlich sehr, sehr kursorisch dar.

Florian: Also da gibt es natürlich auch jede Menge, was man da zu dem Thema anderswo lesen kann.

Florian: Also alle, die historische Expertise haben, mögen meine kurze Darstellung entschuldigen.

Florian: Im Wesentlichen fängt es an, zumindest im Kontext des Papers fängt es an,

Florian: dass es um 1770 rum in Europa eine sehr kalte Periode gab, was große Probleme

Florian: für die Landwirtschaft geschaffen hat.

Florian: Das hat dazu geführt, dass 1775 in Frankreich ein großer Getreidemangel geherrscht

Florian: hat als Resultat mehrerer schlechter Ernten hintereinander.

Florian: Und dieser Getreidemangel, der hat dann natürlich zu gesellschaftlichen Unruhen geführt.

Florian: Dann, ein paar Jahre später, 1783, ist in Island der Vulkan Laki ausgebrochen,

Florian: was zu einem extrem instabilen Wetter in Nordeuropa geführt hat.

Florian: Der Sommer 1783, der war extrem heiß, mit Gewitterstürmen, Hageln und so weiter.

Florian: Und dann kam ein extremer Winter, ein sehr warmer Frühling, was dazu geführt

Florian: hat, dass die Schneeschmelze deutlich stärker abgelaufen ist als sonst,

Florian: was zu Überflutungen geführt hat, was dann natürlich für die Landwirtschaft

Florian: nicht so super war. Und so ist es immer weitergegangen.

Florian: Also Sommer, Hitze, Stürme, eiskalte Winter und so weiter.

Florian: Also das Wetter war komplett aus dem Ruder, was dann in der Folge natürlich

Florian: wieder bei der Bevölkerung zu Hunger, zu Armut, zu Stress in jeglicher Form

Florian: geführt hat und zu einer Finanzkrise in Frankreich.

Florian: 1788, da gab es in Frankreich eine extreme Dürre.

Florian: Im Juli 1788 den extremsten Hagel bisher, was man bisher gewusst hat.

Florian: Die Getreidepreise sind extrem angestiegen. Die Menschen haben quasi ihr ganzes

Florian: Geld für Brot ausgeben müssen, was dazu geführt hat, dass die Wirtschaft im

Florian: Wesentlichen zusammengebrochen ist.

Florian: 1789 war dann noch der kälteste Winter bis dahin.

Florian: Hat auch extrem lange gedauert, was alles noch viel schlimmer gemacht hat und

Florian: im Sommer 1789, da war dann der Sturm auf die Bastille.

Florian: So, jetzt könnte man sagen, Klima hat die Französische Revolution ausgelöst.

Claudia: Ausgelöst, ja. Und.

Florian: Ist natürlich nicht so oder es ist nicht so einfach, sondern es geht um den Zusammenhang.

Florian: Es geht um die Frage, wie hängt es jetzt zusammen? Weil natürlich,

Florian: das, was ich jetzt gerade gesagt habe, das war so.

Florian: Und natürlich kann man sich denken, ja, wenn du da jahrelang extremste Bedingungen

Florian: hast, wettermäßig, die dann über Missernten und so weiter zu Hunger,

Florian: zu Armut, zu Wirtschaftskrisen führen, ja klar, kann es dann sein,

Florian: dass irgendwo mal eine Revolution rauskommt am Ende.

Florian: Und wie der Zusammenhang genau ist, das war das Thema dieser Arbeit.

Florian: Die Methodik möchte ich jetzt auch nicht im Detail eingehen.

Florian: Ich erkläre schon, wie Sie es gemacht haben, aber da ist dann sehr viel Statistik

Florian: mit dabei und statistische Methoden, die ich jetzt da nicht eins zu eins reproduzieren

Florian: kann, sonst müsste man noch ein paar Folgen bei Mathematik einschieben.

Florian: Aber im Wesentlichen haben Sie mal geschaut, okay, Rebellion.

Florian: Wir müssen mal herausfinden, wo, wann, wo hat wer rebelliert.

Florian: Die Wissenschaft natürlich sowas. Es gibt historische Datenbanken oder es gibt

Florian: eine historische Datenbank mit 140 dokumentierten Rebellionen und Revolutionen

Florian: in Europa, Russland und dem Osmanischen Reich. Also der Ecke da bei uns quasi.

Florian: Und die gibt es und daraus haben sie sich die Zeit von 1570 bis 1860 rausgeholt,

Florian: weil es da besonders gute Quellen gibt.

Florian: Also da ist die Quellenlage sehr gut. Und dann, wie gesagt, ein erster Schwung

Florian: statistischer Methoden, um diese Daten alle irgendwie vernünftig aufzubereiten

Florian: und zugänglich zu machen.

Florian: Dann haben sie sich alle möglichen Klimamarker angeschaut, Sonnenaktivität und solche Sachen.

Florian: Es gibt auch Datenbanken, sie haben Klima- und Wirtschaftsdatenbanken genommen,

Florian: also Temperaturdaten kann man sich aus Baumringen rausholen,

Florian: historische Niederschlagsdaten genauso. Es gibt einen Dürre-Index,

Florian: haben wir auch schon besprochen, dass es sowas gibt.

Florian: Das kann man auch alles historisch aus diversesten klimatologischen Forschungsergebnissen sich rausholen.

Florian: Die Getreidepreise, die historischen, die kann man auch verwenden als Wirtschaftsindikator.

Florian: Und auch die sind aufgezeichnet. Also sie haben sich mal einen ganzen Haufen

Florian: Daten besorgt und dann die vorhin schon erwähnte statistische Maschinerie draufgeworfen,

Florian: die ich jetzt nicht im Detail erklären will.

Florian: Aber mit der war es dann möglich, so Clusteranalysen und alles sowas zu machen.

Florian: Was hängt mit wem zusammen?

Florian: Wie hängt was zusammen? Wie stark hängt was zusammen? Kann man mit dieser mathematischen

Florian: Methode dann alles entsprechend machen. Und das haben sie gemacht.

Florian: Und was da rausgekommen ist, das steht dann im Paper. Da schauen wir uns das an.

Claudia: Okay, okay.

Florian: Das Erste, was Sie in dieser Arbeit zu den Ergebnissen sagen,

Florian: was ich schon gesagt habe, was wichtig ist, es entscheidet kein einzelner Umweltfaktor,

Florian: sondern es entscheidet das Zusammenwirken mehrerer Faktoren.

Florian: Das ist logisch. Wir können jetzt nicht sagen, wenn die Klimaforschung vorhersagt,

Florian: nächstes Jahr gibt es eine starke Dürre in Asien, dann wissen wir, da gibt es Revolution.

Florian: Also so einfach ist es nicht, sondern es hängt immer viel zusammen.

Florian: Was sich gezeigt hat, wenn wir jetzt mal so die Temperatur alleine anschauen.

Florian: Wenn es in dieser Zeit besonders kalt war, dann gab es mehr Konflikte und die

Florian: höchste Konfliktdichte, die gab es bei den am stärksten negativen Temperaturabweichungen.

Florian: Also immer damit die Temperatur besonders stark gesunken ist,

Florian: wenn es besonders kalt war, dann gab es auch besonders viele Konflikte.

Florian: Das war mal das Erste, was Sie mal rein statistisch rausgekriegt haben.

Florian: Was Sie über Niederschlag gesagt haben, also Niederschlag und Dürre,

Florian: geringer Niederschlag, starke Dürre, auch das korreliert mit einer erhöhten

Florian: Zahl an Konflikten, aber da

Florian: ist der Zusammenhang schon ein bisschen schwächer als bei der Temperatur.

Florian: Also Temperatur ist ein stärkerer Treiber als der Niederschlag.

Florian: Und die Getreidepreise, jetzt wenig überraschend, je höher der Getreidepreis,

Florian: desto mehr soziale Konflikte gab es. Im Detail...

Florian: Da haben sie es sich auch angeschaut. Das war jetzt mal nur der erste grobe Überblick.

Florian: In kalten, trockenen Phasen in dieser Zeit, dann stimmen die hohen Preise,

Florian: Getreidepreise, zeitlich mit den Höchstständen der Rebellion und Revolution überein.

Florian: Und den stärksten Peak, den haben sie gemessen zwischen 1775 und 1845.

Florian: Da gab es bis zu 1,4 Konflikte pro Jahr.

Claudia: 1,4 Konflikte? Erinnere mich wieder an 1,2 Kinder pro Pärchen und so.

Florian: Da habe ich dann wieder 0,4 Konflikt ausschaut. Also ja, es ist eh nicht lustig, aber...

Claudia: Nee, aber ich meine, es geht ja auch über Jahre. Und erzählt es dann über die

Claudia: Jahre, das ist natürlich irgendwie so eine statistisch wahrscheinlich wilde Zahl.

Florian: Was ich auch interessant fand, natürlich die vulkanische Aktivität war auch drin in den Daten.

Florian: Das hat man gemessen über die Konzentration von Sulfat und Schwefeldioxid und

Florian: so weiter, was man da alles so in den diversen geologischen Datenbanken drin hat.

Florian: Die Phasen erhöhter vulkanischer Aktivität, die fallen mit den Spitzen in der

Florian: Konflikthäufigkeit zusammen. Je stärker das vulkanische Signal war,

Florian: desto höher war auch die durchschnittliche Anzahl an Konflikten.

Florian: Also Vulkanismus korreliert mit den Konflikten.

Claudia: Okay, ja, das macht durchaus wieder Sinn. Es ist ja auch neben eine Katastrophe,

Claudia: die Dinge eben hervorrufen kann. Ja, klar.

Florian: Und es gibt noch sehr viel mehr Daten. Also wenn ihr das wirklich wollt,

Florian: wenn ihr irgendwo Kontakt-Zonis habt, dann könnt ihr auch gerne reinschauen in diese Arbeit.

Florian: Da stehen noch jede Menge andere Daten drin. Die will ich jetzt aber gar nicht

Florian: alle reproduzieren, weil ohne jetzt auf die ganze Mathematik und alles einzugehen,

Florian: wird nicht deutlich klarer das, was ich gesagt habe, als das,

Florian: was ich am Anfang schon gesagt habe,

Florian: dass es wie im Beispiel der französischen Revolution halt klar ist,

Florian: dass die Dinge so zusammenhängen, Wenn es Probleme mit dem Wetter gibt,

Florian: gibt es Probleme mit der Landwirtschaft, gibt es Probleme mit der Nahrungsmittelversorgung,

Florian: gibt es Probleme mit der Gesellschaft und dann kommt die Revolution.

Florian: Also das zeigen auch die Daten. Was ich interessanter fand, war dann das Fazit von dem Ganzen.

Florian: Was heißt das jetzt alles? Sie haben das da...

Florian: So zusammengefasst. Erstens, und ich sage es jetzt zum dritten Mal,

Florian: Klima entscheidet nicht, ob Konflikte entstehen, aber Klima entscheidet,

Florian: wie stark und häufig Konflikte eskalieren. Das ist das, was Sie herausbekommen haben.

Florian: Zweitens, die Klimaveränderungen, die können eine Gesellschaft destabilisieren,

Florian: vor allem dann, wenn die Anpassungsfähigkeit der Gesellschaft begrenzt ist.

Florian: Wir werden uns das jetzt noch ein bisschen genauer anschauen.

Florian: Und drittens, und das zeigen Ihnen die Daten auch, und das fand ich dann durchaus

Florian: so bemerkenswert, dass ich es nochmal bemerken möchte.

Florian: Drittens haben Sie gesagt, der Vermittlungsmechanismus zwischen Klima und Konflikten.

Florian: Also das, was dafür sorgt, dass das Klima einen Einfluss auf die Konflikte haben

Florian: kann, das ist Mangelernährung.

Florian: Du hast Klimastress, der führt zu schlechter Ernte, das führt zu steigenden Preisen,

Florian: das führt zu Hunger und zu einer geschwächten Bevölkerung, das führt zu einer

Florian: geringeren Resilienz, gegen was auch immer sonst noch kommt,

Florian: Das führt zu einer sozialen Wut und dann am Ende zu einem Konflikt.

Florian: Also Hungersnöte sind keine zwingende Folge des Klimas. Es geht um die Mangelernährung.

Florian: Eine Hungersnot muss nicht zwingend aus Klima folgen, sondern Hungersnot entsteht

Florian: durch institutionelles Versagen.

Florian: Durch eine schlechte Krisenpolitik.

Florian: Das heißt, und das ist ein zentraler Satz aus dieser Arbeit, der Druckkrieg.

Florian: Der kommt vom Klima, aber das Ausmaß der Katastrophe, das wird von der Politik

Florian: bestimmt. Und das ist wichtig.

Claudia: Ja, das Ausmaß der Katastrophe wird von der Politik bestimmt,

Claudia: möchte ich einfach so als Satz auch einfach stehen lassen.

Florian: Und Sie bringen in der Arbeit auch ein Positivbeispiel, nämlich England.

Florian: Und in England haben wir jetzt keine dramatische Revolution oder sowas.

Florian: Und Sie sagen, da gibt es doch Gründe dafür, warum das in England nicht so war.

Florian: In England gab es schon, also jetzt immer im Vergleich zu Frankreich oder den

Florian: anderen zentraleuropäischen Ländern, In England gab es schon früh politische Reformen.

Florian: Man hat die Monarchie beschränkt, zum Beispiel.

Florian: Also immer noch Monarchie, aber jetzt nicht die Art von Monarchie,

Florian: die wir in Frankreich hatten vor der Revolution.

Florian: Das war eine ganz andere Art von Monarchie. England war stark,

Florian: was Innovation in Industrie und Landwirtschaft angeht.

Florian: Also die ganze industrielle Revolution, heißt ja so, hat in England angefangen.

Florian: Das heißt, die waren da schon anders aufgestellt als die in Zentraleuropa, wo es noch nicht so war.

Florian: Und das kann man jetzt ja gut oder schlecht finden, beziehungsweise tendenziell

Florian: eher schlecht finden. Aber jetzt in dem Kontext ist es gut.

Florian: England hatte Kolonien überall und die waren so eine Art Sicherheitsventil für

Florian: soziale und demografische Spannungen.

Florian: Das heißt, du hast immer noch die Möglichkeit gehabt, die Bevölkerung da irgendwo

Florian: anders hin zu transportieren und den Druck quasi aus der Gesellschaft rauszunehmen.

Florian: Und das hat dazu geführt, dass dieser Druck des Klimas in England nicht die

Florian: Auswirkungen gehabt hat, wie zum Beispiel in Frankreich, weil da die Politik durchführt.

Florian: Sich anders verhalten hat. Das ist alles Geschichte. Die Frage ist aber jetzt

Florian: natürlich, was lernen wir da jetzt für die Gegenwart daraus?

Claudia: Ich hoffe nicht wieder mehr Kolonialismus. Das wäre jetzt nicht gut.

Florian: Nee, das wäre jetzt der falsche Schluss, den man daraus ziehen sollte.

Florian: Aber wir lernen auf jeden Fall,

Florian: dass Klima eine Herausforderung für die gesellschaftliche Stabilität ist.

Florian: Das haben wir vorher auch schon

Florian: gewusst, aber jetzt haben wir es halt mal historisch auch nochmal belegt.

Florian: Klima übt einen Druck auf die Stabilität von Gesellschaften aus.

Florian: Die Klimakrise, so wie wir sie

Florian: jetzt haben, übt einen Druck auf die gesellschaftliche Stabilität heraus.

Florian: Aber, und auch das zeigt die Arbeit, man kann gegensteuern. Man kann dafür sorgen,

Florian: dass die Klimakrise nicht zwingend über die Mangelernährung,

Florian: über die Landwirtschaft, über andere Konflikte zu großen Auseinandersetzungen führen muss.

Florian: Man kann was dagegen tun und zwar kann man was dagegen tun mit resilienter Landwirtschaft,

Florian: mit einem guten Gesundheitssystem, mit sozialer Absicherung und mit vorausschauender Politik.

Florian: Und das ist jetzt einerseits gut, dass wir das wissen, andererseits,

Florian: wenn man sich anschaut, gutes Gesundheitssystem, soziale Absicherung,

Florian: resiliente Landwirtschaft, vorausschauende Politik.

Florian: So wenn ich eine Liste machen müsste von Dingen, die die Politik in Deutschland,

Florian: Österreich, Europa gerade nicht auf die Reihe kriegt, dann wären das vermutlich

Florian: so die ersten vier bis fünf Punkte, die ich da draufschreiben würde.

Claudia: Ja, durchaus.

Florian: Und man sieht das ja auch durchaus in der aktuellen Politik.

Florian: Also wir nehmen diese Folge eine Woche auf, bevor sie dann tatsächlich auch

Florian: veröffentlicht wird. Das heißt, vielleicht hat sich schon was getan.

Florian: Aber ich habe heute Morgen in den Nachrichten erst wieder was über die großen

Florian: Proteste im Iran gesehen. Halbe Bevölkerung geht da irgendwie auf die Straße.

Florian: Und ich möchte jetzt gar nicht die ganze Geschichte des Konflikts im Iran anfangen,

Florian: weil ich kenne mich auch nicht gut genug aus.

Claudia: Das könnte auch dauern.

Florian: Ja, aber ich habe zumindest kurz mal geschaut. Der Anfang des aktuellen Konflikts,

Florian: der Anfang dieser Proteste, die jetzt gerade stattfinden, das war so letztes

Florian: Jahr, Ende letzten Jahres.

Florian: Und auch da hat es angefangen erstmals mit einer großen, dramatischen Wasserknappheit.

Florian: Das war ungefähr sowas ähnliches wie das, was wir in unserer Folge über diese

Florian: Zero-Day-Torts, wenn du dich erinnerst, besprochen haben.

Claudia: Oh ja.

Florian: Sowas hat da im Wesentlichen im Iran stattgefunden, wo wirklich das Wasser weg war.

Florian: Es gab eine extreme landwirtschaftliche Probleme. Es gab wirtschaftliche Probleme,

Florian: wahnsinnige Inflation. Und all das hat dann überwirkend.

Florian: Sehr, sehr, sehr viel politische Komplexheit, die ich jetzt nicht wiedergeben

Florian: kann, zu diesen großen, dramatischen Protesten geführt, die jetzt im Iran stattfinden.

Florian: Also da haben wir im Prinzip genau ein Beispiel für das, was ich jetzt in dieser

Florian: Folge besprochen habe, wo eben der Druck des Klimas aufgrund von schlechter

Florian: Krisenpolitik dazu geführt hat, dass wir ja jetzt Rebellion haben.

Florian: Wer weiß, was in einer Woche passiert ist bis jetzt. Aber ja,

Florian: also das ist das, was das Klima tatsächlich macht.

Florian: Und das schreien die auch in ihrer Arbeit. Der letzte Satz in diesem Paper lautet,

Florian: ich zitiere ihn jetzt, also ich habe ihn übersetzt und zitiere ihn jetzt auf

Florian: Deutsch, die kleine Eiszeit dient als Weckruf.

Florian: Sie macht deutlich, wie unzureichende Anpassungen an klimatische Unsicherheit

Florian: und das Versäumnis, die negativen Folgen des Klimawandels abzumildern,

Florian: zu Aufständen gegen staatliche Autoritäten führen können.

Claudia: Aha, Klimapolitik als Staatssicherung.

Florian: Ja, natürlich. Klimapolitik ist Sicherung für so gut wie alles.

Florian: Also wenn wir nicht wollen, dass die Klimakrise, der Druck der Klimakrise in

Florian: Zukunft dazu führt, dass die Dinge eh noch stressiger und schlechter werden

Florian: auf der Welt, als sie sind,

Florian: dann braucht es eine vorausschauende Politik.

Florian: Und all das eigentlich, was wir in unseren Folgen über den Sachstandsbericht

Florian: schon besprochen haben. Wir brauchen Klimagerechtigkeit.

Florian: Je sozialer abgesichert die Menschen sind, desto eher sind sie bereit,

Florian: Dinge zu verändern oder die Politik zuzulassen, die Dinge verändert,

Florian: weil sie dann keine Angst mehr haben müssen, dass ihnen irgendwas Schlimmes

Florian: passiert, weil sie ja sozial abgesichert sind. Wenn ich ein gutes Gesundheitssystem habe, genauso.

Florian: Also all das, was die Politik eigentlich machen müsste, um die Klimakrise,

Florian: wenn schon nicht abzumildern oder zu verhindern.

Florian: All das, was sie machen müsste, um sie zu überstehen ohne grobe Konflikte,

Florian: das wissen wir schon länger.

Florian: Diese Arbeit zeigt es nochmal und die Realität zeigt, dass die Politik das noch nicht verstanden hat.

Florian: Der letzte Satz ist von mir, nicht aus der Arbeit.

Claudia: Ja gut, aber den kann man trotzdem so stehen lassen und irgendjemand kann ihn dann zitieren.

Florian: Genau. Ja, das war mein kurzer Bericht über die Arbeit zur kleinen Eiszeit und

Florian: den Konflikten in Europa.

Claudia: Aber ich finde es immer schön, dass man aus diesen Sachen ja etwas lernen kann, wenn man zurückschaut.

Claudia: Ich meine, das ist der Kern von Klimawissenschaft, dass man die Vergangenheit

Claudia: versteht, um dann zu gucken, ob man die Zukunft versteht.

Claudia: Aber das geht natürlich auch in diesen Szenarien. Das fand ich sehr spannend und sehr aktuell.

Florian: Wie ich die Arbeit gelesen habe, das war schon letzte Woche,

Florian: wie ich das vorbereitet habe, da habe ich das noch nicht so am Schirm gehabt,

Florian: aber ich habe mir das dann angeschaut.

Florian: Wir haben jetzt über zwei Revolutionen, wenn man so will, geredet,

Florian: nämlich über die französische im 18. Jahrhundert und über das, was im Iran passiert.

Florian: Und die Autorinnen und Autoren, wie ich am Anfang gesagt habe,

Florian: sind das Frankreich und dem Iran.

Claudia: Ja, stimmt. Den Ding habe ich gar nicht nochmal hergestellt. Ja, okay. Ja, super.

Claudia: Dann kann man ja fast schon mal dahin gehen zu sagen, dass ich mich nächstes

Claudia: Mal mit etwas anderem beschäftige. Ich würde gerne in zwei Wochen über Jugendliche sprechen.

Florian: Über Jugendliche? Gut, das ist, wenn so alte Menschen über wir über Jugendliche

Florian: sprechen, kann das so oder so ausgehen. Immer schwierig.

Claudia: Immer nur schwierig. Aber ich will ja darüber reden, wie die Wissenschaft über Jugendliche spricht.

Florian: Also nicht viel jetzt.

Claudia: Wie war noch das Jugendwort des Jahres?

Florian: Wir haben ja unterschiedliche in Österreich und Deutschland.

Claudia: Ach so.

Florian: Ich glaube aber, die Jugendlichen können mit dem Jugendwort des Jahres auch nicht viel anfangen.

Claudia: Ich glaube auch nicht, ja. Das ist immer so eine Wahl, von der niemand weiß, was es genau bedeutet.

Florian: Ich kann dich mal fragen, die Liste der österreichischen Jugendwörter des Jahres.

Florian: Gehen wir mal zehn Jahre zurück ungefähr.

Florian: 2000... Was waren vor zehn Jahren? 2016.

Claudia: Stimmt. Ja.

Florian: 2016 war... Okay, das ist ein Satz, kein Wort. Okay. Was ist das für ein Live? 2017, Halloween.

Florian: Bims schreibt.

Claudia: Ja, hallo, ich bin es. Ja, ja. Aber daran kann ich mich erinnern.

Florian: 2018 fand ich komisch Euda. Mein Euda sagen wir in Österreich seit 100 Jahren

Florian: mindestens oder noch länger. 2019 war das Jugendwort Brexiten.

Florian: 2020 war es Boomer. 2021 war es Grinch. 2022 Smash.

Claudia: 2023 Warte, warte, warte. 2022 Smash, das war auch in Deutschland.

Florian: Ja. 2023 Bracker. 2024 Herst, was wir in Österreich genauso lang wie Euda sagen.

Florian: Meistens in Kombinationen als Herst, Euda oder Euda, Herst.

Florian: Und Keine Ahnung, vielleicht muss die Jugend das auch immer wieder neu entdecken,

Florian: diese alten Wörter in Österreich.

Florian: Und 2025 war das Jugendwort des Jahres 6-7.

Claudia: 6-7! Ja, okay, das ist ja okay, aber das ist näher dran am aktuellen,

Claudia: obwohl, naja, das Deutsche, das Crazy, ist auch, also hört man tatsächlich öfter.

Florian: Ja gut, das wirst du uns alle in der nächsten Folge über die Jugend nicht erzählen.

Claudia: Nee, auf jeden Fall nicht.

Florian: Wirst du deine Folge in der Sprache der Generation, wie ist die Alpha, die aktuelle halten?

Claudia: Nein.

Florian: Schade, hätte ich mir gerne angehört.

Claudia: Nein. Das kann nur cringe werden und das ist ja schon wieder out das Wort,

Claudia: also kann ich das nicht machen.

Florian: Okay. Na gut, wir sind auf jeden Fall gespannt, was du dann nächste Woche über

Florian: die Jugendlichen erzählen wirst.

Claudia: Hoffentlich was Gutes, sage ich dazu, aber genau, bis dahin freuen wir uns natürlich

Claudia: darüber, wenn ihr uns weiterhin schreibt und Paper-Vorschläge macht.

Claudia: Ihr seht ab und an, greifen wir das auf, auch wenn wir, wie gesagt,

Claudia: nicht alle Sachen beantworten oder aufgreifen können. Schreibt uns gerne eine

Claudia: Mail an podcast-at-dasklima.fm oder kommentiert hier unter der Folge drunter,

Claudia: wenn ihr möchtet. Und erzählt gerne,

Claudia: Allen, die ihr kennt, dass wir hier über Jugendwörter reden.

Claudia: Nein, Moment, dass wir hier über das Klima reden.

Claudia: Und wir freuen uns, dass ihr zuhört. Und dann in zwei Wochen,

Claudia: wie ihr dabei zuhört, wie ich über Jugendliche spreche.

Florian: Wir freuen uns über euer Feedback. Ach ja, ich muss dann noch von Feedback erzählen, Claudia.

Florian: Ich war nämlich vor Weihnachten mit Evi noch kurz, in einem Mini-Kurzurlaub im Burgenland.

Florian: Und als wir beim Abendessen saßen, haben sich die Menschen auf den Tisch nebenan

Florian: an mich gewandt und haben gesagt, dass sie hören, mich und dich jeden Tag fast

Florian: beim Autofahren, weil sie anscheinend immer das Klima hören.

Florian: Und haben uns da auch im Real Life IRL oder wie man das sagt,

Florian: ich keine Ahnung. War das auch mal Jung?

Claudia: Jungwort des Jahres 2008 oder so.

Florian: Ja, auch im Real Life kann man auf Feedback treffen.

Florian: Also auch da habe ich Leute getroffen, die sich bedankt haben für das,

Florian: was wir machen. Ich weiß nicht, ob die beiden uns jetzt hier hören. Ja, schöne Grüße.

Florian: Auch von Claudia. Und auch im Real Life gibt es Feedback.

Florian: Und ich wollte es dir beim letzten Mal schon sagen, kann ich aber voll vergessen,

Florian: dich davon zu informieren.

Claudia: Das ist aber sehr schön, das freut mich immer. Ich bin immer erstaunt,

Claudia: wenn Leute mich darauf ansprechen. Ich bin immer so, wow, okay, jemand hört uns.

Florian: Ja, ja, viele hören uns. Ja, gebt uns Feedback und wenn ihr genug Feedback gegeben

Florian: habt oder keines geben wollt, ist das auch okay, dann hört uns einfach in der

Florian: nächsten Folge wieder zu.

Florian: Die gibt es in zwei Wochen mit Jugendlichen.

Florian: Bis dahin verabschieden wir uns und sagen Tschüss.

Claudia: Tschüss.

Florian: So, hier ist die Musik, die habe ich auch, sonst passt auch alles.

Florian: Und dann drücke ich hier noch drauf und dann, da habe ich schon gedrückt und

Florian: jetzt muss ich hier drücken. Okay, jetzt kommt die Musik.

Claudia: So viel Gedrücke.

Florian: Ja, erstaunlich viel Gedrücke beim Podcast.

Florian: Aber ja, jetzt habe ich alles gedrückt und jetzt drücke ich noch auf Play und

Florian: dann kommt die Musik und dann bist du beim Reden dran.

Claudia: Okay.

Kommentare (2)

Georg

ad GAG535: ... ich korrigiere meinen letzten Kommentar: nicht passend, sondern extrem passend zu eurer Geschichte. habt ihr euch mit euren Themen abgestimmt? Bitte anhören, es ist eine Folge, die für Gänsehaut sorgt. ich musste es gerade nochmals anhören

Georg

https://www.geschichte.fm/archiv/gag535/#t=5 passende Folge aus dem Podcast geschichten aus der Geschichte

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