DK012 - Von Lachgas und chaotischer Forschung

Shownotes

DK012 - Von Lachgas und chaotischer Forschung

…und warum sollte uns eigentlich der Permafrost kümmern?

"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.

Wir widmen uns dem zweiten Teil von Kapitel 5. Oder besser gesagt: Dem, was noch übrig ist, nachdem wir in der letzten Folge vom Klimaforscher Sönke Zaehle ausführlich erklären lassen haben, was da drin steht. Wir arbeiten uns jetzt durch den Rest: Es geht noch ein letztes Mal um den Kohlenstoffzyklus und seine Komplexität. Wir reden über Permafrost und die Eiskeilpolygondegradierung, die nicht nur bei Scrabble der Hit ist, sondern auch dem gefrorenen Boden zu schaffen macht. Wir diskutieren Corona und das Klima und schauen nach, wo eigentlich das ganze Lachgas in der Atmosphäre herkommt und wie man das Methan da wieder raus kriegt. Und dann geht es um den Nobelpreis! Der wurde dieses Jahr nämlich an zwei Klimaforscher verliehen. Wir erklären, was die beiden getan haben und warum da so viel Chaos involviert ist.

Rückblick auf den Kohlenstoffzyklus

Wir schauen noch einmal auf den Kohlenstoffzyklus. Denn die Abbildung 1 in Box 5.3 des Berichts fasst noch mal grafisch sehr schön zusammen, wie und wohin der Kohlenstoff normalerweise fließen würde und wohin er jetzt fließt, wo wir das ganze Werk durcheinander gebracht haben:

Box 5.3 Abbildung 1

Permafrost

Der Permafrost taut auf, so viel ist sicher. Aber warum sollte uns das beschäftigen? Das fragt sich die Box 5.1 des Berichts und die ist sehr lehrreich. Zuerst einmal stellen wir fest, dass da sehr viel Permafrost ist. Und die Sache komplizierter als dass das Gefrorene einfach nur flüssig wird. Denn da wird nicht nur Methan und CO2 frei; sondern auch Nährstoffe. Das kann das Pflanzenwachstum fördern und das wiederum bindet CO2. Tendenziell taut der Permafrost langsam. Es ist allerdings auch möglich, dass er abrupt abtaut, zum Beispiel durch Phänomene wie die schön benannte “Eiskeilpolygondegradierung”. Und wer gerne wissen mächte, wie solche Eiskeile aussehen, kann hier nachsehen. Wir empfehlen außerdem einen Blick auf die FAQ 5.2 und die dortige Abbildung:

Le Quéré et al, Global Carbon Project, CC-BY

Das Global Carbon Project und Corona

Das Global Carbon Project hat zwar nichts mit dem Klima zu tun, zeigt aber trotzdem sehr schöne Abbildungen und Wissenschaft. Unter anderem wird dort ein neues Paper vorgestellt, das sich mit der CO2-Reduktion durch Corona beschäftigt. Die hat stattgefunden - war aber weder groß, noch nachhaltig, wie man in dieser Grafik sehen kann:

FAQ 5.2 Abbildung 1

SPM Abbildung SPM.7 Außerdem schaut Claudia tatsächlich noch einmal in die “Summary for Policymakers” des Berichts. Die wollten wir eigentlich für den Schluss aufsparen. Aber dort wird grafisch noch einmal sehr schön dargestellt, dass der Anteil des CO2s, den Ozean und Land aufnehmen, zwar mit steigendem CO2 steigt, relativ gesehen aber sinkt. Und darauf kommt es leider an:

Abbildung SPM.7

Wie macht man Methan zu CO2 (und warum?!)

Der kurze Unterabschnitt 5.6.2.2.5 verbirgt spannende Information. Methan ist ja auch ein Treibhausgas und ein sehr starkes noch dazu. Es wäre cool, wenn man das loswerden könnte. Was man im Prinzip auch kann: Man kann es aus der Luft filtern und dann in CO2 umwandeln. Das klingt bescheuert, ist es aber nicht. Denn CO2 ist zwar fies für das Klima, Methan allerdings ist fieser! Insgesamt sind aber alle Techniken zur Methanentfernung noch bei weitem nicht ausgereift genug, um darüber irgendwas wissenschaftlich sinnvolles prognostizieren zu können.

Warum Lachgas gar nicht komisch ist

Lachgas! Klingt lustig, ist aber ein Problem für das Klima. So wie CO2 und Methan ist es ein Treibhausgas und wir setzen es zum Beispiel in Landwirtschaft und Industrie frei. Wie das Lachgasbudget aussieht, kann man sich in Tabelle 5.3 ansehen:

Tabelle 5.3 Lachgas… wer hätte gedacht, dass das solche Probleme schafft!

Diamant-Deutschland

Nach ein paar Folgen, in denen wir Klimafolgen durch gigantische Schokowürfel visualisiert haben, hat Claudia eine neue Idee: Wenn man das ganze menschgemachte CO2 aus der Atmosphäre holen und zu Diamant verdichten würde, dann bekäme man eine 50 Zentimeter dicke Schicht, mit der man ganz Deutschland bedecken könnte. Wenn das mal kein Ansporn ist! Wie viel Nobel steckt im IPCC-Bericht

Die Nobelpreise für Physik des Jahres 2021 wurden für Klimaforschung vergeben. Unter anderem an Klaus Hasselmann, der in einem Telefoninterview immer noch ein wenig überrascht von der Angelegenheit ist. Wie wichtig die Forschung und Hasselmann und dem zweiten Klimaforscher unter den Preisträgern - Syukuro Manabe - ist, kann man auch daran sein, dass ihre Arbeiten ausgiebig im Sachstandsbericht des IPCC zitiert werden.

Klimaforschung braucht Chaos

Florian erklärt noch ein wenig, wieso Hasselmann und Manabe eigentlich ihren Preis bekommen haben. Manabe für seine Modelle zur Bestimmung der Klimasensitivität, also der Reaktion der Temperatur auf die CO2-Menge in der Atmosphäre. Und Hasselmann für seine Modelle mit denen man aus dem Chaos des Wetters das Klima der Zukunft und den Einfluss der Menschen vorhersagen kann. Und es wird deswegen von Florian erklärt, weil das alles sehr viel mit Chaos zu tun hat, was sein Forschungsgebiet in der Astronomie war. Zwischendurch wird noch kurz Albert Einsteins Arbeit über die Mäanderbildung von Flüssen erwähnt, die zwar nix mit dem Thema zu tun hat, aber trotzdem cool ist.

Wer nochmal nachlesen will, wie das mit dem Chaos und dem Nobelpreis ist, kann das in Florians Blog tun. Und wer es ganz genau wissen will, schaut entweder in den kurzen Bericht des Nobelpreiskomitees - oder in den sehr langen.

Kontakt und Ausblick

Wer uns Feedback, Grüße oder sonstige Nachrichten schicken will, tut das am besten über podcast@dasklima.fm. Ansonsten freuen wir uns schon auf Kapitel 6. Da geht es um das, was das Klima auf kurzen Zeitskalen ändern kann. Und die Luftverschmutzung…

Weiterführende Informationen

Kapitel 5 des Klimaberichts ist hier als pdf downloadbar.

Kontakt und weitere Projekte

Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.

Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.

Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.

Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:

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Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian

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